Kirchheim

Kunden halten sich noch stark zurück

Ladenöffnung Seit gestern dürfen auch größere Läden wieder öffnen, wenn sie die Verkaufsfläche auf 800 Quadratmeter reduzieren. Der große Ansturm, den die Politik fürchtet, blieb in Kirchheim aber aus. Von Andreas Volz

Mund und Nase bedeckt, die Verkaufsfläche auf unter 800 Quadratmeter verkleinert. So präsentierte sich gestern in Kirchheim Inte
Mund und Nase bedeckt, die Verkaufsfläche auf unter 800 Quadratmeter verkleinert. So präsentierte sich gestern in Kirchheim Intersport Räpple. Foto: Carsten Riedl

Noch nie haben sich Kunden so viele Gedanken darüber gemacht, über wie viele Quadratmeter Verkaufsfläche der Laden verfügen könnte, in dem sie einkaufen wollen. In Corona-Zeiten werden solche Details aber plötzlich wichtig: Läden unter 800 Quadratmeter durften am Montag wieder öffnen, die größeren mussten vorerst noch geschlossen bleiben. Offizielle Begründung: Die großen Läden seien Publikumsmagnete. Sie ziehen die Menschen in so großen Massen an, dass die Ansteckungsgefahr gleich um ein Vielfaches steigt. Diese Überlegung ist sicher nicht ganz falsch.

Durch die Festlegung auf die reine Quadratmeterzahl von 800 ist nun aber der umgekehrte Effekt entstanden: Wenn ein Laden einzelne Bereiche absperrt, sodass die verbleibende Verkaufsfläche „klein“ genug ist, darf er seit gestern wieder öffnen. Er zieht also vielleicht dieselbe Menge Kunden an, darf aber nicht seine ganze Fläche nutzen, um bessere Möglichkeiten zu bieten, den Mindestabstand einzuhalten.

Wie sah es nun am gestrigen Donnerstag in Kirchheim aus? Intersport Räpple stellt die Wiedereröffnung unter das Motto „Zurück zum Sport“. Einzelne Abteilungen sind geschlossen - diejenigen, die hinter der nördlichen Eingangstür zu erreichen wären, in Richtung Alleenstraße. Der einzige Eingang, der geöffnet ist, liegt in Richtung Gaiserplatz. Gleich dahinter fallen Absperrbänder auf, weil auch dort ein Teilraum der Quadratmeterregel zum Opfer fallen musste. Insgesamt komme das Sportgeschäft derzeit sogar auf etwas weniger als die maximal erlaubten 800 Quadratmeter, heißt es.

Gleich nach dem Eingang werden die Kunden mit allem versorgt, was zur Corona-Hygiene wichtig ist: Es gibt Desinfektionsmittel und es gibt Behelfs-Masken, um Mund und Nase bedecken zu können. Das ist auch in anderen großflächigen Läden in Kirchheim so zu beobachten. Die Ausrede, man habe gerade keine Maske zur Hand, kann also nicht gelten. Auch wenn die Pflicht des Maskentragens noch nicht gilt, sind in allen entsprechend ausgerüsteten Läden nur Menschen mit verhüllten Gesichtern unterwegs.

Brechen nun für den Handel wieder rosige Zeiten an? Unter dem City-Ring-Motto „Wachgeküsst“ gab es gestern vor der Kirchheimer S
Brechen nun für den Handel wieder rosige Zeiten an? Unter dem City-Ring-Motto „Wachgeküsst“ gab es gestern vor der Kirchheimer Steingass-Filiale passend zur Dornröschen-Geschichte erst einmal Rosen. Foto: Carsten Riedl

Eine andere Stelle der Dettinger Straße: Vor der Steingass-Filiale befindet sich das City-Ring-Plakat mit der Überschrift „Wachgeküsst“. Passend zur Dornröschen-Geschichte, gibt es zur Begrüßung gleich Rosen. Innen sind einzelne Abteilungen abgetrennt, teils sogar halbe oder nahezu ganze Etagen geschlossen. Wer aber genau weiß, was er sucht, kann sich die Ware in einen der geöffneten Verkaufsbereiche bringen lassen.

Ähnlich geht es bei „Eck - Mode am Markt“ zu. Die Grundrisspläne haben, wie wohl auch in den anderen Läden, dabei geholfen, die 800 Quadratmeter abstecken zu können, ohne mit dem Meterstab durchs ganze Haus rennen zu müssen. Außer Gesichtsschutz und Handdesinfektion werden am Eingang auch blinkende Smileys zum Anstecken verteilt.

Überall halten sich die Kunden von selbst an die Abstandsregeln. Das ist nicht schwer, denn die hohe Kundenfrequenz, die die Politik fürchtet, stellt sich nicht ein. Fast alle bleiben zuhause. Ohnehin fehlen aus Sicht der Käufer viele Anlässe, um einzukaufen: keine Feste, keine Urlaubsreisen, keine öffentlichen Freizeitangebote. Da braucht es auch nicht viel an neuer Kleidung, an Geschenken oder an passender Ausrüstung. Zudem fehle die Gastronomie, stellen die Händler fest. Wer den Einkaufsbummel nicht mit dem Café- oder Restaurant-Besuch verbinden kann, kommt nicht in die Stadt.

Nicht alle hatten schon geöffnet

Der vermeintlich größte Frequenzbringer hatte gestern in Kirchheim noch geschlossen: der Media-Markt. Im Internet ist aber deutschlandweit von maximal einem Kunden pro 20 Quadratmeter zu lesen, wenn wieder geöffnet wird. Das heißt bei 800 Quadratmetern: höchstens 40 Kunden gleichzeitig. Da könnte dann die Schlange vor dem Laden zur größten Gesundheitsgefahr werden.

Möbel König war ebenfalls noch nicht geöffnet. Hier beschränkt sich der Verkauf weiterhin auf Online-Bestellung und Selbstabholung. Vor dem Eingang erfahren potenzielle Kunden schriftlich, dass eine „(Teil-)Eröffnung“ vorbereitet wird - aber noch ohne Terminangabe. Hinter der Glastür steht ein mahnendes Relikt aus besseren Tagen: die Wochenkarte des Bistros. Sie ist ein Zeitmesser für die Dauer der Corona-Sperre. Zu lesen sind dort die Tagesangebote vom 16. bis 21. März.

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