Kirchheim

In Kirchheim entsteht „ein neues Stück Stadt“

Baggerbiss Am Dienstag haben die Erschließungsarbeiten für das Steingau-Quartier offiziell begonnen. Im Sommer soll bereits der Tiefgaragenbau losgehen. Von Andreas Volz

Kirchheimer Stadträte greifen zum Spaten, während Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker im Hintergrund baggert.Foto: Carsten Riedl
Kirchheimer Stadträte greifen zum Spaten, während Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker im Hintergrund baggert. Foto: Carsten Riedl

Für Kirchheim war es ein ganz besonderer Tag. Und das lag nicht etwa daran, dass da Ende Januar um die Mittagszeit die Sonne zwischen den Wolken hindurchblinzelte. Aber immerhin passte das Wetter zum Anlass: Im Steingau-Quartier haben mit dem ersten Baggerbiss und vielen weiteren ersten Spatenstichen ganz offiziell die Erschließungsarbeiten begonnen - Erschließungsarbeiten für ein herausragendes Projekt.

Keinesfalls übertrieben ist der Satz, mit dem Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker zusammenfasst, was sich auf dem einstigen EZA-Gelände in den nächsten vier Jahren tut: „Ein neues Stück Stadt entsteht in unserer Stadt - und das auch noch mitten in der Stadt.“ Gemeinderat und Stadtverwaltung seien deshalb „ziemlich stolz“ darauf, dass die Arbeiten im Steingau-Quartier endlich sichtbar losgehen.

Die Rathauschefin erinnerte vor dem Baggerbiss, der ihr persönlich vorbehalten blieb, an ein „langes Verfahren“, das nun zum Abschluss kommt: „Viele Jahre lang hat sich auf diesen 40 000 Quadratmetern - beäugt von der Bevölkerung - keinerlei Veränderung ergeben.“ Untätig aber sei die Stadt in dieser langen Zeit auf keinen Fall gewesen: „Viele, viele Verhandlungen, Gespräche, Beratungen, Besichtigungen sind Beweis dafür, dass wir gearbeitet haben, auch wenn alles brach lag.“

Stadt und Eigentümer hätten sehr unterschiedliche Vorstellungen davon gehabt, was mit dem EZA-Gelände passieren soll: „Der Gemeinderat wusste sehr wohl, welche Bedeutung das Steingau-Quartier für die Stadt hat.“ Deswegen habe ein Ideenwettbewerb zum „Kirchheimer Modell“ geführt, das die Grundstücke in den sieben Einzelquartieren zunächst einmal an Ankernutzer und anschließend an Anliegerprojekte vergibt. Die Ankernutzer erstellen eine gemeinschaftliche Tiefgarage für ihr Viertel und können an einer Stelle ihrer Wahl einen eigenen Hochbau errichten.

Anschließend kommen die Anlieger zum Zuge. Die Vergabekommission für die ersten Anliegerprojekte tagt schon in zwei Wochen. Für fünf von sieben Ankernutzer sind die Vergaben bereits beschlossen. Angelika Matt-Heidecker freute sich gestern über „qualitativ hochwertige Projekte“, die auf dem Areal bereits geplant sind: „Das Klientel dafür ist in Kirchheim vorhanden. Es gibt genügend Menschen, die so bauen und wohnen wollen.“

Doch noch sind die Hochbauten so etwas wie Zukunftsmusik, auch wenn sie bereits in naher Zukunft verwirklicht werden sollen. Was jetzt erst einmal ansteht, sind die Erschließungsarbeiten. Dazu gehören die Straßen - vorläufig nur im Zwischenausbau - sowie Kanäle und Leitungen für Wasser, Nahwärme und Strom. Nicht zu vergessen sind die Glasfaserkabel. Auch Ladestationen für Elektroautos sind vorgesehen.

Die Gesamtkosten für die Erschließung bezifferte die Oberbürgermeisterin gestern auf 4,3 Millionen Euro brutto. Hinzu kommen noch 2,7 Millionen Euro, die netto für Wasser und Wärme anfallen. Die Wärmeversorgung wird zentral geregelt - über zwei Blockheizkraftwerke, die mit Gas betrieben werden: „Auch da haben wir lange gerungen, bis schließlich klar war, dass zu einem solchen Projekt auch eine moderne Versorgung mit Wärme gehört.“

Der Zeitplan sieht vor, dass die Erschließungsarbeiten bereits zum Beginn der Sommerferien abgeschlossen sein sollen. Dann können die ersten Hochbauarbeiten beginnen, angefangen bei den Tiefgaragen. Alle sieben Quartiere müssten - wenn alles nach Plan läuft - 2021 fertig bebaut und bezogen sein. Erst dann also ist das lange Verfahren endgültig zum Abschluss gekommen.

Von der Steinzeit zum EZA

Im Rückblick sprach Angelika Matt-Heidecker von früheren Nutzungen: Südlich des Kolb & Schüle-Geländes hatte sich einst die Maschinenfabrik Gaier befunden, die wie die Wohnbebauung an der Henriettenstraße vor über 50 Jahren dem ersten Kirchheimer Einkaufszentrum wich, dem EZA. Auch das bisherige Volksbankgebäude soll nun abgerissen werden, um der Wohnbebauung im Steingau-Quartier Platz zu machen. Die Bank hat ganz in der Nähe einen Ersatzstandort in Aussicht.

Erst vor gut einem Jahr war das gesamte Gelände ins Eigentum der Stadt übergegangen. Seither gab es diverse Untersuchungen - nicht zuletzt archäologischer Art: „In Kirchheim muss man ja immer damit rechnen, dass Menschen aus der Jungsteinzeit schon hier waren, genauso wie Kelten oder Alamannen.“ Bis zum Baggerbiss aber war das alles abgeklärt. Die Oberbürgermeisterin förderte deshalb weder alte Knochen noch alte Scherben zutage.

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