Kirchheim

Gut gekühlt ist halb gewonnen

Weindorf Auf dem Kirchheimer Rollschuhplatz steht von heute an alles unter dem Zeichen der Reben. Gegen die Sommerhitze sollen wohltemperierte Tropfen helfen. Von Andreas Volz

Erst wird noch überall gehämmert und gesägt, und dann ereignet sich wie jedes Jahr ein Wunder: Trotz scheinbarem Chaos am Vortag öffnet des Kirchheimer Weindorf auf dem Rollschuhplatz am heutigen Donnerstag pünktlich um 17 Uhr seine Pforten. Bis zur offiziellen Eröffnung durch Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker um 18 Uhr dürften die Kirchheimer „ihr“ Weindorf sogar so sehr in Beschlag genommen haben, dass man das Gefühl bekommt, das Weinfest würde schon mehrere Wochen andauern.

Gut 30 Leute sind damit beschäftigt, die Lauben für den Weingenuss zu errichten. Bei der 30. Auflage des Weindorfs müsste das eigentlich wie am Schnürchen gehen. Trotzdem gibt es eine Besonderheit: die extreme Sommerhitze. „Das ist das Härteste, was wir bisher erlebt haben“, sagt Weindorf-Wirt Michael Holz gleich zum Beginn des Pressegesprächs. Ganz heftig war es wohl am Dienstag: „Da mussten wir die Jungs zwischendurch von den Dächern holen, es war einfach zu heiß.“

Die pralle Sonne ist höchstens etwas für die Trauben - solange sie nicht gleich am Stock verschrumpeln. Großformatige Bilder heimischer Trauben prägen dieses Mal die Bärenlaube. „Auch meine eigenen Trauben aus Ochsenwang sind auf einem Foto zu sehen“, berichtet Michael Holz. Er gesteht aber, dass aus diesen Trauben kein Wein gemacht wird, sondern nur Saft. Außerdem sei die Ausbeute nicht sonderlich ergiebig: „Da kommen bloß zehn Liter raus.“

Das würde nicht einmal für fünf Magnum-Flaschen reichen, wie sie immer mehr im Kommen sind. Erstmals ist jetzt im Weindorf ein Rosé aus Untertürkheim in der Anderthalb-Liter-Klasse erhältlich. „Die große Flasche steht nicht mehr für schlechtere Qualität, wie das früher vielleicht einmal der Fall war“, meint Michael Holz. Sein Kollege Robert Ruthenberg von der Waldhornlaube fügt hinzu, dass eher das Gegenteil der Fall ist: „Die Magnum-Flasche ist nicht günstiger als die kleineren Flaschen. Da sind oft die besseren Lagen drin, und die Flaschen als solche sind schon teurer.“ Auf jeden Fall aber bringe es mehr Spaß, gemeinsam in der Gruppe eine große Flasche zu leeren.

Was trägt das Wetter zum Spaß auf dem Weindorf bei? Michael Holz, der seit 2001 Weindorf-Wirt ist, erinnert sich an kalte und verregnete Tage, die den Spaß vermiesen können. Das scheint aktuell nicht das Problem zu sein. Eher könnten die Gäste angesichts der großen Sommerhitze die Flügel hängen lassen: Für die erste Woche bis kommenden Donnerstag sind durchgehend Temperaturen über der 30-Grad-Marke angesagt.

Der Trend geht zu kühlem Wein aus großen Flaschen. Das sagen die Weindorf-Wirte Michael Holz (links) und Robert Ruthenberg vorau
Der Trend geht zu kühlem Wein aus großen Flaschen. Das sagen die Weindorf-Wirte Michael Holz (links) und Robert Ruthenberg voraus. Foto: Jean-Luc Jacques

Da hilft dann offensichtlich nur gut gekühlter Wein. „Wir mussten jetzt noch einmal eine große Eiswürfelmaschine bestellen“, plaudert Michael Holz aus dem Nähkästchen. Weißwein entfalte eigentlich - glaube man den Winzern - sein volles Aroma bei acht bis zehn Grad Celsius. „Die Leute wollen ihn aber lieber bei drei Grad trinken.“ Robert Ruthenberg rät ihn diesem Fall zu seinem neuen Hauswein: „Das ist ein ganz süffiger Rosé, der gar keinen Preis gewinnen will. Aber er lässt sich wunderbar auf Eis genießen.“

Für Gäste, die jeden Tag kommen und irgendwann sämtliche Weine aus der großen Auswahl durchprobiert haben, empfiehlt Robert Ruthenberg die „Schatzliste“ in seiner Waldhorn-Laube: „Das ist ein Kühlschrank mit ganz besonderen, exklusiven Weinen, die nicht auf der Karte stehen - mein Mini-Weinkeller fürs Fest.“

Besondere Veranstaltungen in der Bärenlaube von Michael Holz, in der Waldhornlaube von Robert Ruthenberg oder in der Weinlaube von Walter Brackenhammer sind in der Weindorfzeitung aufgelistet, die überall als Speise- und Getränkekarte ausliegt. Bis 19. August haben die Gäste Zeit, von 17 bis 23 Uhr die kulinarischen Genüsse zu probieren - donnerstags, freitags und samstags sogar bis Mitternacht. Diese Information wird noch geliefert, dann kümmern sich die Wirte endgültig wieder um den Aufbau ihrer Lauben. Robert Ruthenberg blickt sich um: „Da hängt noch was schief, da muss man noch mal mit der Wasserwaage ran.“ Und schon ist er fort.

Wie auf diesen Bildern soll es heute wieder auf dem Rollschuhplatz zugehen: Wein und Gesang gehören dazu.Archiv-Fotos: Jean-Luc
Wie auf dem Bild soll es heute wieder auf dem Rollschuhplatz zugehen: Wein und Gesang gehören dazu. Archiv-Foto: Jean-Luc Jacques
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