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„Individualität wird leider immer wichtiger“

Interview Joachim Heuer organisiert erfolgreich Radrennen. Einfacher geworden ist der Job nicht. Von Bernd Köble

Wo Arbeit wartet, packt Joachim Heuer selbst mit an.
Foto: Carsten Riedl

Kirchheim. Der Radsport kämpft sich aus dem Dopingsumpf der vergangenen Jahrzehnte mühsam zurück ins Rampenlicht. Die Deutschlandtour ist zurück auf der Bühne und mit ihr begeisterte Fans. ARD und ZDF sind an den wichtigsten Rennstrecken wieder live dabei und mit Emanuel Buchmann ist ein Deutscher dieses Jahr in Paris erstmals wieder in die Weltspitze vorgedrungen. Talente im Amateurbereich profitieren allerdings kaum von diesem Trend, obwohl sie am Imageschaden die geringste Schuld trifft. Woran das liegt, wollten wir von Rennveranstalter Joachim Heuer wissen.

Herr Heuer, hat der Amateur-Radsport ein ernsthaftes Problem?

Das möchte ich so nicht sagen. Wir haben nach wie vor tolle Veranstaltungen an vielen Orten. Die Sportlerzahlen sind rückläufig, das stimmt. Bei den Aktiven macht sich das weniger bemerkbar, im Nachwuchsbereich schon eher.

Was ist der Grund?

Das hat wohl mehrere Gründe. Radsport ist ein zeitintensiver Sport. Kinder und Jugendliche sind immer früher Druck durch Schule und Studium ausgesetzt. Hinzu kommt, dass viele Eltern nicht mehr bereit sind, ihre Kinder im Sport so zu unterstützen wie es nötig wäre. Das gilt leider auch für die Vereine, denen die Leute fehlen, die sich um den Nachwuchs kümmern.

Probleme, die nicht nur der Radsport hat...

Das stimmt. Wenn ich mir jedoch die gewaltigen Teilnehmerzahlen bei Jedermannrennen anschaue, dann gibt es durchaus Potenzial in diesem Sport. Bloß engagiert sich von denen kaum einer im Verein. Individualität und Eigeninteresse werden leider immer wichtiger. Da ist viel Egoismus im Spiel.

Wenn kleinere Rennen sterben, liegt das aber nicht nur am fehlenden Nachwuchs.

Genügend Helfer zu finden, ist ein großes Problem. Das geht nur noch, wenn Vereine es schaffen, sich besser zu vernetzen. In Notzingen sind wir auf eine wunderbare Resonanz gestoßen. Sechs Vereine samt Feuerwehr arbeiten hier Hand in Hand und packen mit an.

Viele Veranstalter klagen über explodierende Kosten und immer mehr Auflagen.

Das mit den Auflagen sehe ich nicht so kritisch, aber so ein Rennen kostet natürlich eine Menge Geld. Wir haben in Notzingen ein Budget von etwa 18 000 Euro, ohne dass darin Personalkosten enthalten wären. Mit 15 Euro Startgeld kommt man da nicht weit. Es gibt generell immer weniger Sponsoren, was auch daran liegen mag, dass auch Unternehmer heute nicht mehr so verwurzelt sind im Verein. Um als Veranstalter langfristig sicher planen zu können, braucht es schon sehr enge Verbindungen.

Wird es in Notzingen 2020 eine Neuauflage geben?

Das ist unsere feste Absicht. Wir spüren hier eine Riesenbegeisterung bis hin zum Bürgermeister. Das ist hier ein Kurs, den die Fahrer lieben. Hammerhart, anspruchsvoll, mitten im Ort bei den Menschen. Zudem ist die Strecke neu. Da kommt auch Neugier zum Tragen.Bernd Köble

Zur Person

Joachim Heuer (51) hat sich in der Metallbranche auf die Fertigung von Präzisionsteilen spezialisiert. Als radsportbegeisterter Unternehmer stellt er in seinem Betrieb in Wernau nebenbei auch hochwertige Laufräder her. Der gebürtige Esslinger war WM-Teilnehmer und deutscher Juniorenmeister im Rudern. Mit seiner Event-Agentur ist er im zweiten Jahr Veranstalter des Heuer-Cups, dem Nachfolger der LBS-Cup-Serie im württembergischen Amateur-Radsport.

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