Kirchheim

Mit „Aléré Bo“ auf der Erfolgsspur

Fawozan aus Kirchheim hat es mit eigenen Songs zu einem Vertrag bei Universal Music gebracht

Der Deutsch-Togoer Fawozan hat mit seinem Song „Alére Bo“ („Mädchen, geh ab“) einen Plattendeal mit Universal Music ergattert. D
Der Deutsch-Togoer Fawozan hat mit seinem Song „Alére Bo“ („Mädchen, geh ab“) einen Plattendeal mit Universal Music ergattert. Das Lied soll Frauen dazu ermutigen, selbstbewusster zu sein. Foto: Volker Haußmann

Kirchheim. „Aléré Bo Bo Bo Bo Bo“ schallt’s unbeschwert und fröhlich aus dem Kopfhörer, und spätestens dann, wenn man merkt, dass man

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den Refrain nicht mehr aus dem Kopf kriegt, ahnt man, dass der Song „Aléré Bo“ tatsächlich Hitqualität haben könnte. Das dachte man sich offenbar auch bei Universal Music, als deren Talentsucher auf Fawozan aufmerksam wurden. Die Profis des weltweit agierenden Musikkonzerns nahmen sich des jungen Talents an. Am 17. Juni wurde „Aléré Bo“ als ­Single veröffentlicht. Ein aktuelles Lyric-Video zu dem Song ist online.

Ein Plattenvertrag bei Universal Music ist etwas, das viele Musiker gerne hätten, aber die meisten niemals bekommen werden. Ein Ritterschlag für Künstler, wenn man so will. Die Rolling Stones sind dort unter Vertrag, Justin Bieber und Helene Fischer, um nur ein paar zu nennen. Für Fawozan ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen. Der 24-Jährige hofft nun natürlich, dass seine Songs, die er selber komponiert und textet, zu einer Erfolgsstory werden.

Im Jahr 2002 kam Fawozane Ouro-Djobo im Alter von zehn Jahren zusammen mit seiner Zwillingsschwester und seiner Mutter von Togo nach Wolfschlugen, wo sein aus Afrika aus politischen Gründen geflüchteter Vater lebte. In Nürtingen lernte er an der Ersbergschule Deutsch in einer Vorbereitungsklasse. Später besuchte er die Hauptschule und die Neckarrealschule. An der Albert-Schäffle-Schule legte er das kaufmännische Fachabitur ab. Eine Schauspielausbildung hat er nach einem Jahr abgebrochen. Jetzt wohnt er in Kirchheim. Die Schauspielerei war seine Sache nicht.

Umso mehr ist es die Musik. Seine Lehrmeister waren die Musiker, deren Videoclips er auf Youtube hörte. Durch intensives Hinhören hat Fawozan – wie er sich als Künstler nennt – seine Kenntnisse in Harmonielehre ständig erweitert. Noten lesen kann er nicht. „Die Musik muss von einem selbst kommen. Man muss beim Schreiben das Gefühl haben, dass es gut ist. Dann muss ich nicht wissen, ob es von den Noten her richtig ist“, sagt Fawozan. Er spielt Keyboards, Gitarre und Percussion, versteht sich aber nicht als Musiker, sondern als Songschreiber – und als Sänger. Seine samtene Stimme gefällt, sein ungekünstelter Gesangsstil ebenfalls.

Musik macht er schon einige Jahre, hat einige Zeit lang auf Deutsch gerappt und ist hin und wieder aufgetreten – zum Beispiel im Wendlinger Jugendhaus. 2014 hatte er die Idee zu „Aléré Bo“. Zusammen mit einem Freund hat er den Song im Wohnzimmer produziert. Das Video dazu entstand am Breitenstein und wurde bei Youtube eingestellt.

Im Sommer 2015 kam Universal Music auf Fawozan zu. Man könne sich einen Remix des Songs vorstellen, ob er ihnen die Tonspuren mal zuschicken könnte. „Ich dachte, da erlaubt sich jemand einen Spaß“, sagt Fawozan schmunzelnd. Im Tonstudio in München wurde „Aléré Bo“ neu aufgenommen, mit Bläsern und Bongos angereichert. Der Song, so schreibt Universal Music, „kommt mit lebensbejahenden Afro-Beats daher“, enthalte „Einflüsse aus Hip-Hop, R & B und Melodic House“. Ein melodiöser Ohrwurm, der auch bestens zu den Liveübertragungen der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika gepasst hätte: heiter, flockig-leicht, die perfekte Untermalung für Gute-Laune-Erlebnisse und schöne Bilder.

Eine Botschaft enthält der in englischer Sprache gehaltene Text ebenfalls. Die Refrainzeile „Aléré Bo“ allerdings entstammt der Sprache Kotokoli, die in Togo gesprochen wird und so viel wie „Mädchen, geh ab!“ bedeutet. Damit will Fawozan, dem Sexismus ein Gräuel ist, Frauen dazu ermutigen, selbstbewusster zu sein und sich im Leben etwas zuzutrauen. „Macht das einfach!“, wolle er ihnen mit dem Song zurufen. „Texte mit Message sind mir wichtig“, sagt Fawozan. Das ist auch bei seiner zweiten Single, die er derzeit in Berlin aufnimmt, der Fall. „Rather be alone“ heißt der Song, eine eingängige Ballade.

Fawozan hat zwei Staatsbürgerschaften, die togoische und die deutsche. „Ich bin eingedeutscht und fühle mich nicht fremd“, sagt er. Trotzdem werde er wegen seines Aussehens meist auf Englisch angesprochen – worauf er auf Deutsch antworte. Außerdem könne es vorkommen, dass er in Kirchheim aus einer Kneipe gewiesen werde. Als er noch jünger war, habe er viel kämpfen müssen, sagt er. Heute komme es aufs Umfeld an. Bei älteren oder ängstlichen Leuten spüre er schon Vorbehalte. „Da stehe ich aber drüber“, sagt er und grinst. „Es tut mir leid für die Leute, weil sie ängstlich sind.“

Derzeit sucht Fawozan Musiker für eine Liveband, mit der er auf Tour gehen kann. „Musik ist mein Leben. Es gibt keinen Weg zurück“, sagt er. Die Aussichten dafür könnten derzeit tatsächlich nicht besser sein. „Ich kann’s immer noch nicht glauben, aus dem Nichts diesen Vertrag mit Universal Music bekommen zu haben – als völlig Unbekannter.“ Am Bekanntheitsgrad des sympathischen Sängers wird sich in nächster Zeit sicher einiges ändern.