Kirchheim

Mit klarem Blick zum Wunschjob

Weiterbildung Georgios Mertzanis kam vor fünf Jahren aus Griechenland nach Deutschland. Heute ist er ausgebildete Fachkraft für Lagerlogistik und arbeitet bei der Spedition Diez in Dettingen. Von Iris Häfner

Georgios Mertzanis an seinem Arbeitsplatz. Foto: Jean-Luc Jacques
Georgios Mertzanis an seinem Arbeitsplatz. Foto: Jean-Luc Jacques

Es gibt sie, die Erfolgsgeschichten. In dem Fall hat sie einen konkreten Namen: Georgios Mertzanis. Der Grieche aus Thessaloniki kam 2014 ohne nennenswerte Deutschkenntnisse in Backnang an - und seit Juli ist er bei der Spedition Diez in Dettingen fest angestellt. Der 33-Jährige hat seine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik bei der Dekra Akademie in Stuttgart erfolgreich abgeschlossen. Entscheidenden Anteil an dieser Qualifizierung hat Cornelius Hahn, Inte- grationsberater bei der Arbeitsagentur Göppingen. „Wir wollen Menschen ermutigen, in berufliche Bildung, am besten Umschulung oder Ausbildung, zu investieren. Dafür haben wir als Arbeitsagentur Förderprogramme aufgesetzt, an einem davon hat Georgios Mertzanis teilgenommen“, erklärt er. Das kann Dario Mercadante, Technischer Bereichsleiter bei Diez und Vorgesetzter des neuen Mitarbeiters, nur bestätigen: „Wer ein Ausbildung als Basis und gute Qualitfikation hat, hat deutliche Vorteile bei der Bewerbung.“

„Ich bin dankbar, in Deutschland die Möglichkeit bekommen zu haben, diese Ausbildung machen zu können“, sagt Georgios Mertzanis. Aus ökonomischen Gründen hat er seine Heimat verlassen. „Ich wollte einen Neuanfang, und Freunde in Backnang haben mir angeboten, zu ihnen zu kommen“, erzählt er. Drei Monate hat er dort gelebt, nach einem Monat in Stuttgart gleich eine Arbeit gefunden. Gleichzeitig hat er sich zu einem Integrationssprachkurs angemeldet. Direkt nach der Arbeit ging‘s dorthin. „Das Erste, was man machen sollte: Die Sprache lernen. Dann findet man Arbeit und Freunde, kann mit Menschen in Kontakt kommen. Das Leben ist dann einfach einfacher“, sagt der 33-Jährige.

Durch eine Leihfirma bekam er einen Job im Lager. Die Arbeit gefiel ihm - und er kündigte. „Ich wollte unbedingt eine Ausbildung machen, ich war motiviert zu lernen“, erzählt Georgios Mertzanis. Genau das besprach er mit seinem Berater Cornelius Hahn und gemeinsam fanden sie die Lösung. Die Arbeitsagentur bezahlte ihm die Ausbildung, sodass er den Kopf frei hatte zu lernen. Über die Lehrmethode der Schule findet Georgios Mertzanis nur lobende Worte. „Das läuft alles über Computer. Man lernt selbst, das Programm führt einen. Es war immer einer Dozent dabei, wenn wir Fragen hatten“, sagt er. Auf dem Stundenplan standen sämtliche Prozesse, die im Lager passieren. Es begann mit viel Mathe, sprich Fachrechnen, später kamen Wirtschafts- und Sozialkunde hinzu. Viele Gesetze sind zu beachten, weshalb man Rechtsgrundlagen braucht. Der letzte Bereich war die Buchhaltung. „Es ist ein sehr vielseitiger und anspruchsvoller Beruf“, erklärt Dario Mercadante, der sehr mit seinem Mitarbeiter zufrieden ist. Auch den Stapler-Schein hat Georgios Mertzanis bei der Dekra gemacht.

Zur Ausbildung gehört auch ein mehrmonatiges Praktikum. Bereits im Oktober 2015 war er dank Bekannten nach Lenningen in eine WG umgezogen, wo er noch immer wohnt. Die Spedition Diez war eine von mehreren Adressen, die Georgios Mertzanis an seiner Schule genannt bekam und er machte einen Gesprächstermin aus. „Das hat auch für uns Vorteile: Man kann sich gegenseitig gut beschnuppern“, sagt Dario Mercadante. Schon das Bewerbungsgespräch verlief positiv. „Das hat von vornherein gepasst“, sind sich beide einig. Diez hat sein Lager vergrößert, weil ein Kunde neu hinzukam. Dies wurde gleich zum Einsatzgebiet des Praktikanten. Er hat zwischenzeitlich keinerlei Sprachprobleme, erweitert seinen Sprachschatz täglich, auch was Fachbegriffe anbelangt. „Sein“ Kunde ist ein Hersteller für Dachbegrünungen aus Nürtingen. Georgios Mertzanis bekommt die Lieferscheine, kommissioniert und fährt mit dem Stapler die Waren zum Lkw.

„Meine Entscheidung habe ich noch nie bereut, im Gegenteil: Meine Arbeit macht mir Spaß“, sagt Georgios Mertzanis. Er will Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind, Mut machen, eine Ausbildung beziehungsweise Umschulung durchzuziehen. „Mit einem Beruf ist es leichter, einen guten Job zu finden und an sein Ziel zu kommen“, ist seine Erfahrung.

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