Kirchheim

Jeder Zwang schreckt ab

Kommentar: Andreas Volz zur Beteiligung von Jugendlichen

Andreas Volz

Kommentar: Eindringlich warnt der Volksmund davor, einen Hund zum Jagen zu tragen. Warum? Weil ein Hund, den man eigens hintragen muss, eben nicht fürs Jagen taugt. Ein guter Jagdhund ist nur der, der von selbst, von innen heraus dem Wild nachjagt - seinen Instinkten folgend. Der Hund lässt sich sicher schulen und ausbilden, sodass er noch besser wird. Aber ohne inneren Antrieb kann daraus nichts werden.

So ähnlich ist das auch mit der Jugend und der Kommunalpolitik: Wer Achtklässler zwangsverpflichtet und in die Stadthalle verfrachtet - damit sie dort mehrmals im Jahr über Themen diskutieren sollen, die sie nicht interessieren -, darf von vornherein nicht auf allzu große Beute hoffen. Selbst ein aufmunternd abgewandeltes Heuss-Zitat wie „Nun diskutiert mal schön“ dürfte keinen einzigen indisponierten Jagdhund hinter dem Ofen hervorlocken.

Das soll keine Schelte gegen „die Jugend“ als solche sein. Es soll die Jugend eher in Schutz nehmen: Das Vorbild, das ihr die Erwachsenen vorleben, zeichnet sich vielfach durch Desinteresse aus - Desinteresse an Politik, an Beteiligung, an Engagement. Warum tun sich viele Vereine so schwer, ihre Vorstandsposten zu besetzen? Warum gehen immer nur „die Gleichen“ zum Bürgerforum? Weil man eben nur macht, was einen von innen heraus interessiert, oder weil man sich in irgendeiner Weise einen äußerlichen Vorteil von seinem Engagement verspricht.

Welchen Vorteil aber sollen sich Achtklässler von einem 8er-Rat versprechen? Nur weil es irgendwelche Erwachsenen toll fänden, wenn es so was gäbe?

Das Vorzeigeprojekt Bike-Park zeigt doch gerade, wie Jugendbeteiligung wirklich geht: Da wurde den Bikern eben nichts vorgegeben, was von höherer Warte als wichtig angesehen wurde. Hier ging es darum, dass Kinder und Jugendliche genau wussten, was sie wollten. Dieses Projekt war ihr eigener Wunsch, ihr eigenes inneres Bedürfnis. Deswegen haben sie sich daran beteiligt. Es war ihnen zum einen wichtig, überhaupt einen Bike-Park zu bekommen, und zum anderen, einen Bike-Park nach ihren Vorstellungen zu bekommen.

Das Verfahren war beeindruckend, und sein Ergebnis ist beeindruckend. Beides zeigt, dass sich Jugendliche gerne und nachdrücklich für etwas einsetzen, was ihnen wichtig ist. Das werden sie auch weiterhin tun.

Aber eine „Zwangsbeglückung“ hilft weder ihnen noch der Politik. Sie schreckt nur ab.

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