Lokale Wirtschaft

Handyticket-Nutzer gucken in die Röhre

Wer ein elektronisches Tagesticket kauft, kann das „Sommer Spezial“ des VVS nicht nutzen

Handyticket-Nutzer gucken in die Röhre
Handyticket-Nutzer gucken in die Röhre

Mit großem Einsatz bewirbt der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) zurzeit sein „Sommer spezial“: Wer ein Tagesticket kauft, darf es nicht nur am eigentlichen Gültigkeitsdatum benutzen, sondern auch die 24 Stunden nach dem eigentlichen Ablauf. Eigentlich ein tolles Angebot. Das Dumme ist nur: Besitzer eines Handytickets gucken in die Röhre.

Jürgen Germann

Stuttgart. Das erstaunt umso mehr, als die VVS-Geschäftsführer Horst Stammler und Thomas Hachenberger nicht müde werden, die Vorzüge dieses elektronischen Fahrscheins zu preisen. Auch, weil man sich Erleichterung für die Busfahrer verspricht, denen es dadurch erspart bleibt, die Billetts auszudrucken, den Obolus zu kassieren und dann das Wechselgeld herauszugeben.

Just aus diesem Grund hat sich der VVS entschieden, zwar nicht die elektronischen Tagestickets, aber die Einzelfahrscheine zu rabattieren. Jeden davon bekommt man zu dem Preis, den man bezahlen müsste, hätte man einen Vierer-Block auf Papier gekauft.

Die Ersparnis reicht dabei von 15 bis 35 Cent pro Fahrt – je nachdem, wie viel Zonen man durchfährt. Damit wurde eine regelrechte Erfolgsgeschichte geschrieben, schon 400 000 digitale Fahrscheine seien bislang verkauft worden, wurde Anfang Juli hocherfreut bekannt gegeben.

Doch obwohl die Handyticket-Fans dem VVS Zeit und Kosten sparen, haben ausgerechnet sie nichts vom attraktiven Angebot „Sommer spezial“.

Auf seinem Smartphone kann man sich nämlich zwar eine Liste der abgelaufenen Tickets (auch das vom Tag zuvor natürlich) anzeigen lassen – nicht aber den sogenannten QR-Code, auf den die elektronischen Lesegeräte der Fahrscheinkontrolleure „geeicht“ sind. Die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB), die den elektronischen Ticket-Shop quasi als Generalunternehmer für den Verbund betreiben, haben es laut VVS-Pressespreche­rin Nadine Szymanski bisher nicht geschafft, die Software entsprechend umzustellen: „Das steht aber auf unserer To-do-Liste“, versichert sie.

Aber so schnell wird es wohl nicht klappen. Die SSB müsse zurzeit in erster Linie andere termingebundene Dinge erledigen.

So kommt ja demnächst der Landkreis Göppingen tarifmäßig zu den bisherigen VVS-Mitgliedskreisen Esslingen, Rems-Murr, Ludwigsburg und Böblingen und der Stadt Stuttgart hinzu. Erst danach könne man sich wieder um andere Themen kümmern, heißt es beim Verbund.

Na ja. Vielleicht klappt es dann ja zum „Ostern spezial“.

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