Kirchheim

Handgebrautes für engagierte Männer

Ehrenamt In der Reihe „Was Männer bewegt“ ging es in der Stiftsscheuer um die Vielfalt an Ehrenämtern für Rentner. Dazu wurden zwölf Gäste interviewt, bei Häppchen und Gerstensaft. Von Thomas Zapp

Bier spielte immer wieder eine Rolle. Wirt Michael Attinger schenkt hier Christoph Tangl von der Familien-Bildungsstätte aus dem
Bier spielte immer wieder eine Rolle. Wirt Michael Attinger schenkt hier Christoph Tangl von der Familien-Bildungsstätte aus dem Pitcher nach (großes Foto). Corina Däuble interviewt Dieter Hutt von der Rikscha Kirchheim (links), und Buefet-Vize Tilman Walther (kleines Foto) ins­piziert ausführlich eine Bierprobe. Fotos: Jean-Luc Jacques

Bier und bürgerschaftliches Engagement passen offenbar gut zusammen. Die Idee, einen Themenabend über die Möglichkeiten des Ehrenamts im Ruhestand mit einer Bierprobe und leckeren Häppchen zu verbinden, hat funktioniert. Die Stiftsscheuer in der Kirchheimer Altstadt ist fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Haarfarbe grau dominiert unter den ausschließlich männlichen Gästen. Es geht schließlich um sie, die Männer im Ruhestand, die ihre Zeit sinnvoll verbringen wollen und dabei ihr in langen Berufsjahren erworbenes Wissen einbringen oder Neues kennenlernen wollen.

Damit die Informationen zum Ehrenamt leicht verdaulich sind, sind drei Interviewrunden sowie drei Bierverkostungen im Wechsel angesagt. In der Stiftsscheuer schenkt Michael Attinger normalerweise sein selbst gebrautes Craftbeer aus. An diesem Abend erzählt er den Anwesenden bei der Verkostung von Pilsener Rotblond, Weizenbier und dem kräftigen Pale Ale einer anderen Kleinbrauerei von den Feinheiten des handwerklichen Brauens. „Warnung: Das Bier enthält Alkohol, und wir übernehmen keine Garantie für Führerscheine“, begrüßt der Wirt die Gäste launig.

Die einzigen Damen unter den rund 50 Anwesenden sind Gudrun Müller und Corinna Däuble von der Fachstelle Bürgerengagement der Stadt Kirchheim. Sie sind auf Einladung von Tilman Walther, Zweiter Vorsitzender des Sozialvereins buefet, der im Rahmen der Reihe „Was Männer bewegt“ diesen Abend geplant hat.

Weder Sport noch Kultur

„Schwing die Hufe“ ist auf Plakaten und Aufstellern in der Stiftsscheuer zu lesen. Dieser Aufforderung sind die Gäste zumindest an diesem Abend schon einmal nachgekommen. Die Inspiration, auch künftig die Hufe in Bewegung zu halten, sollen die zehn Interview-Partner liefern. Die kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Nur auf Sport und Kultur habe man bewusst verzichtet, erklärt Tilman Walther. „Wer sich dort engagieren will, weiß in der Regel, wo er sich melden muss“, erklärt er.

So erzählten also Leute wie Dirk Dinkelbach von ihren Erfahrungen in der Natur, wenn er Wanderfalken, Steinkäuze oder sogar Uhus beobachtet. Er ist beim Naturschutzbund (Nabu) aktiv. „Man ist viel draußen, kann auf einem Felsen sitzen oder mit der Motorsäge arbeiten“, erzählt er. Das klingt nach Männerspaß für Junggebliebene.

Es geht aber auch um ernste Themen. So hilft Hartmut Knack in der AG Hospiz als Sterbebegleiter. „Es gibt sehr wenig Männer unter den Helfern“, sagt er. Hartmut Knack hat allerdings Erfahrung in dem Bereich, hat viele Jahre als Heilerziehungspfleger gearbeitet. Empathie müsse man selbstverständlich mitbringen als freiwilliger Helfer, ansonsten wachse man in die Aufgabe hinein. Nachdem es bei diesem Gespräch merklich stiller unter den Anwesenden geworden war, erzählt Dieter Hutt wieder von einem launigeren Thema. Zwar hat er mit älteren und gebrechlichen Menschen zu tun, fährt dabei aber auf einer elektrobetriebenen Rikscha durch Kirchheim. „Die Menschen haben oft keinen großen Aktionsradius mehr und freuen sich umso mehr, wenn sie wieder mal durch Kirchheim fahren“, sagt Dieter Hutt. Für ihn selbst bringe das nicht nur Freude durch das Fahrradfahren, sondern auch interessante Begegnungen. „Es ist faszinierend, was einem die alten Leute über Kirchheim erzählen können“, sagt er.

Freiwillige Hilfe für ältere Menschen leistet auch Peter Bös, der im Namen von Buefet eine Wohnberatung anbietet. „Das hat aber nichts mit stilvoller Einrichtung zu tun“, erklärt er den Zuhörern. Vielmehr gehe es um die Wohnverhältnisse älterer Menschen, die nach einer Krankheit oder einem Schlaganfall zum Beispiel ein neues Bad brauchen.

Andere unter den Herren reiferen Alters kümmern sich um die Jugend, wie Alfred Wörner. Der gelernte Sozialpädagoge arbeitet als Jugendbegleiter in der Ganztagsbetreuung an einer Grundschule. Er sorgt dafür, dass genügend Bälle zum Spielen da sind, stellt an heißen Sommertagen Zelte auf und ist einfach für die Kinder da. Seine Belohnung ist die ehrliche Zuneigung der Kinder. „Wenn die nach den Sommerferien auf einen zugelaufen kommen, ist das sehr schön“, erzählt Alfred Wörner.

Das Motiv der eigenen Zufriedenheit durch das ehrenamtliche Engagement zieht sich durch den Abend: Anderen etwas Gutes tun und sich selbst gut dabei fühlen, heißt das Motto. Dabei ist es egal, ob man im Repair-Café kaputte Plattenspieler wieder zum Laufen bringt oder gespendete Fahrräder für Flüchtlinge instand setzt. Oder wie es Jok Schenkel, der einen Fahrdienst für ältere Menschen anbietet, ganz trocken auf den Punkt bringt: „Heute mal was Nützliches getan.“ Die Lacher hatte er auf seiner Seite; bleibt abzuwarten, wie viele der Gäste die Eindrücke in Aktion umsetzen und ihre Hufe schwingen.

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