Kirchheim

Kulinarische Reise nach Paris

Bastion Vincent Klink führt das Publikum auf einen Streifzug durch Edelrestaurants und Bistros an der Seine. Als Beilage fürs Menü: Jazzmusik. Von Andrea Barner

Der Profi und der Hobbymusiker: Perfekt auf die launigen Erzählungen des Küchenmeisters abgestimmt, intonieren Vincent Klink und
Der Profi und der Hobbymusiker: Perfekt auf die launigen Erzählungen des Küchenmeisters abgestimmt, intonieren Vincent Klink und Patrick Bebelaar die Musik, die in den 60er-Jahren in Paris angesagt war, eine Melange aus Be-Bop und Swing. Foto: Andrea Barner

Vincent Klinks kulinarische Seite kennen viele. Dass der berühmte Küchenmeister und Betreiber der „Wielandshöhe“ in Degerloch auch Bücher schreibt und Trompete spielt, ist weniger bekannt. Eine eindrucksvolle Kostprobe davon gab es jetzt in der „Bastion“. Gemeinsam mit seinem Freund und Pianisten Patrick Bebelaar gastiert Klink landauf, landab, in großen Hallen und kleinen Klubs. Im Mittelpunkt steht aber stets der imposante Küchenchef und seine Geschichten.

Sein Buch „Ein Bauch spaziert durch Paris“ ist ein Muss für Freunde der gepflegten Koch- und Esskultur, ein Reiseführer der besonderen Art durch die französische Hauptstadt. Es erschien 2015 und natürlich schickt der Verlag Vincent Klink damit auf Lesereise. Und der weiß genau, wie er sein Publikum mitreißt, humorvoll, oft frech, auch mal politisch unkorrekt. Und: „Je kleiner der Laden, desto mehr menschelt’s“. Da ist er im Club Bastion ja genau richtig! Das „Großraumprojekt in der Sardinenbüchse“, wie Klink die Veranstaltungsstätte schmunzelnd umschreibt, ist restlos ausverkauft.

„Kultur muss nicht wehtun wie eine Wagner-Oper“, lautet das Credo des 68-jährigen Schwergewichts, der mit seiner Körperfülle kokettiert. So erzählt er gleich vorweg, dass die Recherche zum Buch bei ihm für zehn Kilo Gewichtszunahme gesorgt hat. „Hätte ich zuvor nicht bereits eine desaströse Hosenweite mit mir herumgetragen, könnte ich sagen: Für dieses Buch habe ich meine Schönheit drangegeben.“ Denn der Rundgang durch Paris führt von einem hochkarätigen Sternerestaurant zum anderen. Die „Welthauptstadt des guten Essens“ hat natürlich ihren Preis. Sein gut gemeinter Ratschlag: „Gehen Sie in ein „Zwei-Sterne-Restaurant, drei Sterne lohnen sich nicht - da treffen Sie bloß Araber und Waffenhändler!“. Klinks Insider-Tipp geht auch mehr in Richtung schönes Mittagessen, machbar ab 100 Euro pro Person, denn am Abend ist das Essvergnügen im Restaurant doppelt so teuer. Da geht man dann besser in ein Bistro, das man ruhig vorher schon mal durchs Fenster inspizieren sollte. „Wenn da lauter Franzosen auf Holzstühlen sitzen und genussvoll mit glänzenden Augen in sich rein schaufeln, dann geht man da rein.“

Vincent Klink kennt Paris wie seine Westentasche, denn die „Grand Cuisine“ hat’s ihm zweifellos angetan. Aber auch die kleinen, feinen Lokale, wo bodenständig, aber raffiniert gekocht, geschlemmt und genossen wird.

Und ein Genießer ist er durch und durch - auch was das Übernachten in Paris angeht. Höchst bedauerlich aus seiner Sicht: Die besten Hotels der Stadt sind meist von milliardenschweren Ölscheichs aufwendig renoviert worden, allerdings nicht immer mit dem nötigen Fingerspitzengefühl. In der höchsten Kategorie, den sogenannten Palasthotels, kostet die Nacht schlappe 1 000 Euro.

Nicht gerade ein Schnäppchen, wobei man sich den Campari an der Hotelbar für 25 Euro trotzdem gönnen sollte. Sein Mehrwert: Dort kann man die High-Society in aller Ruhe beobachten.

