Kirchheim

„In 100 Jahren sind wir immer noch da“

Kreisbau Die Wohnungsbaugenossenschaft zieht am Ende des Jubiläumsjahrs Bilanz und blickt optimistisch nach vorn: Bis 2030 sind fast alle Projekte vorgeplant. Von Andreas Volz

Der Kreisbau-Vorstand, bestehend aus Bernd Weiler (links) und Georg Hörmann, präsentiert ein Zukunftsmodell für Badwiesen und Sc
Der Kreisbau-Vorstand, bestehend aus Bernd Weiler (links) und Georg Hörmann, präsentiert ein Zukunftsmodell für Badwiesen und Schöllkopfstraße. Nicht nur die Kreisbaugenossenschaft allein will dieses Modell bis 2030 verwirklichen. Foto: Carsten Riedl

Nach 100 Jahren sieht man der Kreisbaugenossenschaft Kirchheim-Plochingen ihr Alter auf gar keinen Fall an: Die Jubilarin präsentiert sich äußerst rüstig, breit aufgestellt - und im modernen Gewand. Außerdem geht der Blick am Ende des Jubiläumsjahrs weniger in die Vergangenheit zurück, sondern vielmehr voraus in eine ebenso lange Zukunft. „Wir waren vor 100 Jahren schon da“, sagt Vorstandssprecher Bernd Weiler, um mit entsprechendem Selbstbewusstsein hinzuzufügen: „Und in den kommenden 100 Jahren sind wir immer noch da.“

Für die ersten zehn dieser kommenden 100 Jahre ist die Kreisbau schon so gut wie „ausgebucht“. Das Programm bis 2030 steht. Derzeit laufen drei Projekte gleichzeitig: in der Bismarck- und in der Schöllkopfstraße sowie im Bodelschwinghweg. „Geplant war, dass diese drei Projekte nacheinander kommen. Jetzt müssen wir sie eben alle auf einmal machen, weil sich die Verfahren entsprechend verzögert haben“, erklärt der technische Vorstand Georg Hörmann.

Der Kreisbau-Vorstand macht in diesem Fall aber aus der Not eine Tugend und freut sich, dass es im Jubiläumsjahr gleich zwei Spatenstiche gab, und zwar für den Mietwohnungsbau - auch für den geförderten. „Da sind wir jetzt wieder eingestiegen“, berichtet Bernd Weiler und erinnert an das Jahr 1990, als das Ende der Gemeinnützigkeit gekommen war: „Bis dahin war eine Wohnbaugenossenschaft eher am öffentlichen Dienst und an der Verwaltung orientiert, und dann war man plötzlich am freien Markt und sah sich mit Konkurrenten konfrontiert.“

Die Kreisbau habe sich damals auf Eigentümer konzentriert und auf das Verwalten der Bestandswohnungen: „Neu zu bauen war in den 90er-Jahren wirtschaftlich nicht darstellbar.“ Trotz aller Unterschiede zu privaten Bauträgern ist auch die Kreisbaugenossenschaft auf Wirtschaftlichkeit angewiesen. So stellt Bernd Weiler fest: „Wir brauchen natürlich Gewinn. Aber zum Glück müssen wir dabei nicht an die Grenzen gehen. Im Mittelpunkt steht immer die Mitgliederförderung.“

Zur Mitgliederförderung zählen auch Mietpreise, die unter dem sonstigen Durchschnitt liegen. Georg Hörmann: „Für alle unsere Wohnungen kommen wir derzeit auf einen Schnitt von 6,40 Euro pro Quadratmeter.“ Entscheidend für die Mietpreise sind aber auch bei der Kreisbau die Standards der jeweiligen Wohnungen. Bei Neubauwohnungen fehlt nicht mehr viel zu zehn Euro.

Zum Altbestand der Genossenschaftswohnungen zählen unter anderem diejenigen in den Badwiesen. Auch hier ist an eine deutliche Aufwertung bis 2030 gedacht, beispielsweise an Aufzüge. Georg Hörmann zufolge bietet die alte Bausubstanz dafür entscheidende Vorteile: „Dank der Laubengänge lassen sich 24 Wohnungen mit einem einzigen Aufzug erschließen. Wenn wir die Gebäude aufstocken, werden daraus sogar 30 Wohnungen.“ Gedacht ist in den Badwiesen aber auch noch an „Ergänzungsbauten“ auf den bisherigen Freiflächen. Zusammen mit dem aktuellen Projekt an der Schöllkopfstraße hätte die Kreisbau bis 2030 allein an dieser Stelle der Stadt 240 Wohneinheiten in ihrem Angebot.

Auch St. Hedwig wird neu gebaut

Bernd Weiler erwähnt weitere Bauprojekte, auch außerhalb Kirchheims: in Weilheim, in Plochingen und in Nürtingen. „Stand heute, müsste uns das für die nächsten zehn Jahre reichen. Damit sind wir ganz gut aufgestellt.“ Noch nicht erwähnt sind allerdings Kooperationen mit Altenpflegeeinrichtungen: Mit der Kepler-Stiftung beispielsweise arbeitet die Kreisbau nicht nur beim Quartiersmanagement im Kirchheimer Rauner zusammen. Auch den Neubau von St. Hedwig will die Kreisbau übernehmen. Ähnliches ist für St. Lukas in Wernau vorgesehen.

Schließlich zieht der Vorstand aber doch noch Bilanz - zumindest für die vergangenen 13 Jahre, die Bernd Weiler und Georg Hörmann gemeinsam an der Spitze der Kreisbau stehen: „Wir haben derzeit 1 640 Wohnungen und knapp 4 000 Mitglieder.“ Nicht zuletzt bedingt durch die Verschmelzung von Kirchheim und Plochingen habe sich die Bilanzsumme seit dem Jahr 2006 von gut 40 auf nunmehr 90 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Ebenso ist die Zahl der Mitarbeiter von 20 auf 56 gestiegen.

Für Georg Hörmann ist das schon so etwas wie eine Schlussbilanz: Ende Juni geht er in den Ruhestand. Aber auch in diesem Fall ist für die Zukunft vorgesorgt: Der Nachfolger ist bereits bestellt. Anfang 2020 beginnt eine längere gemeinsame Übergangszeit.

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