Kirchheim

Jeder Handgriff sitzt

Rettung Etwa 100 Zuschauer verfolgen gespannt die Hauptübung der Jesinger Feuerwehr am Lindachstrand.

Die Herausforderungen des inszenierten Unfalls an der Lindach in Jesingen waren groß, wurden aber von der örtlichen Feuerwehr bravourös gemeistert. Foto: Sabine Ackermann

Kirchheim. Ein Verkehrsunfall am Hans-Dieter-Keller-Platz in Jesingen - zwei beteiligte Fahrzeuge. Die beiden Insassen des Pkws, der zum Teil an der steilen Böschung und mit dem Heck in der Lindach „parkt“, sind verletzt bis schwer verletzt, aber nicht eingeschlossen. Zusätzlich laufen aus dem Auto Betriebsstoffe aus, gelangen in die Lindach.

Was war passiert? Ein abgelenkter Pkw-Fahrer, der von Holzmaden nach Jesingen unterwegs war, crashte gegen einen stehenden Wagen. Infolge der starken Wucht wurde das Fahrzeug in den Fluss geschleudert. Der Unfallverursacher konnte sich nach dem Aufprall aus dem deformierten und stark rauchenden Fahrzeug selbst befreien und somit kurz vor 19.30 Uhr den Notruf absetzen.

Zum Glück war dieses Horror-Szenario nur eine Übung, genauer gesagt die jährliche Hauptübung der Feuerwehr Kirchheim, eindrucksvoll von der Einsatzabteilung aus Jesingen vor mehr als hundert kleinen und großen Zuschauern präsentiert. Keine widerwärtigen „Gaffer“, sondern erwünschtes Publikum, das „hautnah“ erleben soll, was die ehrenamtlichen Männer und Frauen alles leisten müssen, die quasi rund um die Uhr „retten, löschen, bergen, schützen“.

Erstaunlich still war es während der Übung. Konzentriert hörten die Zaungäste den Ausführungen des Abteilungskommandanten Andreas Bezler zu, der fast jeden Handgriff seiner Kameraden kommentierte. Den spektakulären „Unfall“ hatte sich zuvor sein Stellvertreter Ralf Bernauer ausgedacht.

Es gab einige Ortskundige, die sich allerdings fragten, ob es an dieser Stelle überhaupt zu einem solchen Autounfall kommen könnte. „So wia der Karra an dr Böschung hängt, isch des eigentlich omöglich“, mokiert sich ein älterer Herr, der den Hergang für viel zu übertrieben hält. Eine weitere Zuschauerin findet es dagegen gar nicht mal so abwegig.

Sie erinnerte sich an den spektakulären Unfall in Sachsen, als ein junger Fahrer die Gewalt über sein Auto verlor, über eine Böschung schanzte und auf dem Kirchendach landete. Vor Jahren seien sie in Chemnitz auf Verwandtenbesuch gewesen - das war damals das Thema schlechthin, erzählt sie und hat für heute genug gesehen.

Nach der ersten Erkundung durch den Einsatzleiter sowie die beiden Führungsassistenten waren die Prioritäten klar gesetzt. Der schwer verletzte Beifahrer wurde schonend über die Drehleiter (DLK) gerettet, der verletzte Fahrer kam mit der Schleifkorbtrage ans sichere Ufer.

Den zwar geschockten, aber unverletzten Unfallverursacher betreuten die Einsatzkräfte etwas abseits. Weitere Feuerwehrmänner stellten den Brandschutz sicher und kümmerten sich um die zusätzliche Absicherung des Pkws in der Lindach. Abschließend wurde noch eine zweifache Ölsperre errichtet, um die auslaufenden Betriebsstoffe des Autos zu binden und danach in Zweierteams fachmännisch abzuschöpfen und zu entsorgen. Sabine Ackermann

Die Herausforderungen des inszenierten Unfalls an der Lindach in Jesingen waren groß, wurden aber von der örtlichen Feuerwehr br
Die Herausforderungen des inszenierten Unfalls an der Lindach in Jesingen waren groß, wurden aber von der örtlichen Feuerwehr bravourös gemeistert. Foto: Sabine Ackermann
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