Kirchheim

Hinter den Fassaden wird alles anders

Linde-Areal Kirchheim will ein ganzes Stadtquartier umgestalten. Der Abriss des Mehrgenerationenhauses ist unumgänglich. Allerdings soll das stadtbildprägende Bild nach außen unangetastet bleiben. Von Andreas Volz

Ein Bild, das in etwa so erhalten bleiben soll, auch wenn für das Innere der ersten drei Gebäude komplette Neubauten vorgesehen
Ein Bild, das in etwa so erhalten bleiben soll, auch wenn für das Innere der ersten drei Gebäude komplette Neubauten vorgesehen sind. Foto: Markus Brändli

Die schlechte Nachricht ist, dass die Kirchheimer „Linde“ abgerissen werden muss. Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Die Fassade soll erhalten bleiben, und hinter dieser Fassade entsteht eines Tages ein Neubau. Dieser Neubau soll weitaus besser an den Bedarf der vielen verschiedenen Nutzer des Mehrgenerationenhauses angepasst sein, als es das ehemalige Gasthaus jemals sein konnte.

Das ist das wichtigste Ergebnis des Informationsabends zur geplanten Umgestaltung des gesamten Areals. Details zum Neubau, zu dessen Aussehen, zur räumlichen Ausgestaltung, zu den Kosten und zum Zeitplan lassen sich noch keine angeben. Nähere Aussagen dazu sind erst möglich, wenn der Planungswettbewerb abgeschlossen ist. Dieser Wettbewerb wird jetzt ausgeschrieben. Das Preisgericht soll im Juli 2019 tagen.

Zum Areal, das im Wettbewerb zu berücksichtigen ist, zählen eine ganze Menge weiterer Gebäude: Im Norden der Linde ein kleineres Haus mit Backsteinfassade und anschließend noch das Gebäude, in dem der Bürger-Treff untergebracht ist. Im Süden folgt das Amtsgericht, das einzige Gebäude, das in diesem Areal unter Denkmalschutz steht. Deshalb ist es auch aus der Planung ausgenommen. Trotzdem sucht die Stadt Kirchheim das Gespräch mit dem Gericht und mit dem Land Baden-Württemberg, weil auch der Erweiterungsbedarf des Amtsgerichts für die Weiterentwicklung des Areals eine Rolle spielt.

An weiteren Gebäuden zählte Bürgermeister Günter Riemer beim Informationsabend in der Linde eine Diskothek auf, die seit Jahren in Privatbesitz sei, zwei städtische Wohngebäude sowie die Kindertagesstätte und den Kindergarten in der Teckstraße. Bei den beiden Wohnhäusern sowie bei den beiden Gebäuden nördlich der Linde scheint die Bausubstanz nicht sehr viel besser zu sein als im Mehrgenerationenhaus. Deswegen dürfte wohl auch bei diesen Häusern der Abbruch die naheliegende Option sein.

Immerhin aber hat der Kirchheimer Gestaltungsbeirat die Empfehlung ausgesprochen, außer der Fassade der Linde - zur Alleenstraße und zur Hofeinfahrt hin - auch die gelbe Backsteinfassade des Nebengebäudes zu erhalten. Beide Fassaden werden als stadtbildprägend gewürdigt. Anders verhält es sich beim Bürgertreff. In diesem Fall genüge es, mit einem kompletten Neubau die aktuelle Kubatur beizubehalten, sagte Gregor Bäumle vom Büro Bäumle-Architekten/Stadtplaner aus Darmstadt. Ziel sei es, „die Kleinteiligkeit als städtebauliches Prinzip vom Erscheinungsbild her beizubehalten“. Die Backsteinfassade neben der Linde lobte er als ganz außergewöhnlich: „Dieses Gebäude kommt schon fast norddeutsch daher und ist eigentlich gar nicht typisch für Kirchheim.“

Parken im Untergrund

Als beratender Architekt für den Wettbewerb stellte Gregor Bäumle dessen Grundzüge vor: Zu berücksichtigen ist in den Beiträgen der 20 teilnehmenden Büros, wie sich ihr Entwurf in den vorhandenen Städtebau einfügt und wie er mit den Bestandsgebäuden umgeht. Den Raumbedarf regeln entsprechende Nutzungsvorgaben. Mit zum Entwurf gehört auch die Freiraumgestaltung - auf der Fläche zwischen Linde und den Kindereinrichtungen - sowie eine Möglichkeit, um Autos und Fahrräder abzustellen.

Letzteres soll unterirdisch geschehen, sodass die neue Freifläche mutmaßlich auf einer Tiefgarage neu anzulegen sein dürfte. Das alles sind aber Details, die erst dann zu klären sind, wenn die Entwürfe aus dem Wettbewerb vorliegen und wenn dann auch die Preisträger feststehen. Immerhin nannte Gregor Bäumle eine ganz grobe Zahl für den Zeitraum, um den es geht: „Wir rechnen mit einem Zeitraum von zehn Jahren für die Entwicklung des gesamten Areals.“

Die privaten Gebäude gehören ebenfalls zum Wettbewerb, in diesem Fall aber nur als Ideenteil. Schließlich kann man private Eigentümer nicht dazu verpflichten, am Ende des Wettbewerbs auch einen Auftrag zu vergeben.

Wann auch immer die Linde abgerissen wird, vor 2020 wird es nicht sein. Das sagte Bürgermeister Riemer auf die Frage, wo das Mehrgenerationenhaus während der Bauzeit unterkommen soll: Vorgesehen ist dafür das bisherige Gebäude der Teck-Realschule, die 2020 auf den Rauner-Campus umziehen soll.

Fakten zur Umgestaltung des Linde-Areals

20 Architektur-Büros sollen sich am Wettbewerb beteiligen. Fünf davon werden eigens benannt, die weiteren 15 unter den Interessenten ausgelost. Der Wettbewerb ist europaweit auszuschreiben. Am Ende steht die Auftragsvergabe an einen oder mehrere der Preisträger, die das gesamte Projekt oder Teile davon verwirklichen.

Sechs Wohnungen stehen in den Gebäuden in der Jesinger Straße zur Verfügung, die sich in städtischem Eigentum befinden. Diese Zahl soll auf jeden Fall erhalten bleiben, unter Umständen aber auch auf bis zu zehn erhöht werden. Sollte sich im Entwurf noch Platz ergeben, könnte zusätzlich ein privater Investor ein Wohnhaus erstellen.

Der Neubau der Linde ist nicht nur wegen der völlig maroden Bausubstanz erforderlich. Er erleichtert es auch, künftig die Anforderungen des Brandschutzes und der Barrierefreiheit zu erfüllen. Der große Saal im hinteren Gebäude ist in der Neuplanung auf jeden Fall zu berücksichtigen. Er soll in neuer Form wieder zur Verfügung stehen.vol

Anzeige