Kirchheim

Helfer vor Ort werden immer wichtiger

Helfertag Seit 20 Jahren unterstützen im DRK-Kreisverband Nürtingen-Kirchheim Ehrenamtliche die hauptamtlichen Rettungskräfte. Vorläufer war die „Tälesrettung“ im Lenninger Tal. Von Markus Brändli

Der neue Einsatzleitwagen ist mit modernster Kommunikationstechnik ausgestattet.
Der neue Einsatzleitwagen ist mit modernster Kommunikationstechnik ausgestattet.

Als es im März 1998 zum ersten Mal „Einsatz Helfer vor Ort“ aus dem Lautsprecher des Funkmelders quäkte, war dies nicht nur ein Novum im Altkreis Nürtingen-Kirchheim, sondern gleichzeitig der Beginn einer Erfolgsgeschichte.

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Diese „Pionierarbeit des DRK Kreisverbandes Nürtingen-Kirchheim“ wie der Präsident des DRK Landesverbandes Dr. Lorenz Menz es in seiner Ansprache nannte, wurde im DRK-Katastrophenschutzzentrum in Owen gebührend gefeiert.

Der Erfolg des „Helfer-vor-Ort“-Systems bemisst sich nicht in Euro oder anderen materiellen Werten, sondern in geretteten Leben und gemindertem Leid. Schon früh hatten Einsatzkräfte und Verantwortliche im DRK erkannt, dass die Zeit bis zum Eintreffen des hauptamtlichen Rettungsdienstes sinnvoll durch die Ehrenamtlichen überbrückt werden kann. Denn nicht nur bei einem Kreislaufstillstand zählt jede Minute. Auch bei Schlaganfällen, Vergiftungen oder schweren Verletzungen mindert schnellstmögliche Versorgung die Gefahr von Schäden für den Patienten. Damals wie heute werden die freiwilligen Helfer parallel zum Rettungsdienst alarmiert und erreichen die Einsatzstelle in der Regel innerhalb weniger Minuten - eben weil sie „vor Ort“ sind. Bis zum Eintreffen der hauptamtlichen Kollegen übernehmen die speziell geschulten Helfer Lageerkundung, Betreuung und lebensrettende Maßnahmen. Hierfür wurden 2001 alle Helfer-vor-Ort-Teams mit Defibrillatoren ausgerüstet. Mit diesen Geräten kann die Herz-Lungen-Wiederbelebung sinnvoll ergänzt werden, falls der Patient Herzkammerflimmern hat. Dass diese Investition erfolgreich war, zeigt ein Blick in die Statistik: 308 Einsätze mit Defibrillatoren gab es bis Ende Januar 2018. Davon waren 112 Einsätze erfolgreiche Reanimationen, bei denen der Patient an den Rettungsdienst übergeben werden konnte.

In ihre Ansprache ging Kreisbereitschaftsleiterin Heike Gönninger auf die Entstehung des Helfer-vor-Ort-Systems ein und stellte fest, dass das derzeitige System einen Vorläufer hatte. Nämlich die „Tälesrettung“. Im Lenninger Tal hatten Rot-Kreuzler 1983 angefangen die Notfallversorgung an und auf der Alb in ihrer Freizeit zu verbessern. Dieses Engagement mündete dann in das heutige System.

Waren es im Jahr 1998 noch relativ wenige Einsätze, so waren 2008 bereits 970 Alarmierungen zu verzeichnen. Derzeit kommt es zu rund 1 250 Einsätzen pro Jahr, die von 145 Einsatzkräften abgewickelt werden.

Das ganze Helfer-vor-Ort-System wird übrigens durch die teilnehmenden Organisationen selbst finanziert. Eine Erstattung der Kosten durch Krankenkassen oder dergleichen erfolgt nicht. „Immerhin sind die Helfer vor Ort mittlerweile im Rettungsdienstgesetz verankert“, freut sich Dr. Lorenz Menz.

Neuer Einsatzleitwagen

Ein weiteres Highlight beim Helferfest war die offizielle Übergabe des neuen Einsatzleitwagens. Dieses Fahrzeug stellt eine wichtige Komponente im Konzept des DRK-Kreisverbandes dar. „Wer bestimmte Leistungen anbietet und abdecken will, der muss auch dafür gerüstet sein“, stellte Kreisbereitschaftsleiter Andreas Schober klar. Mit dem neuen Fahrzeug ist die Führungsgruppe bestens gerüstet für alle Aufgaben: vom Sanitätsdienst über Rettungshundeeinsätze bis hin zur Einsatzleitung bei Großeinsätzen. Im dem Fahrzeug gibt es mehrere Arbeitsplätze, alle mit modernster Computer- und Kommunikationstechnik ausgestattet. Auch bei einem Ausfall von Strom- oder Handynetzen kann weiterhin autark gearbeitet werden.

Besonders stolz ist man beim DRK darauf, das komplette Fahrzeug selbst finanziert zu haben. „Inklusive Schulung und Ausbildung von Führungskräften und weiteren Komponenten des Führungskonzeptes reden wir von annähernd 200 000 Euro“, berichtete Andreas Schober. Zuschüsse von öffentlicher Hand gibt es in Baden-Württemberg nämlich keine. Anders als in Bayern - dort steht in jedem Kreis ein solches Fahrzeug, da dies gesetzlich verankert ist.

Beim Helfertag im DRK-Katastrophenschutzzentrum in Owen konnten die Besucher live erleben wie die Kommunikation von den Einsatzz
Beim Helfertag im DRK-Katastrophenschutzzentrum in Owen konnten die Besucher live erleben wie die Kommunikation von den Einsatzzelten und Fahrzeugen mit dem neuen Einsatzleitwagen funktioniert.Fotos: Markus Brändli
DRK-Landesverbandspräsident Dr. Menz dankte dem Kreisverband für seine Pionierarbeit.
DRK-Landesverbandspräsident Dr. Menz dankte dem Kreisverband für seine Pionierarbeit.