Kirchheim

Kirchheim kriegt ein ganz neues Quartier

Ficker-Areal Der traditionsreiche Industriestandort wandelt sich ab 2018 zu „Steingaupark“ und „Henriettengarten“. Dazu gehören Kletterhalle, Kinokomplex, Läden, Ateliers, Büros – und viele Wohnungen. Von Andreas Volz

Die alte Fabrikfassade an der Stuttgarter Straße bleibt weitgehend erhalten. Im Inneren des altehrwürdigen Gebäudes wird aber al
Die alte Fabrikfassade an der Stuttgarter Straße bleibt weitgehend erhalten. Im Inneren des altehrwürdigen Gebäudes wird aber alles umgekrempelt. Im Erdgeschoss und im ersten Stock entstehen Räume für Gewerbe, Handel oder Gastronomie, vom zweiten Obergeschoss an werden Wohnungen eingerichtet.Fotos: Carsten Riedl

Die Otto Ficker AG als solche gibt es längst nicht mehr: 2004 war sie nach der Fusion mit Blessing im neuen Namen BlessOF aufgegangen. 2008 hatte die Mayer-Gruppe aus Heilbronn BlessOF übernommen. Seither wird am Traditionsstandort in Kirchheim zwar weiterproduziert, aber nicht mehr lange. 2018 soll die Produktion verlagert werden. Wohin es geht und wie viele Arbeitsplätze erhalten bleiben, darüber gibt es zumindest für die Öffentlichkeit derzeit keine neuen Erkenntnisse. Nur eins ist sicher: Allenfalls das historische Fabrikgebäude bleibt erhalten. Teilweise geht es noch auf Entwürfe des einstigen Kirchheimer Stararchitekten Philipp Jakob Manz zurück.

Künftig soll dort allerdings kein Platz mehr sein für einen Industriebetrieb, sondern für Handel, Gastronomie, Gewerbe oder auch für Ateliers - im Erdgeschoss sowie im ersten Stock. In den höheren Etagen sollen Wohnungen entstehen, unter anderem mit Dachterrassen als einer Art „Vorgarten“. Das ist aber noch nicht alles: Das gesamte Gelände bis fast zur Henriettenstraße wird völlig neu überplant und bebaut. Südlich werden sich ans Fabrikgebäude zwei größere Bauten anschließen, die vor allem Büro- und Praxisräumen vorbehalten sind. Anschließend ist für den neuen „Steingaupark“, vor allem aber für den neuen „Henriettengarten“ reine Wohnbebauung vorgesehen. Die Gebäudehohe soll dabei in Richtung Süden immer mehr abnehmen.

Was für alle Kirchheimer - wie auch für Besucher von außerhalb - von größtem Interesse sein dürfte, ist die Planung für die „Lücke“, die an der Stuttgarter Straße zwischen dem alten Ficker-Bau und dem heutigen Baumarkt zunächst einmal klaffen wird. Dort entstehen eine turmartige Kletterhalle und dahinter, in zweiter Reihe, ein neuer Kinokomplex. Dazwischen liegt auch noch die Einfahrt zu einer Tiefgarage.

Es ist also ein ganz neues Quartier in Planung, das in Kirchheim völlig neue Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung eröffnet. Letzteres war 2011 Gegenstand eines ersten neuen Bebauungsplans für das Areal gewesen. Damals stand alles noch unter dem Stichwort „Erlebniszentrum“.

Als es diese Woche im Gemeinderat um den Aufstellungsbeschluss für den geänderten Bebauungsplan ging, sagte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker: „Wir schwenken jetzt auf eine neue Zielgerade ein. Wir haben intensiv gerungen um den Wohnbau, aber auch um den Erhalt des alten Industriegebäudes.“

Giorgio Bottega vom Stuttgarter Büro Bottega + Ehrhardt Architekten lobte zunächst einmal genau diesen alten Bau, als er den Gesamtentwurf vorstellte: „Das ist ein sehr schönes Industriegebäude mitten in der Stadt.“ Das Gebäude soll nun durch eine Rampe an der Stuttgarter Straße für die neue Nutzung erschlossen werden, ohne dass allzu stark in die bisherige Fassade eingegriffen wird. Städtebaulich dürfte vor allem die Kletterhalle neue Akzente setzen, die der Architekt als „expressives Auftaktgebäude“ bezeichnete.

Der Gemeinderat hat den Aufstellungsbeschluss einstimmig gefasst. In der Debatte hatten alle Redner den Entwurf gelobt, weil einerseits etwas ganz Neues entstehe, andererseits aber auch ein altes und stadtbildprägendes Gebäude erhalten bleibe. Allerdings folgte der Rat dem Leitantrag aus dem Technik- und Umweltausschuss, zum Beginn des „Henriettengartens“ keine fünfgeschossigen Gebäude zu ermöglichen.

An diesem Punkt warf Hans Kiefer (CIK) die Frage auf, wie bindend ein solcher Beschluss des Gemeinderats überhaupt sei. Bürgermeister Günter Riemer stellte klar: „Ein Bebauungsplan ist ein Ortsgesetz, sobald der Satzungsbeschluss einmal gefasst ist.“

Ab dann kann kein Gebäude mehr gebaut werden, das wesentlich höher ist als im Bebauungsplan vorgesehen. Anders sieht es natürlich aus, bis es vom Aufstellungsbeschluss zum Satzungsbeschluss kommt. Nach den Erfahrungen mit anderen Bebauungsplänen in jüngster Zeit können in dieser Phase durchaus noch ganz andere Ideen Eingang in den Bebauungsplan finden.

Zu früh ist es bislang noch, über die Energieversorgung oder über die Art der Läden etwas zu sagen. Günter Riemer versicherte jedoch: „Wir führen gerne das Gespräch mit den Investoren, auch was die künftige Wärmeversorgung betrifft.“ Die beiden Investoren kommen übrigens direkt aus der Umgebung. Es handelt sich um die JoMaFi GbR aus Weilheim sowie um die Unger GbR aus Kirchheim.

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