Kirchheim

Klosterwiese ist ab Mai bewohnt

Unterbringung Kirchheim hat seit 2016 insgesamt 583 Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf besorgt. Das große Bauen geht auch 2020 weiter. Von Andreas Volz

Die Neubauten auf der Kirchheimer Klosterwiese sind so gut wie fertiggestellt. Schon im Mai sollen Flüchtlinge dort ihre Wohnung
Die Neubauten auf der Kirchheimer Klosterwiese sind so gut wie fertiggestellt. Schon im Mai sollen Flüchtlinge dort ihre Wohnungen in der Anschlussunterbringung beziehen. Foto: Carsten Riedl

Die Flüchtlingskrise von 2015 scheint in Kirchheim bewältigt zu sein. Zum einen sind die Zahlen gesunken, und zum anderen hat die Stadt an den verschiedensten Stellen neue Unterkünfte gebaut. In diesen Unterkünften - aber auch in privaten Mietwohnungen - wurden seit 2016 insgesamt 583 Personen untergebracht. Bis Ende 2020 muss die Stadt noch für knapp 100 weitere Personen Wohnraum schaffen oder anmieten. Die Plätze, die jetzt bereits geplant sind, müssten dafür ausreichen.

Das ist aber überwiegend Theorie. In der Praxis sieht doch manches anders aus, weshalb sich weder die Stadtverwaltung noch der Gemeinderat entspannt zurücklehnen können. Zu den 672 Flüchtlingen, für die Kirchheim bis 2020 Plätze zur Anschlussunterbringung bereitstellen muss - sofern sich die aktuellen Zahlen aus dem Esslinger Landratsamt nicht wieder ändern -, kommt immer noch eine unbekannte Zahl oben drauf.

Manche zählen nicht für die Quote

Da wären zum einen diejenigen, die einstens als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge eingereist waren. Auch wenn sie inzwischen längst volljährig sind, werden sie nicht auf die Quote angerechnet. Trotzdem muss die Stadt auch dieser Personengruppe ein Dach über dem Kopf bereitstellen.

Zum anderen gibt es nach wie vor das Stichwort „Familiennachzug“. Jeden Tag ist damit zu rechnen, dass eine vielköpfige Familie aus einem Flugzeug steigt, die die Stadt Kirchheim zu versorgen hat - weil der entsprechende Angehörige hier in der Anschlussunterbringung wohnt. Kalkulieren lässt sich das so gut wie gar nicht, und auch in diesem Fall gibt es keine Anrechnung auf die Quote. Letztere gilt für die einzelnen Flüchtlinge, die schon hier sind, nicht aber für deren Familienmitglieder.

Als wäre das nicht schon unberechenbar genug, steht die Stadt auch vor dem Problem, dass es weitere Obdachlose gibt. Aktuelle Zahlen geben hier nur bedingt Entwarnung: 2017 gab es in Kirchheim noch 84 Obdachlose ohne Fluchthintergrund unterzubringen, 2018 waren es „nur noch“ 48. Im Gemeinderat sagte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker beim „Werkstattbe­richt“ zur Anschluss- und Obdach­losenunterbringung allerdings: „Bei diesen Zahlen handelt es sich nur um diejenigen, die wir versorgt haben, und nicht um die, die noch auf der Bedarfsliste stehen.“

Nach den neuesten Zahlen, die Mitte Oktober 2018 erhoben wurden, sind derzeit noch 91 Personen aus 38 Haushalten unterzubringen. Zusätzliche 70 Personen aus 23 Haushalten leben in prekären Wohnverhältnissen. Auch in diesen Fällen sucht die Stadt nach Auswegen. Das heißt also, dass etliche der Unterkünfte, die nicht für Flüchtlinge benötigt werden, jetzt der Obdachlosenunterbringung zur Verfügung stehen sollen. Das ist beispielsweise in der Kitteneshalde der Fall. Die dortigen Wohnungen sollen noch im laufenden Monat bezogen werden.

Bürgermeister Günter Riemer gab einen Überblick über die einzelnen Standorte: Auf dem Jesinger Bolzplatz sind bereits im August die ersten Bewohner eingezogen. Die Gebäude seien nicht vollständig belegt, weil mit Familiennachzug zu rechnen ist. Die beiden Gebäude auf der Klosterwiese sollen im Mai bezugsfertig sein. In Lindorf wiederum hat sich der Bau verzögert: „Wir haben dort gerade einen Rückbau von mangelhaft ausgeführten Arbeiten. Der Estrichfirma haben wir inzwischen den Auftrag entzogen.“ Es wird wohl Oktober werden, bis dort jemand wohnen kann.

Bis dahin wird auch der bisherige Parkplatz im Ötlinger Ginsterweg bebaut: Der Satzungsbeschluss des Bebauungsplans ist für Juli vorgesehen. Baubeginn wäre dann im Herbst. Spätestens im Winter 2019/20 soll auch für den „Schafhof IV“ der Satzungsbeschluss folgen.

Stadtrat Hans Kiefer von der Christlichen Initiative Kirchheim (CIK) warnte davor, sich nun auf dem auszuruhen, was bereits erreicht oder fest geplant ist: „Wir werden weitere Häuser bauen müssen - auch für die Obdachlosen und für Menschen in prekären Situationen.“ Und damit nicht genug der Kosten für den städtischen Haushalt, denn die Oberbürgermeisterin sprach noch einen weiteren wichtigen Punkt an: „Für unser Quartiersmanagement brauchen wir weiteres Personal.“ Aus der „Werkstatt“ gibt es also auch künftig noch viel zu berichten.

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