Kirchheim

Immer mehr Menschen zeigen Mut zum grauen Haar

Schönheit Fast jeder muss irgendwann mit den ersten grauen Haaren kämpfen. Trends und prominente Beispiele zeigen, dass der Silberschopf chic sein kann. Von Clara Schillinger

Waschen, schneiden, färben - schon seit Jahrhunderten gilt kräftiges, glänzendes Haar als Symbol für Kraft und Jugend. Also wird gepflegt und gekurt, was das Zeug hält. Doch eines Tages schaut man in den Spiegel und entdeckt es: ein graues Haar.

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Ab dem 30. Lebensjahr muss der Durschnittsmensch mit diesem Phänomen rechnen. Der Prozess des Ergrauens ist individuell, bei den einen geht es schneller, bei den anderen dauert es etwas länger. Das Haar verliert an Farbstoff und wird irgendwann ganz weiß. Trotz dieses natürlichen Vorgangs sind es vor allem Frauen, die ihre Haare oft noch bis ins hohe Alter färben. „Der Wunsch zu färben vergeht oft erst mit 60 bis 70 Jahren“, meint Friseurmeister Mike Hoffmann, Geschäftsführer der „Belle Etage“ in Kirchheim und Mitglied der Friseur- und Kosmetiker-Innung Esslingen-Nürtingen.Alle vier bis acht Wochen geht es also zum Friseur, um den grauen Ansatz für einen stolzen Preis kaschieren zu lassen.

Foto: Carsten Riedl
„Färben hat Tradition“: Sabine Lässing färbt ihre Haare schon immer, früher blond heute mit blonden Strähnen, die sich langsam mit den grauen vermischen. Ganz verzichten will sie auf das Blond aber nicht. „Ich habe kein schönes Weiß-Grau, und dafür bin ich einfach noch nicht so weit.“ Text und Fotos: C.Schillinger/A.Mauch

„Der Großteil der Kunden möchte einfach nicht alt werden oder sich noch nicht so fühlen“, berichtet Hoffmann. Ein weiterer Grund ist die Ausstrahlung: Wer grau und somit nicht mehr jung scheint, büßt einiges an Attraktivität ein. So denken zumindest viele Menschen. Genau dieser Meinung stellt sich ein prominentes Beispiel entgegen. RTL-Moderatorin Birgit Schrowange hat kürzlich nach über 20 Jahren den Färbekampf aufgegeben. Sie will damit zeigen, dass „graue Haare auch bei Frauen attraktiv sein können“. Ihre radikale Typveränderung von Braun zu Grau sorgte allerdings für mächtig Wirbel. Die einen loben ihren Mut, besonders als Person des öffentlichen Lebens zum Alter zu stehen. Die anderen finden die ganze Show lächerlich. „Sie hat ein Jahr lang eine Perrücke getragen, um das Herauswachsen der Farbe nicht zu zeigen. So was ist ja für ,die normale Frau‘ nicht möglich. Folglich war der ganze Vorgang des Grauwerdens nicht mit dem natürlichen Ergrauen zu vergleichen“ sagt Mike Hoffmann. Ergrauen braucht einfach Zeit.

Trotzdem stehen nur Ausnahmen zu ihren grauen Köpfen. Den Anteil der Personen, die ihre Haare färben, beziffert Mike Hoffmann mit stolzen 70 bis 80 Prozent. Die Herren der Schöpfung lieben‘s auf dem eigenen Kopf eher natürlich: Der Anteil der Männer, die kolorieren, liegt laut Obermeister Karl-Heinz Neef von der Friseur- und Kosmetiker-Innung Esslingen Nürtingen bei unter fünf Prozent. Die meisten sparen sich den Aufwand, und das ganze Thema ist für sie eher Nebensache.

„Ich bleib so, wie ich bin“ , meint Manfred Herbich überzeugt. Er sieht keinen Grund, seine Haarfarbe zu ändern, hat aber bei Frauen grundsätzlich nichts dagegen. „Wobei das natürlich auch nach hinten losgehen kann. Meiner Meinung nach sollte jeder zu seinem Alter stehen, und keiner sich dafür schämen müssen.“ Text und Fotos: C.Schillinger/A.Mauch
„Meine ersten grauen Haare bekam ich schon mit 26“ : Aysel Özkan liegt damit deutlich unter dem Durchschnitt. Sie färbt sich ihre Haare nur, weil es sein muss. „Ich bin noch zu jung für graue Haare und will altersentsprechend wirken.“ Später einmal kann sie sich jedoch gut vorstellen, das Färben sein zu lassen. Text und Fotos: C.Schillinger/A.Mauch

In puncto Grau entstand unter einem ganz anderen Aspekt vor etwa drei Jahren ein neuer Trend frisch aus Hollywood. Graue Haare wurden plötzlich auch für junge Leute salonfähig - dank Stars wie Lady Gaga oder Rihanna. Der neue Style fand unter der Bezeichnung #grannyhair, auf deutsch etwa „Omas Haare“, auf sozialen Netzwerden wie Instagram, Facebook und Co. auch in Deutschland viele Anhänger. „Vor ungefähr zwei Jahren fingen auch in Kirchheim vor allem junge Frauen an, ihre Haare violett-grau, anthrazit oder sogar fast weiß zu färben“, sagt Hoffmann.

Mittlerweile sei der Trend aber wieder abgeschwächt. 2017 kommt sein etwas dezenterer Nachfolger: Pastelltöne wie Pfirsich oder Beige, aber auch kühlere Nuancen, sind jetzt auf dem Kopf angesagt. Trends wie diese zeigen, dass graue Mähnen hochaktuell sein können.

„Färben geht auf die Organe“ , behauptet Ina Bergmann. Aus diesem Grund färbt sie sich ihre Haare nicht. Selbst wenn sie irgendwann grau werden, wird sie dagegen nichts unternehmen. Sie könnte sich höchstens eine Tönung aus Naturprodukten vorstellen, die nicht zu ungesund für den Körper ist. Text und Fotos: C.Schillinger/A.Mauch
„Für mich ist das wie schminken“ , gesteht Nebih Kadrija. Bei Frauen sei Haarefärben erlaubt, bei Männern ein absolutes No-Go, findet er und betont die Geschlechterklischees. Deswegen kommt eine andere Haarfarbe für ihn selbst nicht infrage. „Würden Männer färben, gäbe es ja keinen Unterschied zu den Frauen mehr.“ Text und Fotos: C.Schillinger/A.Mauch

Wer jedoch ständig seine Haarfarbe ändert, schädigt sein Haar. Vor allem bei einem Wechsel zwischen hellen und dunklen Tönen werden die Haare durch das Blondieren spröde und trocknen. Auch wer nur ab und zu färbt, sollte die Gebrauchsanweisung der Packung beachten, um Hautreaktionen zu vermeiden.

Eine Nummer sanfter ist das Tönen. Im Gegensatz zur permanenten Farbe, die mit dem Haar herauswächst, wäscht sich eine Tönung nach circa acht Wochen raus. Auf diese Weise lassen sich erste graue Haare auch gut verstecken.

 

„Schwarze Haare zu färben, ist schwierig“ , sagt Sharlot Kekana, „Ich wollte sie mal rötlich färben, aber das hat nicht so funktioniert.“ Sie liebt es, mit ihren Haaren zu experimentieren. Letzes Jahr hatte sie lange, graue Haarverlängerungen. „Bei Frauen allgemein ist es sehr typabhängig, was für Farben ihnen stehen.“ Text und Fotos: C.Schillinger/A.Mauch