Kirchheim

„Kein Problem ist zu groß oder zu klein“

Beratung Die Stiftung Tragwerk bietet kostenfreie Gespräche für Jugendliche oder deren Eltern an, wenn Konflikte die Familie und den Alltag belasten. Auch Geflüchtete können dort Hilfe finden. Von Andreas Volz

Kinder oder Jugendliche am Bildschirm: In vielen Familien entstehen daraus dauerhafte Konflikte. Hilfe in allen möglichen Schief
Kinder oder Jugendliche am Bildschirm: In vielen Familien entstehen daraus dauerhafte Konflikte. Hilfe in allen möglichen Schieflagen von und mit Jugendlichen bietet die Psychologische Beratungsstelle der Stiftung Tragwerk an.Symbol-Foto: Carsten Riedl

Zoff kommt in den besten Familien vor. Häufig entzündet er sich am Umgang mit Bildschirmen. Es geht um die volle Konzentration, die Kinder und Jugendliche dem Gerät widmen, und um die stundenlange Nutzung. Klare, gemeinsam aufgestellte Regeln können helfen. Das gelingt aber nicht immer, und manchmal liegt das auch daran, dass der Streit um Smartphones oder Tablets andere Konflikte überlagert. In diesem Fall können sich Betroffene professionelle Unterstützung holen: bei der Psychologischen Beratungsstelle der Stiftung Tragwerk in Kirchheim.
Roswitha Sylla, die Leiterin der Beratungsstelle, betont: „Zu uns kann man mit allen Fragen und Problemen kommen. Kein Problem ist zu groß oder zu klein.“ Letzteres gilt auch für die Menschen, die eine Beratung suchen: „Meistens kommen die Eltern zu uns, die das Gefühl haben, dass in ihrer Familie etwas besser laufen könnte.“ Es gibt aber auch eine offene Sprechstunde für Jugendliche.
Manche werden von der Schule an die Psychologische Beratungsstelle verwiesen, andere kommen aus freien Stücken. Die Schule kann also Lösungswege aufzeigen, aber auch das Problem sein – etwa bei einem Schüler, der Schwierigkeiten hat, sich anzupassen, aber weder bei Lehrkräften noch bei den Eltern auf Verständnis stößt.
„Wir haben ein niederschwelliges Angebot“, betont Jürgen Knodel, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Tragwerk. Roswitha Sylla ergänzt: „Wir brauchen keine Überweisungen. Eltern können ohne Antragstellung zu uns kommen.“ Das einzige, was sie brauchen, ist ein Termin, den sie im Voraus vereinbaren sollten.
Niederschwellig ist das Angebot auch deshalb, weil es sich nicht um eine Therapie handelt, sondern um eine erste Beratung, die in 80 Prozent aller Fälle nach maximal zehn Treffen abgeschlossen ist. Wer wirklich eine Therapie braucht, erhält geeignete Adressen oder wird weitervermittelt.
Was unterscheidet nun die Beratung von einer Therapie? „Egal, wer kommt – hier gibt es einen Blick auf seine Situation. Nach Möglichkeit soll die Person durch das Gespräch selbst erkennen, wie sie in ihrer Lage handeln muss“, erklärt Berater Daniel Schipke.
Das gilt auch für die Beratung von Flüchtlingen. Oft scheint alles auf dem richtigen Weg: Die Sprache ist bereits ganz gut erlernt, ein Ausbildungs- oder Arbeitsplatz ist gefunden. Und doch gibt es Schlafprobleme, Ängste, Panikattacken. Die Arbeit mit Flüchtlingen ist ein eigener Bestandteil im Alltag der Psychologischen Beratungsstelle. „Dieses Thema wird uns noch eine ganze Weile erhalten bleiben“, sagt Roswitha Sylla. „Wir machen da immer mehr ,Beratung im Dreieck‘ – also mit Unterstützung durch Dolmetscher.“ Über psychische
Belastungen zu sprechen, ist ohnehin schwierig genug, erst recht in einer fremden Sprache.
Auch in der eigenen Sprache kommt es vor, dass man Zeichen zunächst nicht richtig erkennt. Ros­witha Sylla berichtet aus der Praxis: „Ein Kind hat sehr oft Bauchschmerzen, aber der Kinderarzt findet nichts Organisches. Da steht dann vielleicht eine Angst im Hintergrund.“ Scheidungen, Trennungen oder Streitigkeiten der Eltern können die Kinder ebenfalls stark belasten. Mitunter sind die Eltern auch psychisch krank.
Zurück zum Anfang: Ein Kind würde sich wünschen, dass sich der Vater für sein Bildschirmspiel interessiert. Die Eltern bezeichnen das alles aber nur als Mist. Wie die Beratung hier helfen kann, erläutert Daniel Schipke: „Wir moderieren, damit die Familie Vereinbarungen treffen kann – für die Nutzung von Handys, aber auch für die Mithilfe im Haushalt. Da muss unter Umständen gar nicht viel verändert werden.“
Kontakt
Erwachsene können mit der Psychologischen Beratungsstelle einen Termin vereinbaren, telefonisch unter der Nummer 0 70 21/4 85 59-0 oder per E-Mail an beratungsstelle@stiftung-tragwerk.de. Für Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren gibt es jeden Montag von 16 bis 17 Uhr eine offene Sprechstunde, kostenfrei und ohne Anmeldung: Zum kurzfristigen Gespräch können sie sich dann in der Psychologischen Beratungsstelle, Schlierbacher Straße 43 in Kirchheim, einfinden. Der Eingang ist allerdings nicht an der Schlierbacher Straße, sondern an der Jakobstraße.

Kontakt

Erwachsene können mit der Psychologischen Beratungsstelle einen Termin vereinbaren, telefonisch unter der Nummer 0 70 21/4 85 59-0 oder per E-Mail an beratungsstelle@stiftung-tragwerk.de. Für Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren gibt es jeden Montag von 16 bis 17 Uhr eine offene Sprechstunde, kostenfrei und ohne Anmeldung: Zum kurzfristigen Gespräch können sie sich dann in der Psychologischen Beratungsstelle, Schlierbacher Straße 43 in Kirchheim, einfinden. Der Eingang ist allerdings nicht an der Schlierbacher Straße, sondern an der Jakobstraße.

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