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Kommentar: Frischer Wind bläst als Orkan

Mit einem Ergebnis in dieser Höhe hat wohl niemand gerechnet. Wahlsieger Pascal Bader, der Anfang März sein Amt als Kirchheims Oberbürgermeister antritt, spricht von einem „großen Vertrauensvorschuss“, den ihm die Wähler für die nächs­ten acht Jahre gegeben haben.

Vertrauen geht ohne Vorschuss nicht - so wenig wie ein Vorschuss ohne Vertrauen möglich ist. Das Vertrauen zu rechtfertigen, wird seine Aufgabe in den kommenden Jahren sein. Dass er seine Aufgabe ordentlich erledigen wird, daran gibt es nach seinem bisherigen Auftreten keinen Zweifel. Ob er seine Versprechen - vor allem das eines Hallenbadbaus vor dem Jahr 2030 - umsetzen kann, daran wird er sich messen lassen müssen. Auch Pascal Bader wird erkennen, dass die Welt nicht ohne Weiteres bereit ist, sich aus den Angeln heben zu lassen.

Eins aber hat er durch seinen Wahlsieg bewiesen: Um „frischen Wind“ war es ihm im Wahlkampf gegangen. Dieser frische Wind hat mächtig geblasen. Es war kein laues Lüftchen, sondern ein Orkan, der Noch-Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker nach 16 Jahren aus dem Amt gefegt hat - und das, obwohl selbst Pascal Bader ihr nach der Wahl nichts anderes als gute Arbeit über zwei Amtszeiten hinweg bescheinigt.

Woran liegt es, dass Angelika Matt-Heidecker von einem Erdrutsch in die Tiefe gerissen wurde? Mutmaßlich an der Schnelllebigkeit der Zeit. Überall war in den vergangenen Wochen zu hören: „16 Jahre sind doch wirklich lange genug. Jetzt wird es Zeit, dass einmal ein anderer das Ruder übernimmt.“ Gegen diese Argumentation gibt es kein Mittel.

Andere Gründe für die Abwahl dürften darin liegen, dass Wähler unzufrieden waren mit der Anschlussunterbringung, mit der Kinderbetreuung oder mit dem Straßenbau. Wer auch immer welchen Grund für seine Wahlentscheidung hatte - die Unzufriedenheit war wohl doch so groß, wie Pascal Bader sie im Wahlkampf beschrieben hat.   Andreas Volz

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