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Kommentar: Nichts für die Annalen

In die Annalen gehen fast immer nur Taten ein - egal ob eine Unternehmung gelungen oder grandios gescheitert ist. Beides scheint der Erinnerung wert zu sein, denn beides hat Folgen, so oder so. Bei hochfliegenden Plänen ist das anders. Solange diese Pläne nur Schubladen füllen, um irgendwann wieder aussortiert zu werden, sind sie allenfalls hypothetisch interessant, unter der Fragestellung: „Was wäre gewesen, wenn . . .?“ Dabei ließen sich mit einer Aufzählung von Projekten, die nie verwirklicht wurden, wahrscheinlich weitaus größere Annalen-Bände füllen.

In diese Nicht-Annalen wird jetzt jedenfalls der regionale Wohnungsbauschwerpunkt Galgenberg eingehen, und das ist auch gut so. Zu groß wären die Schwierigkeiten gewesen, die einer Umsetzung des ehrgeizigen Projekts im Weg standen. Dem Milcherberg und dem Galgenberg hätte der Verkehrskollaps gedroht, von der Finanzierung einmal ganz abgesehen.

Hätte man das alles vorher schon sehen und erkennen können, bevor man Zeit und Geld in Beratungen, Planungen und Voruntersuchungen steckt? Ja: Sehen und erkennen hätte es sich durchaus lassen. Skeptische Stimmen haben das städtebauliche Großprojekt denn auch von Anfang an begleitet.

Aber Kassandrarufe allein genügen heute eben nicht mehr. Es geht darum, der Sache auf den Grund zu gehen und klare Argumente dafür zu liefern, ob es sich lohnt, den Galgenberg stark zu erweitern, oder eben nicht. Wenn nun die Voruntersuchungen zu dem Ergebnis geführt haben, dass es sich nicht lohnt, dann heißt das nicht automatisch, dass sich deswegen auch die Voruntersuchungen nicht gelohnt haben.

Es war in diesem Fall besser, Geld in die Theorie des Projekts zu stecken, als es in die Praxis zu versenken - und sich am Ende verwundert die Augen zu reiben, weil es nicht funktioniert. Von Andreas Volz

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