Kirchheim

Mehr Bio an Kitas und Schulen

Ernährung Immer öfter sorgen Städte dafür, dass das Essen aus Bio-Anbau stammt. Von Bianca Lütz-Holoch

Die Nachfrage nach Bioprodukten boomt. Aber während zu Hause und in Restaurants immer mehr ökologisch erzeugte Lebensmittel auf den Tisch kommen, wird in Kindertagesstätten und Schulen oft noch konventionelles Essen serviert - in Aluschalen geliefert und über Stunden warm gehalten. „Das ist nicht gut“, sagt eine Kirchheimer Erzieherin. Denn schließlich, so gibt sie zu bedenken, verbringen heute viele Kinder den ganzen Tag in der Kita oder der Schule. „Sie bekommen hier ihre Hauptmahlzeit - manche an fünf Tagen in der Woche. Da haben wir doch eine Verantwortung, ihnen gesundes Essen anzubieten.“

Zwei, die sich für Bio einsetzen: Der Agrarbiologe Andreas Greiner und Ursula Straubinger von der Stadt Reutlingen.Foto: Jean-Lu
Zwei, die sich für Bio einsetzen: Der Agrarbiologe Andreas Greiner und Ursula Straubinger von der Stadt Reutlingen.Foto: Jean-Luc Jacques

Das sieht auch Andreas Greiner so. Er ist Geschäftsführer der Agentur Ökokonsult in Stuttgart und seit 2004 Ansprechpartner in Baden-Württemberg für das Programm „Bio kann jeder“, das die Bundesanstalt für Ernährung und Landwirtschaft initiiert hat. Er bietet Workshops im ganzen Land an - zuletzt in Weilheim bei der Biobäckerei Scholderbeck. „Wir geben Infos, wie Schulen und Kitas Bioprodukte in ihre Speisepläne integrieren können“, sagt er. Zwar könne jede einzelne Einrichtung etwas tun, um für gesunde Ernährung zu sorgen, etwa über das EU-Schulfruchtprogramm. „Am besten ist es aber, wenn die Kommunen Bioprodukte in der Außer-Haus-Verpflegung verankern.“

Ob die Stadt Kirchheim diesen Weg beschreitet, ist offen. Fest steht jedoch, dass sich in der Teckstadt beim Mittagessen an Kitas und Schulen etwas tut. „Das Catering wird dieses Jahr neu ausgeschrieben“, informiert Johannes Ehni, Leiter des Sachgebiets Schulen und Sport in Kirchheim. Aktuell läuft eine Befragung von Eltern, Kindern, Kita- und Schulleitungen. Auf Basis der Ergebnisse wird eine Ausschreibung erstellt. „Dabei begleitet uns ein Fachunternehmen“, sagt Ehni und legt dar: „Unser Ziel ist es, Qualität zu einem verträglichen Preis zu bekommen.“

Städte, die sich Bio-Ernährung auf die Fahnen schreiben, gibt es immer mehr. München, Stuttgart, Freiburg und Karlsruhe etwa haben festgelegt, dass ein gewisser Prozentsatz ihres Kita-Essens aus Bio-Produkten bestehen muss. „Es gibt die Möglichkeit, einen Bio-Anteil in die Ausschreibung aufzunehmen“, sagt Andreas Greiner.

Einen Weg kann aus seiner Sicht jede Stadt finden - wenn sie nur möchte. „Natürlich stellt man nicht von jetzt auf nachher auf 100 Prozent Bio um“, betont Greiner. „Vielmehr sollte man sich überschaubare Schritte vornehmen.“ Auch gehe es nicht nur darum, schnell einen möglichst günstigen Bio-Lieferanten zu finden. „Was man braucht, ist eine Strategie“, sagt der Agrarbiologe und Ökopädagoge. Zum Beispiel können in einem ersten Schritt Teigwaren oder Obst und Gemüse aus Bio-Anbau bezogen werden, vorzugsweise von regionalen Anbietern. Vor allem aber müsse die Speiseplanung umgestellt werden: „Weniger Fleisch, mehr Frische und eine bessere Mengenkalkulation - dann ist Bio-Essen finanzierbar.“

Eine Vorreiterin ist die Stadt Reutlingen. In ihren 58 Kindertageseinrichtungen sind Frühstück und Imbiss zu 100 Prozent Bio, das Mittagessen zu 40 Prozent. Begonnen hat dort alles im Jahr 2000. „Als erstes haben wir unsere Milchprodukte umgestellt“, berichtet Ursula Straubinger, Hauswirtschaftliche Betriebsleiterin der Reutlinger Kindertagesstätten, beim Workshop in Weilheim. „Danach haben wir angefangen, Obst und Gemüse aus der Region in Bio-Qualität zu bestellen.“ Weiter ging es mit Fleisch und Wurst, dann mit Backwaren.

Mittlerweile verfügt die Stadt über ein tragfähiges Netzwerk aus Lieferanten, einer straffen Kalkulation und einem ausgeklügelten Lieferplan. „Bei unserem Mittagessen-Caterer haben wir den Bio-Anteil und unseren Wunsch nach Flexibilität gleich in die Ausschreibung eingearbeitet“, so Straubinger. „Das hat mich zwar viel Zeit und Nerven gekostet - aber jetzt ist alles so, wie ich es mir vorgestellt habe.“ Auch die Kosten sind überschaubar: „Beim Mittagessen haben wir 2,10 Euro Lebensmitteleinsatz, beim Frühstück 85 Cent.“

Was die Akzeptanz bei den Kindern angeht, so gibt es Unterschiede. „Die Kinder, die von klein an Bio essen, haben gar keine Probleme“, weiß Straubinger. Andere, die an Fertigmenüs mit Zusatzstoffen gewöhnt sind, rümpfen angesichts der natürlichen, frischen Kost schon mal die Nase. „Für sie ist es oft schwierig, zum Urgeschmack zurückzufinden.“

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