Kirchheim

Jetzt werden Sparschweine geschlachtet

Weltspartag Seit Jahrzehnten ist es in Deutschland Tradition, dass Kinder ihr Erspartes zur Bank bringen. Dort dürfen sie sich eine Kleinigkeit aussuchen. Von Alicia Kaiser

Diese Woche schnappen kleine Sparer ihre Sparschweine und flitzen auf die Bank, meist begleitet von den Eltern: Am Mittwoch ist Welt­spartag. Wer sein Schweinchen das Jahr über gut mit Taschengeld von Mama und Papa oder den Zwei-Euro-Münzen, die Oma gelegentlich springen lässt, gefüttert hat, wird von der Bank belohnt. Zwar bekommen Sparer kaum noch Zinsen für ihr Geld, doch dem Weltspartag wird vor allem erzieherischer Wert beigemessen. Was halten die Passanten in der Kirchheimer Fußgängerzone davon?

Sparen soll Spaß machen - das ist das Ziel des Weltspartags.Foto: Markus Brändli
Sparen soll Spaß machen - das ist das Ziel des Weltspartags. Foto: Markus Brändli/Umfrage-Fotos: Jean-Luc Jacques

Die Schlierbacherin Bianca Monz geht mit ihrem kleinen Sohn jedes Jahr zum Weltspartag. Das ganze Jahr über sammelt der Kleine sein Geld, um es an diesem Tag im Ort auf die Bank zu bringen. „Wenn die Kinder das einmal mitgemacht haben, wissen sie, dass sie sich im nächsten Jahr was raus suchen dürfen“, erklärt die Mutter. Für sie ist der Weltspartag eine gute Motivation für die Kinder. Allgemein findet sie es wichtig, dass die Kinder sparen lernen.

Bianca Monz
Bianca Monz

„Man hat heute viel mehr als früher, und Entbehrungen sind gar nicht mehr notwendig.“ Annette Koch sieht den Überfluss als Herausforderung - gerade deshalb ist es ihr wichtig, ihrem Kleinen schon früh das Sparen beizubringen. Sie möchte ihm mitgeben, dass man auf manches hinleben muss und nicht jeder Wunsch sofort verwirklicht wird. Ihr fünfjähriger Sohn David füttert seine blaue Spardose über das ganze Jahr und findet den Weltspartag spitze. Seine Mama unterstützt ihn dabei gerne - „auf diese Art und Weise wird er zum Sparen animiert“, sagt sie, und fügt hinzu, dass sie mit David schon zu der Aktion geht, seit er ein Baby ist. „Mittlerweile begreift er den Hintergrund“, freut sich die Mutter.

Annette Koch
Annette Koch

„Wenn’s Kässle voll ist, gibt’s ’ne Kleinigkeit von der Bank.“- Das Prinzip des Weltspartags findet Werner Mann super. Zum Einen freuen sich die Kinder über Geschenke, Zum Anderen sei es eine gute Anregung zum Sparen. „Wenn der Umgang mit Geld nicht schon als Kind gelernt wird, kann das später zu Problemen führen“, ist sich der Familienvater sicher. Die Zinsen seien in dem Fall unwichtig, es gehe um den Lerneffekt. Die Kinder sollten daran gewöhnt werden regelmäßig etwas zur Seite zu legen. Sein heute 39-jähriger Sohn hat sich als junger Erwachsener selbst das Geld für ein Motorrad zusammen gespart, erzählt er. Darauf ist der Vater mächtig stolz.

Werner Mann
Werner Mann

Ihre frühe Kindheit hat Louise Montero in Schweden verbracht. Sie kann sich nicht daran erinnern, dass es dort einen extra Tag fürs Sparen gab. Nach ihrem Umzug nach Deutschland gings dann jedes Jahr zum Weltspartag. „Es ist wichtig, so früh wie möglich mit dem Sparen anzufangen“, sagt sie. Ihren zehn- und 14-jährigen Töchtern gibt sie deshalb Taschengeld. So sollen sie den Umgang mit Geld lernen. Alles kaufen was sie wollen, dürfen sich ihre Töchter davon aber nicht.

Louise Montero
Louise Montero

Um zum Weltspartag zu gehen, sind seine Kinder schon zu groß, erzählt Peter Reicherter. Er freut sich jedesmal, wenn er die Kinder mit ihren Sparbüchsen sieht. „Man kriegt zwar nix mehr, wenn man sein Geld anlegt“, sagt der Kirchheimer über die derzeitige Zinslage - trotzdem hält er die Aktion für eine gute Sache. So bekämen die Kids schon früh einen Bezug zum Geld und auch zur Bank. „Die Kinder zum Sparen zu erziehen, das ist wichtig“, sagt er.

Peter Reicherter
Peter Reicherter

„Der Weltspartag hat keine langfristigen Auswirkungen auf das Sparverhalten meiner Kinder gehabt“, ist Anke Leisner sicher. Trotzdem hält sie ihn für „eine tolle Aktion - vor allem für kleine Kinder.“ Sie ist mit ihrem Nachwuchs immer zum Weltspartag gegangen. „Das war eine Gemeinschaftsaktion, zusammen mit einer Freundin und ihren Kindern.“ Weltspartag hin oder her, für die Mutter liegt die Verantwortung den Kindern Sparen beizubringen ausschließlich bei den Eltern. Wie das funktioniert, komme individuell aufs Kind an, aber der Anreiz vom Elternhaus solle früh gesetzt werden.

Anke Leisner
Anke Leisner
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