Kirchheim

Gemeinsam gegen die Einsamkeit

Kooperation Bürgertreff und Mehrgenerationenhaus Linde verstärken die Zusammenarbeit. Generationen sollen miteinander ins Gespräch kommen. Von Thomas Krytzner

Das Mehrgenerationenhaus Linde und der Bürgertreff arbeiten ab sofort eng zusammen. Ihr Ziel: Menschen zusammenbringen.Foto: Tho
Das Mehrgenerationenhaus Linde und der Bürgertreff arbeiten ab sofort eng zusammen. Ihr Ziel: Menschen zusammenbringen.Foto: Thomas Krytzner

Seit Langem sind Bürgertreff und Linde an der Sozialmeile in Kirchheim Anlaufstelle für Jung und Alt. Jetzt wollen beide Häuser eine engere Zusammenarbeit und versprechen sich dadurch, noch mehr Menschen aus der Einsamkeit zu holen. Die Fragestellung ist einfach: Wie kann man verschiedene Gruppen unter einen Hut bringen? Jutta Ziller, Einrichtungsleiterin im Mehrgenerationenhaus Linde, sieht den geplanten Zusammenbau der Häuser als Chance: „Wenn wir unter dem gemeinsamen Dach sind, schaffen wir es, die vielen engagierten Bürger zusammenzubringen.“ Und die Bürger haben viele Möglichkeiten, sich einzubringen. „Da gibt es die Schachspieler in verschiedenen Altersgruppen. Warum sollen da nicht ältere Menschen mit jüngeren um die besten Schachzüge wettstreiten.“ Die Identität wollen sich die beiden Häuser jedoch wahren, wie Sybille Köber, Vorsitzende des Bürgertreffs, erklärt: „Die Sozialmeile rückt zwar zusammen und verändert sich, jedoch soll der Bürgertreff auch Bürgertreff bleiben.“

Seit Jahren wuchs die Zusammenarbeit beider Häuser, wie Jutta Ziller feststellt: „Es gab schon immer Überschneidungen bei den Themen und Gruppen. Allerdings leiden die Aktivitäten unter Fluktuationen.“ Mit der Kooperation wollen die Verantwortlichen die Angebote attraktiver gestalten und damit mehr Menschen ansprechen.

Verschiedene Ideen liegen bereit. So soll demnächst eine Denksportgruppe gebildet werden und ein Chor ist in Planung. Die Linde-Chefin hat klare Vorstellungen: „Es gibt zunehmend Menschen mit viel Freizeit und ihnen wollen wir eine spannende Alternative bieten. Wir planen mehrere Nachmittage mit offenen Türen.“ Sybille Köber ergänzt: „Es gibt in beiden Häusern auslaufende Projekte. Diese wollen wir neu beleben.“ Die Chefin des Bürgertreffs denkt dabei an verschiedene Spiele-Gruppen und an das gemeinsame Singen. „Ziel ist es, Menschen aus der Einsamkeit zu holen.“ Damit soll eine Plattform geschaffen werden, wie Jutta Ziller erklärt: „Wir wollen die Wünsche der Gäste in der Umsetzung beachten und da hilft meist das persönliche Gespräch.“

Gruppen zusammenbringen

Zurzeit gibt es im Bürgertreff und in der Linde 40 verschiedene Gruppen. „Wir wollen die Gruppen zusammenbringen und damit neue Ideen kreieren“, wünscht sich Siegfried Hauff, Vizechef des Bürgertreffs. Man könne so einerseits entlasten und andererseits ergänzen.

Dabei achten beide Häuser vor allem auf ausgegrenzte Menschen. „Wir schaffen spezielle Angebote, zum Beispiel für Demenzkranke.“ Damit soll die Inklusion fortgeführt werden. Fast alle Angebote im Bürgertreff und in der Linde sind kostenlos. Dadurch ist während der Öffnungszeiten immer etwas los. Nadine Blüse, Mitarbeiterin in der Linde schmunzelt: „Man ist selten allein im Haus. Irgendwo ist immer was los.“

Jutta Ziller ist seit 17 Jahren dabei und schwärmt: „Wir haben ein vielfältiges Angebot und können fast alle Ideen der Besucher umsetzen.“ An die verrückteste Idee erinnert sich die Einrichtungsleiterin gerne: „Der Wunsch war eine Beach-Party im Winter. Sechs Tonnen Sand und das Haus auf 30 Grad heizen. Zuerst taten wir die Idee als zu gesponnen ab, setzten sie aber doch um und hatten schließlich großen Erfolg.“

Zurzeit läuft im Bürgertreff eine Ausstellung der eigenen Malgruppe. „Wir wollen das Haus lebendig halten“, sagt Sybille Köber. Die gemeinsamen Aktionen stehen jeweils im Mittelpunkt. Ziller freut sich auch über die Graffiti-Projekte mit der Kreisbaugesellschaft: „Die Jungen sprayten und die Erwachsenen dokumentierten die Aktion mit der Videokamera. So brachten wir den Dialog ins Rollen und die Spraykunst wird nicht mehr als Schmiererei gesehen.“ Auch das gehört zu den Zielen der geplanten Zusammenarbeit: Generationen ins Gespräch bringen und damit Ängste und Vorbehalte abbauen.

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