Kirchheim

„Meine Stadt, mein Kino, meine Palme“

Reimund Fischer startet am heutigen Samstag seine traditionelle Begrünungsaktion für das Sommernachtskino

Die Sommernächte sind schon da, jetzt fehlt eigentlich nur noch das Kino. Und auch die Palmen fehlen – noch. Heute beginnt die Anmeldefrist.

Die Palmen und die Martinskirche gehören beim Kirchheimer Sommernachtskino so eng zusammen wie Lichteffekte und - hoffentlich -
Die Palmen und die Martinskirche gehören beim Kirchheimer Sommernachtskino so eng zusammen wie Lichteffekte und - hoffentlich - laue Abende.Foto-Montage: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Ein Sommernachtskino „unter Palmen“ wäre wohl weniger praktisch, wegen der Sichtbehinderung. Trotzdem lassen sich die 25 Filme jeweils „inmitten von Palmen“ genießen. Das exotische Grün soll dem Kirchheimer Martinskirchplatz wie immer einen Hauch von „Süden“ vermitteln, und unter „Süden“ lässt sich alles subsumieren, was irgendwie nach Sonne, Meer und ur­laubsbedingter Lockerheit klingt.

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Urlaub daheim, mitten in Kirchheim: Zumindest abends gibt es von 11. August bis 4. September das Angebot zur Flucht aus dem Alltag. Selbst das gedankliche Schweifen in die Ferne ist erlaubt – und wird von so manchem Film mit prächtigen Bildern unterstützt. Für einige der Kinobesucher gibt es sogar die besondere Verbindung von Ferne und Nähe: So sehr die „Palmen“ für exotisches Flair auf der „Piazza di San Martino“ sorgen sollen, so sehr erinnern sie den einen oder anderen ans heimische Wohnzimmer oder den heimischen Wintergarten, denn er schickt seine Pflanze für drei Wochen in Urlaub.

Schön frühzeitig hat Sommernachtskinobetreiber Reimund Fischer die Idee mit den „Palmen“ entwickelt und umgesetzt: Die wichtigste Absicht, die dahintersteckt, ist die „Identifikation der Kirchheimer Bürger“. Eigentlich sei diese Identifikation längst erreicht, meint er. Immer mehr Kirchheimer hört er jedes Jahr im August sagen: „Das ist unser Sommernachtskino.“ Trotzdem will er sich auf diesen Lorbeeren nicht ausruhen. Deshalb sollen auch dieses Jahr wieder 50 Kinogänger sagen können – in Anlehnung an einen alten Werbefilm: „Meine Stadt, mein Open-Air-Kino, meine Palme.“

Unter „Palme“ versteht Reimund Fischer wieder einmal den Oberbegriff für jede Art von Pflanze, die südliche Temperaturen bevorzugt: „Das können auch Oliven, Zitronenbäume, Feigen oder Oleander sein – solange es irgendwie mediterrane Gewächse sind. Je größer sie sind, umso schöner wird dadurch der Martinskirchplatz.“ Im besten Sinne „stattlich“ sollten sie sein und eine Mindesthöhe von zwei Metern aufweisen.

Im Gegenzug zur „Palmenüberlassung“ bekommen deren Eigentümer eine persönliche Dauerkarte. „Die Karte ist wirklich personengebunden und nicht dazu gedacht, dass man sie an Verwandte oder Nachbarn weitergibt“, sagt Reimund Fischer. Das war schon immer so mit den Dauerkarten. Aber dieses Jahr will der Kinomacher eine Neuerung einführen, des großen Andrangs und einer besseren Chancengleichheit wegen: Die Resonanz der letzten Jahre ist für Reimund Fischer Grund genug, künftig pro Familie nur noch eine „Palme“ anzunehmen. Wer traditionell schon immer zwei oder drei Pflanzen im Gegenzug für eine Dauerkarte abgegeben hat, dürfe das natürlich gerne auch weiterhin so halten. Aber grundsätzlich gilt ab 2016 – etwas präzisiert: nur eine pflanzenbedingte Dauerkarte pro Familie. Somit können Mitglieder aus 50 verschiedenen Familien von dieser Regelung profitieren.

Und noch etwas hat Reimund Fischer aus der Vergangenheit gelernt: Ganz Übereifrige hatten nämlich auch schon mal morgens um 6 Uhr bei ihm angerufen. Deswegen nimmt er Anmeldungen für Palmen jetzt erst ab 8 Uhr entgegen. Beginn ist am heutigen Samstag. Wer eine Pflanze anmelden möchte, verwende dazu die Mobilnummer 01 60 / 97 21 60 56. Wer es allerdings schon vor 8 Uhr versuchen sollte, dem droht Reimund Fischer augenzwinkernd die Verbannung von der „Palmenliste“ für alle Zeiten an. Wer allerdings auf die Liste kommt, könnte dieses Jahr auch schon Mitglied einer neuen Whats-App-Palmengruppe werden, die der Kinobetreiber starten möchte.

Wie geht es nach der Anmeldung weiter? Die ersten 50 Anrufer kommen auf die Liste. Und wer „gelistet“ ist, kann seine Palme am Mittwoch, 10. August, ab 14 Uhr anliefern. Allerdings entscheidet sich erst vor Ort, ob die Pflanze auch den strengen Kriterien Reimund Fischers standhält. Tags darauf haben die Palmen zur Premiere „volles Haus“: Die Tickets für den Ehrenamtsabend zum Auftakt sind längst vergriffen.