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Kommentar: Der Fußweg ist zumutbar

Es ist schon merkwürdig: Da startet die Gemeinde Neidlingen ein wegweisendes Wohnprojekt, zentral in der Ortsmitte und direkt an der Bushaltestelle gelegen, nimmt dafür gemeinsam mit einem privaten Investor grob zwei bis zweieinhalb Millionen Euro in die Hand. Und was ist die einzige Sorge der Gemeinderäte? Genügend Parkplätze. Für Besucher wohlgemerkt, denn die Bewohner haben jeweils ihren eigenen Tiefgaragenstellplatz. Feste stationäre Mitarbeiter gibt es beim betreuten Wohnen nicht. Während überall dringend Wohnungen gebraucht werden, erst recht rollstuhlgerechte und barrierefreie, soll eine Wohnung Parkplätzen weichen. Sind Autos also wichtiger als Menschen? Warum soll es Besuchern nicht zuzumuten sein, irgendwo in den umliegenden Straßen zu parken und ein Stück zu Fuß zu gehen? Der Verkehr wird sich in Grenzen halten: Es geht nicht um ein großes Pflegeheim, sondern um 13 quasi ganz normale Wohnungen mit ein wenig altersgerechtem Extraservice.

Ein Vorschlag zur Güte: Am Ortseingang von Neidlingen hat die Firma Festool einen großen Parkplatz. Ihn am Wochenende öffentlich zu nutzen, sei grundsätzlich kein Problem, sagt die Sprecherin der Firma. Man müsse nur vorab die Haftungsfragen klären, falls zum Beispiel jemand ausrutsche. Von diesem XXL-Parkplatz zur Wohnanlage sind es knapp 400 Meter, das dürfte für die meisten Besucher gut zu schaffen und zudem gesundheitsfördernd sein. Eine Station weit mit dem Bus zu fahren, ginge natürlich auch. Aber dieser Gedanke ist wohl noch verwegener. Peter Dietrich


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