Kirchheim

Kunst kommt nach Hause

Kultur Die Corona-Pandemie zwingt den Kirchheimer Kunstbeirat zum Umdenken: Christopher Fricks Ausstellung gibt es ab Sonntag unter anderem per „Home Service“.

Ein Glasnegativ aus dem Archiv von Christoph Frick. Foto: pr
Ein Glasnegativ aus dem Archiv von Christoph Frick. Foto: pr

Aus der Not eine Tugend machen: Dies ist derzeit das Credo des Kunstbeirats, der für das Ausstellungsprogramm der Städtischen Galerie im Kirchheimer Kornhaus verantwortlich ist. Hintergrund: Aufgrund der aktuellen Schließung und dem anstehenden Umbau des Kornhausgebäudes wird das nächste Ausstellungsprojekt ab kommenden Sonntag, 24. Mai, sowohl in die Privatsphäre Kunstinteressierter als auch in die Weiten des Internets getragen.

Der Mann im Mittelpunkt ist Christoph Frick. Er arbeitet bereits seit vielen Jahren künstlerisch am Thema der medialen Bildproduktion, deren Wahrnehmung, Konservierung und Archivierung. Ausgangspunkt hierfür sind immer wieder Konvolute von Fotoabzügen und Fotonegativen, die aus dem eigenen familiären Umfeld, von Flohmärkten oder Auktionen stammen. Der Stuttgarter Künstler, geboren 1959, erarbeitet daraus Projekte, die sich jenseits einer Kunstmarkt-üblichen Produktion zu sehr unterschiedlichen Präsentationen verdichten.

Die Einladung an Christoph Frick, ein Projekt für die Städtische Galerie im Kornhaus zu entwickeln, entstand vor allem durch die jüngsten Gegebenheiten: Es handelte sich um die letzte Ausstellungsmöglichkeit vor der Schließung des Kornhauses aufgrund des mehrjährigen, umfassenden Umbaus. Eben jene Umbruchssituation eines Gebäudes sollte reizvoll für einen ortsbezogenen Eingriff durch Christoph Frick sein. Während das Erdgeschoss bislang noch genutzt werden konnte, waren die Räumlichkeiten des Städtischen Museums in den oberen Stockwerken bereits seit geraumer Zeit nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich, das Ausstellungsmobiliar stand ungenutzt in den Räumen und im Lager.

Doch noch während den Planungen wurde aufgrund der Corona-Pandemie alles anders. Chris­toph Frick musste umschwenken: Nun hat er ein verändertes Projekt entwickelt, das sich in einer komprimierten Darstellung im Internet der Öffentlichkeit vorstellt oder gar per Post nach Hause kommt: die Präsentation seines vollständigen Archivs an Negativen unterschiedlichster Art und unterschiedlichsten Alters.

Die kurzfristig entwickelte Postsendung vereint plakatgroß einen Einblick in das Negativarchiv, einen Ausschnitt einer Serie von Schwarz-Weiß-Abzügen, deren Negative manuell vom Künstler vor der Entwicklung bearbeitet wurden. Außerdem gibt es eine kurze Reflexion von Christoph Frick über die Intention seiner Arbeit. Ende des Projekts ist am 5. Juli. pm

Über die Homepage der Städtischen Galerie gelangen Interessierte zu weiteren Abbildungen und Informationen - und auch zur ursprünglichen Ausstellungskonzeption www.staedtische-galerie-kirchheim-teck.de

Das Projekt der Städtischen Galerie im Kornhaus soll zeigen, dass die Kunst-Präsentation durch die umbaubedingte Schließung des Kornhauses nicht unterbrochen, sondern durch den Kunstbeirat auch in den nächsten Jahren fortgeführt wird.

Künstler sollen demnach auf unterschiedlichste Art den öffentlichen Raum, Ladenlokale in der Innenstadt und die durch eine künstlerische Arbeit im vergangenen Jahr speziell geschaffene Ausgleichsfläche im Bürgerpark bespielen - so lange, bis die Ausstellungstätigkeit in einem neu gestalteten Erdgeschoss des Kornhauses fortgeführt werden kann. pm

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