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Lieber eins als keins

Kleinstadtkinos sind vom Aussterben bedroht und doch entscheiden sich ihre Besitzer kurzerhand, heiß ersehnte Publikumsmagneten aus dem Programm zu streichen. Während die „Avengers“ in den USA am Startwochenende schon 188 Millionen Dollar in die Kassen spülten, rollt in den Protestkinos kein einziger Cent. Ob das am Ende nicht eher sie selbst statt Disney trifft, ist fraglich. Purer Leichtsinn? Eher blanke Not. 3D-Wahnsinn in den Kinopalästen und der Hang der Jugend zur Großstadt machen es den kleinen Filmtheatern wie in Kirchheim schwer. Der Boykott ist nicht nur sturer Protest, sondern auch ein Zeichen, dass es anders nicht mehr geht.

Dass eine kränkelnde Kinolandschaft dadurch nicht gerade an Charme gewinnt, ist kein Geheimnis. Ebenso wenig gewinnt das Stadtleben in Kirchheim, wenn die meisten Leute schnell in die S-Bahn steigen und nach Esslingen oder Stuttgart ins Kino düsen, weil sie den neusten Blockbuster sehen wollen. Trotzdem darf man eines nicht vergessen: Würden die Kinos die Preiserhöhung von Disney einfach so hinnehmen, könnten andere Filmverleihe sorglos nachziehen. Und dann wäre es wirklich bald zappenduster in den Kassen der Kleinstadtkinos. Und jetzt mal ehrlich: Wir haben doch alle lieber ein Kino ohne Disney, als gar kein Kino mehr. MONA BEYER


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