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Misstöne bei der Debatte

Politik Lebhaft diskutierte der Dettinger Gemeinderat über das große Gewerbegebiet Hungerberg – und dessen Für und Wider.

Dettingen. Es wurde ein langer Sitzungsabend des Dettinger Gemeinderats. Am Ende, nach rund zweieinhalbstündiger Debatte, brachte es Andreas Hummel auf den Punkt: „Jeder ist festgelegt und hat zu dem großen Gewerbegebiet seine eigene Meinung. Aber der Hungerberg wird uns nicht spalten. Wir sind anders als die USA.“ Davor gab es von seiner Seite klare Worte in Richtung Bürgermeister Rainer Haußmann. „Es kam in Ihrer Rede der Eindruck auf, dass manche Gemeinderäte nicht demokratisch wären. Dem widerspreche ich entschieden. Jeder von uns will die Weichen richtig stellen. Alle wollen blühende Landschaften - die einen in tatsächlicher Form, die anderen in übertragenem Sinn. Das ist lobenswert und muss honoriert werden“, erklärte Andreas Hummel. Er selbst sprach sich für die Realisierung des Gewerbegebiets aus. „Auch wenn es ein Riesending da oben ist. Ein kleineres Los wäre mir auch lieber“, sagte er.

Rainer Haußmann wies seinerseits den Vorwurf weit von sich, einigen Gemeinderäten antidemokratisches Verhalten zu unterstellen, konnte aber nicht alle überzeugen. Lange und ausführlich war sein Statement zur Fortschreibung des Flächennutzungsplans im Allgemeinen und zum Hungerberg im Besonderen. Er und Hauptamtsleiterin Amelie Betz stellten die Entwicklung Dettingens in den vergangenen Jahrzehnten dar und verwiesen darauf, mit wie wenig Flächenverbrauch Dettingen seine Einwohnerzahl gesteigert hat.

„Misstrauen gegen Verwaltung“

Dazwischen aber flammte beim Schultes immer wieder Unverständnis auf, weshalb nicht alle Gemeinderäte dem Vorschlag der Verwaltung folgen wollen. Er sprach gar von einem grundsätzlichen Misstrauen, das wohl einige Gemeindräte gegen die Verwaltung hegten. Und dann kam auch immer wieder der Hinweis, dass es nicht demokratisch wäre, wenn der Gemeinderat eine Bürgerbeteiligung verhindern würde.

Gerade die Reihenfolge des Genehmigungsverfahrens erschloss sich Petra Ernst nicht. Sie hätte es sinnvoller gefunden, zuerst die Grundstückseigentümer und Bürger zu befragen, ehe der Gemeinderat über dieses wichtige und emotionale Thema entscheidet.

Bei der kontroversen Diskussion war es nicht verwunderlich, dass es drei Anträge gab: den Hungerberg ganz rausnehmen, das Gebiet auf 15 Hektar reduzieren, den Hungerberg samt dem weiteren Gewerbegebiet Tagbrunnenäcker - ehemalige Gärtnerei Diez - aus dem Flächennutzungplan nehmen. Sie alle wurden mehrheitlich abgelehnt. So wurden mit denkbar knapper Mehrheit die Weichen für ein 42 Hektar großes Gewerbegebiet gestellt. Iris Häfner

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