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Ingenieur vs. Natur

Zweifellos: Die Geologie der Neuen Plochinger Steige ist für Straßenbauingenieure kein einfaches Terrain. Seit dem Bau in den 1850er-Jahren sorgt die Straße regelmäßig für Überraschungen und damit für Mehrkosten. Was jetzt passiert, hat also Tradition. Trotzdem – oder gerade deshalb – darf die Frage erlaubt sein: Haben die Planer in all den vielen Jahren nichts hinzugelernt oder weigern sie sich schlichtweg, die durch die Natur vorgegebenen Grenzen anzuerkennen?

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Unweigerlich kommen einem in diesen Zeiten die Bilder von gebrochenen Deichen und im Wasser versunkenen Städten in den Sinn. Hier wird jedem deutlich vor Augen geführt, dass sich auch eine Industrienation den Naturgesetzen beugen muss und die Menschen sich langsam aber sicher von der bequemen aber fatalen Idee trennen müssen, alles in den Griff zu bekommen.

Neue Denkmuster sind gefragt. Dazu gehört möglicherweise die Einsicht, dass nicht zwangsläufig auf jeder Landesstraße ein 30-Tonner-Lkw durchfahren muss, nur weil das so irgendwann einmal festgeschrieben wurde – Zielverkehr selbstverständlich ausgenommen. Die Plochinger Steige hätte sich im Laufe der Zeit auch weiterhin gesenkt, davon ist auszugehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies in einem wesentlich längeren Zeitraum geschehen wäre, ist jedoch groß. Die Frage sei also erlaubt: Wie lange kann sich ein Staat solch einen Luxus noch leisten?

Und noch ein Gedanke darf erlaubt sein: Wenn die Ingenieure ein bisschen Hangwasser in Kirchheim nicht in den Griff bekommen, wie soll dann das mit einem Tiefbahnhof in Stuttgart funktionieren, der bekanntlich mitten in Europas zweitgrößtes Mineralwasservorkommen „gepflanzt“ werden soll? IRIS HÄFNER