Kirchheim

Mit leisen Liedern nach dem Glück suchen

Bastion In der Reihe „Locals in Concert“ lebt die Liedermachertradition in Kirchheim wieder auf.

Das Melodicon unterstützt durch besonderen Klang. Foto: B. Fischer

Kirchheim. Mit Raffael Steber und der Gruppe „Zwei von Tausend“ ließ der Club Bastion die Liedermachertradition in Kirchheim wieder aufleben. Unvergesslich bleibt bis heute der 20. Dezember 1969, an welchem mit Schobert und Black, Hannes Wader und Reinhard Mey vier der Größen der deutschen Liedermacherzunft an einem Abend gemeinsam in der Bastion auftraten.

Raffael Steber wagt sich jedoch alleine auf die Bühne der Bastion. Er singt von persönlichen Erlebnissen, von der Suche nach dem Glück, von den Momenten, in denen das Glück fern ist oder wie er das Glück oft im Kleinen findet. „Glück ist, wenn du Menschen um dich hast, die sich an dir erfreuen“, oder „das Glück kommt nicht von allein, du musst dein eigener Kompass sein“.

Seine Texte sind nachdenklich und trotzdem eingängig. Er zeichnet farbige und stimmige Bilder mit eingängigen Melodien und begleitet sich kunstvoll und abwechslungsreich auf den beiden abwechselnd gespielten Gitarren. Auf Nylonsaiten weich gezupft kommen die Lieder im Latin-Gewand daher, auf Stahlsaiten klingt der Sound flirrender und rhythmisch ausgeprägter, rockig und mehr nach Popsong. Und „zu faul, um noch eine weitere Strophe zu dichten“, sagt Raffael Steber, bereichert zwischendurch immer wieder ein Vers gepfiffen oder auf der Mundharmonika das Geschehen.

Mit die stärksten Lieder sind geprägt von surreal-märchenhaften Texten. Zum Beispiel im „Gute-Nacht-Lied“, in dem die Fischmutter die naiv-tiefgründigen Fragen der Fischkinder stets beantwortet: „Wenn die kleinen Fische schlafen gehen, kommt die Welt ins Reine“. Nicht weniger skurril und poetisch das Lied vom „Dieb unter der Dusche“, das von allnächtlichen Besuchen ungewöhnlicher Art berichtet.

Lieder, in welchen Zweifel, Unsicherheit und Ängste thematisiert werden, sind die Ausnahme. „So ein dummer Frühlingstag“ verarbeitet die schmerzvolle Erfahrung eines geplatzten Rendezvous auf poetisch-humorvolle Weise.

Über den Abend stellt sich das Gefühl einer ausgeprägt positiv-fürsorglichen Grundhaltung ein. Kein Wunder, denn der Singer/ Songwriter, der vor Kurzem von Nürtingen nach Ulm umgezogen ist, ist auch als Theologe seelsorgerisch tätig.

Den zweiten Teil des Abends bestreiten „Zwei von Tausend“ aus Ötlingen. Die „Zwei“ sind das Ehepaar Maike und André Frank, verstärkt durch Kirk Nemeth. Maike Frank verfügt über eine eindrucksvolle Stimme, rauchig und markant. Mit ruhigen, warmen Klängen am Melodion legt sie stimmige Melodien über die Gitarrenbegleitung ihres Ehemannes André. Das Melodion ist eine Art veredelte Melodica, ein drei Oktaven abdeckendes Tasteninstrument, das über einen Schlauch angeblasen wird. Kirk Nemeth unterstützt beide am minimalistischen Schlagzeugset und gibt den Songs klangliche Tiefe. Die Musik des Trios zeigt deutliche Einflüsse des französischen Chansons und der neueren deutschen Popmusik.

Auch dieses Trio spürt den großen Fragen des Lebens nach: Was ist wahres Glück, wie kann man es finden, was hat das alles mit Liebe zu tun, und warum sind wir eigentlich hier? „Richtung Glück unterwegs“ zu sein, ist jedoch nicht immer einfach, denn „keiner weiß so genau, wo das liegt“. Die Fallstricke der Zweisamkeit sind sensibel dargestellt, wenn Maike Frank singt „Ich bin das Gegenteil von einfach“, oder „Hast du mir noch was zu geben, nehme ich‘s nicht an“.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele interessante musikalische Talente sich im Kirchheimer Raum tummeln. Für die Veranstalter der Bastion ist dies ein Ansporn, die Reihe weiterzuführen. Bernhard Fischer

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