Kirchheim

Jung-THWler zeigen ihr Können

Hilfswerk Zwei Bundestagsabgeordnete haben eine Übung der THW-Jugend besucht. Sie wollten wissen, wo die Bundesmittel hingehen – und waren vom Know-how des Nachwuchses beeindruckt. Von Daniela Haußmann

Die Jugendlichen bauen einen Dreibock, mit dessen Hilfe Menschen aus Schächten oder Gruben gerettet werden. Bei einer Schauübung
Die Jugendlichen bauen einen Dreibock, mit dessen Hilfe Menschen aus Schächten oder Gruben gerettet werden. Bei einer Schauübung haben sie bewiesen, dass sie bereits viel können. Fotos: Daniela Haußmann

Gerade als Max und Damien die letzten Paletten aufeinandergestapelt haben, winkt Jessica die beiden zu sich herüber. „Moment, Moment“, ruft Oliver Kiedaisch. Der stellvertretende Ortsjugendleiter des THW-Ortsverbandes Kirchheim deutet mit dem Finger auf drei lange Rundhölzer: „Jeder schnappt sich eins.“ Das lassen sich die beiden Jungs nicht zweimal sagen, und im Nu liegt ein Teil des Baumaterials für diesen Übungsabend im Hof. Max, Damien und Jessica gehören zur Jugendgruppe des Kirchheimer THW. Einmal in der Woche treffen sie sich in der Henriettenstraße 88, um zu lernen, was die erwachsenen Einsatzkräfte schon können.

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Jessica legt die Rundhölzer nebeneinander. Dann reicht ihr Max zwei Kanthölzer, die sie zwischen die langen Stangen schiebt. Die Jugendlichen müssen darauf achten, dass der Abstand zwischen den Stangen 75 Prozent der Rundholzstärke entspricht. „Dabei helfen die Kanthölzer“, erklärt Oliver Kiedaisch. Während Jessica die Teile mit einem Seil verbindet, beobachten Max, Damien und die anderen jeden ihrer Handgriffe. Die Jugendlichen bauen einen sogenannten Dreibock. Eine Konstruktion, die im Grunde aussieht wie ein Kamerastativ - nur größer. Damit lassen sich Lasten abheben, absetzen, versetzen oder schwenken. Daher wird es eingesetzt, um Menschen aus Schächten oder Gruben zu retten.

Die Teens sind bereit, zu retten

Doch weil heute die SPD-Bundestagsabgeordneten Nils Schmid und Martin Gerster die Übung verfolgen, bauen die angehenden Einsatzkräfte einen Steg. Während Max und Damien zwei Dreiböcke aufstellen, legen die übrigen Jugendlichen zwei Planken auf ein etwa 1,50 Meter breites Rundholz und vertäuen alles mit einer speziellen Seiltechnik. „Das ist die Lauffläche, auf der später Radfahrer und Fußgänger ein Hindernis überwinden können“, klärt Oliver Kiedaisch auf.

Nachdem ein Querbalken auf die rund zwei Meter hohen Dreiböcke gehievt wurde, legen die Jugendlichen die circa sechs Meter lange Lauffläche an ihren beiden Enden auf zwei etwa 1,5 Meter hohe Palettenstapel. Damit die Konstruktion nicht den Boden berührt, wird sie über Leinen mit dem Querbalken verbunden. „So kommt man auch bei Hochwasser von A nach B“, sagt Andreas Baumann. Laut dem THW-Ortsbeauftragten wird auf Holzkonstruktionen zurückgegriffen, wenn im Katastrophenfall nicht genügend Einsatzgerüstsysteme aus Metall vorhanden sind. „Holz und Leinen lassen sich an jedem Einsatzort leicht beschaffen“, berichtet der Experte.

Eine solche Konstruktion kam beim Unwetter am 11. Juni in Kirchheim nicht zum Einsatz. „Bei dem Starkregenereignis prasselten zwar 150 Liter Wasser in der Minute auf die Erde“, erzählt Baumann. „Aber sobald der Niederschlag aufhört, läuft kein Wasser mehr nach und das vorhandene kann abfließen.“ Dort, wo das Wasser in Tiefgaragen und Keller eingedrungen war, half das THW mit seinen Pumpen weiter. Für Nils Schmid und Martin Gerster unterstreichen Ereignisse wie diese die Bedeutung des THW. Seit geraumer Zeit sieht sich der Kirchheimer THW-Ortsverband nach einem neuen Standort um. Die beiden SPD-Politiker freute es, dass die Organisation ein Grundstück im Gewerbegebiet Kruichling in den Blick gefasst hat. Während das THW aktuell über 1 500 Quadratmeter verfügt, sind es am potenziell neuen Standort 3 500 Quadratmeter.

Laut Jan Rackwitz von der THW-Regionalstelle Göppingen liegen die Kosten für einen Neubau bei 3,5 Millionen Euro. Allerdings müssen die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und das Bundesfinanzministerium erst ihre Zustimmung erteilen. Im Kruichling gibt es einen direkten Autobahnzugang, es ließen sich ausreichend Parkplätze schaffen und Übungen könnten stattfinden, ohne Anwohner zu stören. Das THW rechnet auch wegen dem Klimawandel mit steigenden Anforderungen. Dadurch wird für Jan Rackwitz auch die Ausrüstung wachsen und mehr Raum brauchen. Allerdings müssten Bundesanstalt und -finanzministerium den Flächenerwerb im Kruichling rasch bewilligen, denn Grundstücke sind begehrt. Bislang ist Jan Rackwitz zuversichtlich, dass das THW in Kirchheim bleibt. So oder so: Jessica, Max und Damien bleiben ihrem Ehrenamt treu. „Schließlich lernen wir hier vieles, das man im Alltag und Beruf gut brauchen kann“, sagt Max.