Kirchheim

„Katzenmusik“ entflammt die Menge

Konzert Heimspiel: Die talentierte Band „Grup Huub“ gibt in der ausverkauften Naberner Zehntscheuer Vollgas und sorgt für ein musikalisches Beben in denkmalgeschütztem Gemäuer. Von Anja Schulenburg

Stimmiges Durcheinander: Die fünfköpfige Band hat verschiedene Musik-Genres in petto. Foto: Julius Rexer
Stimmiges Durcheinander: Die fünfköpfige Band hat verschiedene Musik-Genres in petto. Foto: Julius Rexer

Gedämpftes Licht und ein Banner in den typischen Grup-Huub-Farben Rot und Weiß schmückt die Bühne - es liegt eine gewisse Spannung im Raum. Durch das gemütliche Ambiente der Naberner Zehnt­scheuer haben die Zuschauer das Gefühl, auf einem Wohnzimmerkonzert zu sein. Nach und nach nehmen die Besucher ihren Stehplatz vor der Bühne ein, schließlich möchte hier jeder so nah wie möglich am Geschehen sein.

Doch bis zum Haupt-Act müssen sich die Fans von Grup Huub noch etwas gedulden. Die sympathischen Jungs der Holzmadener Newcomer-Band „Nurex“ dürfen mit kreativen Indie-Pop-Rhythmen als Vorgruppe ran. Nach einer kurzen Umbaupause kommt dann Bewegung in die Menge: Schlagzeuger Aaron Götzelmann nimmt seinen Platz ein, gefolgt von seinen vier Band-Kollegen Linus Baum, Georg Götzelmann, Paul Baum und Robert Gölz. Es folgt eine Grup-Huub-interne Mini-Jam-Session, eine Art „Energie-Ritual“. Auf Kommando dreht sich die Gruppe zum Publikum und lässt ihre eben noch frisch gesammelte Energie frei - mit einer Bühnenpräsenz, die ihresgleichen sucht.

Der Funke springt sofort auf die Zuschauer über. Mit dem Song „Goodnight Anna“ beginnt ein Partyreigen, der das alte Gemäuer der Zehntscheuer förmlich erbeben lässt. „Liebe Naberner, wir haben noch einige Publikumsaktionen mit euch vor“, ruft Sänger Linus Baum verschmitzt ins Mikro, und im Laufe des Abends wird immer klarer, was er damit meint: Zu rapiden Beats des Albums „Charivari“ - sogenannter Katzenmusik - tummelt sich die Menge, reißt die Hände hoch, sinkt dann auf die Knie, um sich im nächsten Augenblick im Pogo-Tanz wieder von einer Welle aus Polkaklängen mitreißen zu lassen.

Der Song „Love Story“ ertönt mit einem Trompeten-Solo von Paul Baum, gefolgt von „Boatman“, gesungen von Georg Götzelmann, dessen rauchiges Timbre dem Song mit Ohrwurm-Potenzial seinen eigenen Charakter einhaucht. Gast-Gitarrist Michael Oroszi brilliert mit einem beeindruckenden Solo im Song „Berlin“. Doch nicht genug: Die fünf Vollblut-Musiker legen noch mal einen Zahn zu. Sie ziehen das Publikum mit coolen Texten, tanzbaren Melodien, witzigen Moderationen und Choreografien komplett in ihren Bann. Mit „The Night“, dem ersten Song, der gemeinsam entstand, gönnen sich Band und Publikum eine kleine Verschnaufpause zu leichten Reggae-Klängen. Auch der Song „We got this all“ überzeugt mit ruhigeren Country-Motiven.

Überhaupt präsentieren Grup Huub eine interessante Mischung aus Ska-, Polka-, Folk- und Swing-Elementen. Neben der Spielfreude, die die Kapelle verbreitet, entsteht der Eindruck, dass die fünf Musiker zu einer Einheit verschmelzen. Das macht ihren Stil so besonders und einzigartig. Es gibt keinen Frontman, darüber hinaus sind sie keinem speziellen Genre zuzuordnen. Das Publikum honoriert das mit bebendem Applaus - und die Band beginnt einfach wieder von vorn und beendet den Abend dann liebevoll mit „Goodnight Nabern“.

Ein gelungener Abend mit großartigen jungen Musikern und einem Publikum, das müde, aber beschwingt und glücklich nach Hause geht.

Aus dem Schwäbischen

Die Band „Grup Huub“ ist im Jahr 2015 gegründet worden. Der Bandname setzt sich zusammen aus den Worten „Gruppe“ und „Huub“ - der schwäbischen Bezeichnung für Blechblasinstrumente.as

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