Kirchheim

Korn ist reif für die „Ernte“

Die Eduard-Mörike-Schule in Ötlingen verabschiedet ihren Rektor nach 25 Amtsjahren in den Ruhestand

Aller guten Dinge sind drei: Innerhalb weniger Tage hat die Kirchheimer Schullandschaft schon den dritten Rektor verabschiedet: Friedemann Korn.

Schulamtsleiterin Corina Schimitzek überreicht Friedemann Korn nebst Blumen die entscheidende Urkunde, durch die er in den Ruhes
Schulamtsleiterin Corina Schimitzek überreicht Friedemann Korn nebst Blumen die entscheidende Urkunde, durch die er in den Ruhestand versetzt wird. Besonders herzlich verabschiedeten sich auch die Drittklässler vom scheidenden Rektor der Eduard-Mörike-Schule (kleines Bild unten rechts).Fotos: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. „Sich verabschieden ist wie ernten“, stellte Konrektorin Rotraut Neubauer fest. Nun sei es Friedemann Korns Aufgabe, mit seinem imaginären Korb im Arm „Ernte“ zu halten. Die wichtigsten Erntegaben bescherten ihm zweifellos die Drittklässler, die ihn im Rückblick als „besten Rektor der Welt“ bezeichneten. Außerdem überbrachten die Kinder aus jeder Klasse einen Wunsch. Zwei davon seien exemplarisch genannt. In die Zukunft gerichtet, wünschte ihm eine Klasse „viel Glück und Gesundheit im neuen Leben“. Und auch um die richtige Vergangenheitsbewältigung bemühten sich die Grundschulkinder, indem sie „nachts nur schöne Träume von der vergangenen Schulzeit“ wünschten.

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Friedemann Korn zufolge dürfte der letztgenannte Wunsch von selbst in Erfüllung gehen: „Die Hirnforschung sagt, dass wir uns vor allem an die guten und freudigen Ereignisse erinnern – so lässt es sich besser leben.“ Gute und freudige Ereignisse gab es in seinem 41-jährigen Lehrerdasein sicher zuhauf, auch wenn „Lehrer zunächst nicht mein Traumberuf war“. Von Sport und Technik war Friedemann Korn begeistert. Deswegen hat er auch beide Fächer auf seinem Stundenplan gehabt. Die Freude am Unterrichten sei aber sehr schnell hinzugekommen.

Dennoch gab es auch schmerzliche Ereignisse in seinem Berufsleben. An erster Stelle steht da der Niedergang der Hauptschule: „Das hat mich persönlich sehr getroffen. Es schmerzt mich, seit einem Jahr keine ,Großen‘ mehr an der Schule zu haben. Aber wenn eine Schulart in der Gesellschaft stigmatisiert wird, ist sie auf Dauer nicht mehr zu halten.“

Nicht nur der Stellenwert der Hauptschule hat sich verändert, seit Friedemann Korn an der Pädagogischen Hochschule Esslingen studiert hat. „Sport“ hieß Mitte der 70er-Jahre noch „Leibeserziehung“, wie Dr. Corina Schimitzek, die Leiterin des Staatlichen Schulamts Nürtingen, ausführte. Nach ersten Dienstjahren in Wäldenbronn wie auch als Dozent am Seminar in Nürtingen sei Friedemann Korn 1987 an die Eduard-Mörike-Schule gekommen, wo er bereits vier Jahre später das Amt des Rektors übernahm. Gemeinsam mit seinem Vorgänger Dr. Hans-Peter Pix hatte er zuvor als Konrektor das Fach „Technik“ an der Eduard-Mörike-Schule aufgewertet, indem die alte Feuerwehrhalle in der Stuttgarter Straße zur Multiwerkstatt umgestaltet wurde. Und nachdem das politische Aus für den Hauptschulstandort in Ötlingen kam, habe er kurzerhand in der Grundschule einen neuen Schwerpunkt auf die Technik gelegt.

Große Veränderungen im Schulleben sprach auch Ötlingens Ortsvorsteher Hermann Kik an. Heute gebe es Schwerpunkte auf Eigenverantwortung beim individuellen Lernen, auf Betreuung, Essen und Schulsozialarbeit. Aus seiner eigenen Schulzeit dagegen erinnerte er sich außer an Frontalunterricht vor allem an Tatzen, Kopfnüsse und Ohrfeigen.

Letzteres gab es in Friedemann Korns Dienstzeit längst nicht mehr. Aber dafür habe er in den drei gemeinsamen Jahren mit Hans-Peter Pix bis 1990 vieles bei einer Zigarre im Rektorat besprochen, was heute völlig undenkbar wäre. Dr. Pix erinnerte an die erste Begegnung mit ihm – einem großen, schlaksigen jungen Mann, mit Bart und Motorradhelm. Damals, 1987, hatte die Eduard-Mörike-Schule noch rund 600 Schüler. Später aber, als noch kurz die Hoffnung auf eine Gemeinschaftsschule in Ötlingen aufkeimte, habe letztlich keine echte Chance bestanden, weil es sich bereits um „eine Hauptschule in der Abwicklung“ gehandelt habe.

Dass sich Friedemann Korn danach mit umso mehr Engagement der Grundschule zugewandt hat, hob auch Michael Harzer im Namen der Kirchheimer Schulleiterrunde lobend hervor. In diesem Sinne habe er ganz nach der Maßgabe von Johannes XXIII. gehandelt: „Nimm dir nicht zuviel vor. Es genügt die friedliche, ruhige Suche nach dem Guten, an jedem Tag, zu jeder Stunde, und zwar ohne Übertreibung und ohne Ungeduld.“

Sehr geduldig wiederum warb Thorsten Precker vom Förderverein darum, dass der Rektor auch im Ruhestand Vereinsmitglied bleiben möge. Das sei die bestmögliche Verbindung zur alten Schule. Schließlich ist ein kurzer Draht für den Praktiker Friedemann Korn sicher passend. Wer weiß schon, ob ihm auf Dauer genügen wird, was er selbst als „bleibend“ bezeichnete: „Das Gefühl. etwas geleistet und viele Kinder und Jugendliche erfolgreich auf ihrem Weg ins Erwachsensein begleitet zu haben.“

Info

Nachdem die Kirchheimer Schulleiterrunde jetzt auf einen Schlag drei Viertel ihrer Mitglieder verloren hat, gibt es für die drei scheidenden Rektoren – Michael Harzer, Gerhard Klinger und Friedemann Korn – ein gemeinsames Abschiedsgeschenk: Zu dritt heben sie heute Abend auf der Hahnweide ab, um sich aus der Luft von ihren Schulen zu verabschieden. Das Wort „Schulleiterrunde“ bekommt bei diesem Rundflug also eine völlig neue Bedeutung.

Verabschiedung Rektor Friedemann Korn, Eduard-Mörike-Halle in ÖtlingenMusikalischer Beitrag der Drittklässler
Verabschiedung Rektor Friedemann Korn, Eduard-Mörike-Halle in ÖtlingenMusikalischer Beitrag der Drittklässler