Locker, knitz und charmant plaudert sich Vincent Klink durch die elegantesten Gourmet-Tempel, Edelherbergen und Nobelviertel. Aber nicht nur das - auf der anderen Seite begibt sich Klink auf feinsinnige Exkursionen zu alten Friedhöfen, historischen Vierteln oder vorbei am Parkbänkle mit der strickenden Oma. Zudem verschafft er Einblicke in den Alltag von Künstlern wie Marc Chagall und Pablo Picasso, zu Zeiten, als die Herren mit ihren Kunstwerken noch hausieren gingen.

Die gut zweistündige Auftaktveranstaltung zum 50-jährigen Bestehen des Clubs Bastion war eine gelungene musikalische Lesung mit viel Gelächter in bester Stimmung.

Die Musik von Vincent Klink und Patrick Bebelaar passt zum Buch und wird an den richtigen Stellen ins Lese- und Erzählprogramm eingebaut. Mit Klavier und Basstrompete orientieren sie sich an Be-Bop und Swing, in den 60er-Jahren in Paris total angesagt und ein akustisches Spiegelbild des damaligen Zeitgeists. Arrangiert von Patrick Bebelaars spielen die beiden altbekannte Chansons wie „C’est si bon“ oder „Champs Elysée“, aber auch Eigenkompositionen aus der Feder Bebelaars.

Dabei blitzt natürlich die Virtuosität des Ausnahmepianisten durch, von Vincent Klink entsprechend angekündigt: „Patrick wird euch jetzt mal zeigen, wo pianistisch der Hammer hängt!“ Mehr von Patrick Bebelaar gibt es am 17. März in der Bastion zu hören, dann rein musikalisch mit der Trompeter-Legende Herbert Joos.

Viel beschäftigter Tausendsassa

 

Vincent Klink führt ein gefragtes Sterne-Restaurant, beschäftigt ein hochkarätiges Team und tritt häufig im Fernsehen auf. Er schreibt kulinarische Bücher, geht auf Lesereisen, gibt Konzerte. Ein Riesenpensum. Andrea Barner hat nachgefragt.

Stehen Sie als „Star-Koch“ eigentlich noch selber am Herd?

Vincent Klink: Ich stehe täglich zehn Stunden lang in der Küche, aber meine 25 Leute stehen nicht rum und gucken mir beim Kochen zu, sondern das ist umgekehrt. Sie erledigen die eigentlichen Kocharbeiten. Ich treibe sie an, ich lobe und korrigiere sie. Mittlerweile habe ich auch kein Problem mehr damit, zuzugeben, dass einer meiner Köche mal etwas kann, was ich noch nie gemacht habe. Wir sind die ganze Zeit am Tüfteln und Probieren. Meine Aufgabe ist vielleicht die, die ein Trainer im Fußball hat.

Wie weit ist Ihr nächstes Buch?

Klink: Ich bin gerade schwer dabei. Es soll eine Art Fortsetzung werden, nämlich „Ein Bauch spaziert durch Wien“. Zur Vorbereitung lese ich gerade ein Buch über Beethoven, 700 Seiten. Man muss einfach viel lesen. Aber natürlich „spaziere“ ich auch viel einfach so herum, das macht ja Spaß. Ich bin jetzt auch Mitglied im Wiener Musikverein. Ich werde da zwar nie mitspielen, aber es gehört einfach dazu, sich in das Wesen einzudenken, „sichhineinzuschaffen“. Das ist in Wien leichter als in Frankreich, denn der Wiener ist einfach offen.

Wo bleibt da die Familie?

Ich bin gar kein so Familienmensch. Also für die Familie bleibt höchstens eine Stunde am Tag. An den beiden Ruhetagen ist der erste Tag für die Familie, der zweite ist für mich. So hält man auch eine Ehe aus, 40 Jahre lang. Wenn Sie dauernd aufeinander hocken, funktioniert das nicht. Meine Frau und meine Tochter nehmen mir vieles ab, aber sie kritisieren mich auch täglich. Ich komme gar nicht in die Verlegenheit, wie viele andere Köche, dass ich einen Größenwahn krieg, denn ich werde jeden Tag runtergeholt.

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