Kirchheim

Mehr Mobilität für Menschen in Nabern

Shuttle Das gemeinnützige BürgerNetz Nabern testet derzeit einen Shuttle-Bus-Service zum Kirchheimer Marktplatz. Der Teckbote ist mitgefahren. Von Thomas Zapp

Ein Treffpunkt wie aus dem Bilderbuch: Am Brunnen vor dem „Gasthof Rössl“ in Nabern plätschert das Wasser gemächlich vor sich hin. Eine Bank lädt zum Hinsetzen und Verweilen ein. Schön ist es hier, aber auch etwas abgelegen vom Leben in der Großen Kreisstadt Kirchheim. Die Haltestellen der öffentlichen Verkehrsmittel liegen gerade für Ältere zu weit entfernt. Grund genug also, über die Einführung für einen flotten Shuttlebus von Nabern nach Kirchheim nachzudenken. Genau dieser befindet sich noch bis zum 11. Oktober im Testbetrieb.

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Ein erster Rundumblick im Ortskern zeigt: Offiziell ausgezeichnete Haltestellen gibt es nicht. Man muss sich vorher bei der Gemeinde oder Organisator Günter Gölz vom BürgerNetz Nabern anmelden, um auch sicher einen Platz zu ergattern. Ob das für diesen Tag überhaupt notwendig war? Außer dem Fotografen ist fünf Minuten vor der vereinbarten Ankunftszeit niemand zu sehen. Kann die Fahrt auch ausfallen?

Die Sorge erweist sich als unbegründet. Eine Minute später biegt ein roter Ford Transit auf die Gartenstraße ein, die ersten beiden Sitzreihen sind bereits voll besetzt. „Am Friedhof warten noch weitere Fahrgäste“, sagt Günter Gölz, zweiter Vorsitzender des „BürgerNetz Nabern“ und für die Umsetzung des Projekts „Shuttlebus“ federführend. Insgesamt acht Fahrgäste können in dem Bus pro Tour die elf Kilometer nach Kirchheim zurücklegen. Heute ist Markttag im Zentrum der Teck-Stadt, da ist das Shuttle voll.

Die Fahrgäste entsprechen zum Großteil der Zielgruppe: Menschen, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr so mobil sind, zu einer Haltestelle außerhalb des Ortskerns zu gehen und dort in ein öffentliches Verkehrsmittel zu steigen. Mit dabei sind an diesem Morgen auch Mitfahrer, die das Angebot für ihre Eltern testen. Was sie denen schon mal berichten können: Beim Einsteigen gibt es keine Probleme, denn der Fahrer hat eine Trittstufe dabei, um die Differenz zwischen Straße und Fahrzeug zu überbrücken.

Vorne sitzt Johanna Gluiber, 68 Jahre alt. Die pensionierte Gemeindeangestellte engagiert sich freiwillig und mit sichtbarer Begeisterung für die Senioren und Hilfsbedürftigen in der knapp unter 2000 Einwohner zählenden Gemeinde. Das Angebot des Shuttlebusses werde bislang überwiegend gut angenommen, meint sie. „Nabern ist recht weit von Kirchheim entfernt, das ist immer eine kleine Weltreise.“ Genau genommen, handelt es sich um eine recht bequeme und kurzweilige Reise: Gut beheizt und gemächlich geht es vorbei an Feldern Richtung Kirchheim. Im Fond hört man gedämpfte Unterhaltung, es weht ein Hauch von Familienausflug im roten Ford Transit.

Dass bei der ersten Tour des Tages der Bus fast leer war, hat andere Gründe, meint Johanna Gluiber. „Acht Uhr ist etwas früh. Gerade ältere Leute brauchen morgens ja immer etwas länger bis sie fertig sind.“ Dafür ist die Zeit für den Besuch des Marktes und ein Mittagessen etwas knapp, wenn man den späten Bus nimmt und gegen 11.15 Uhr an der Marktstraße in Kirchheim eintrifft, denn um 12.45 Uhr geht es wieder zurück.

„Wir müssen den Bedarf erstmal prüfen“, sagt Günter Gölz. Er kennt Verbandsarbeit aus dem Effeff und weiß, wen er ansprechen muss. „Wenn die Testphase erfolgreich ist, können wir uns auch einen eigenen Bus leisten, einen E-Bus von Daimler, von dem wir nur die Betriebskosten tragen müssen“, sagt der ehemalige Daimler-Mitarbeiter. Am Nutzen des Shuttles hegt der Ur-Nabener keine Zweifel. „Von knapp 2000 Einwohnern sind 64 Personen über 70 Jahre alt“, sagt er. Ein Problem sei es aber, dass die Bewohner dieses Angebot überhaupt wahrnehmen. Selbst wenn man die Informationsblätter persönlich in die Briefkästen werfe, landen die manchmal trotzdem ungelesen im Müll. „Sie müssen viel mit den Leuten reden“, sagt er. Gölz hat aber genug Erfahrung in der Gemeindearbeit, um zu wissen was möglich ist. Daher fügt er hinzu: „Ich gehe davon aus, dass der Bus als dauerhafte Lösung kommt.“ Gut möglich also, dass der improvisierte Treffpunkt am Brunnen oder dem Friedhof bald zur festen Einrichtung wird. Vielleicht gibt es dann ja auch ein Haltestellenschild.

5 Anmelden kann man sich bei Günter Gölz unter der Nummer 0 70 21/8 64-8 44