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Mit schlechtem Beispiel voran

Eins vorneweg: Natürlich leistet der Gemeinderat gute Arbeit, und das auf ehrenamtlicher Basis. Was jedes einzelne Ratsmitglied an Zeit und Arbeit investiert, ließe sich in Geld gar nicht beziffern, wenn es dafür eine „gerechte“ Entlohnung geben sollte. Vom Aufwand her, den die Kirchheimer Volksvertreter betreiben, könnte man locker eine 15-prozentige Erhöhung ihrer Sitzungsgelder rechtfertigen.

Aber: Sie nehmen bewusst und gewollt ein Ehrenamt wahr. Das ist nicht anders als bei vielen anderen Kirchheimern, die sich ehrenamtlich mit großem Eifer und viel Aufwand für ihren Verein engagieren. Und jedes einzelne dieser ehrenamtlichen Vereinsmitglieder wirkt eben auch weit über die Vereinsebene hinaus. Vereinsengagement ist bürgerschaftliches, ist gesellschaftliches Engagement und sicher nicht weniger wertvoll als Engagement im Gemeinderat.

Rat und Verwaltung der Stadt Kirchheim bemühen sich derzeit nach Kräften, die Bürger auf schwierigere Zeiten einzustellen – auf Zeiten, in denen viel an Verzicht zu leisten ist. Dieser Verzicht betrifft alle, je nach Interessenlage und Lebenssituation mal mehr, mal weniger. Aber ein Zusammenhalt, ein Identifikationsgefühl ergibt sich nur daraus, dass man sagt: Es trifft alle gleichermaßen, ohne Ansehen der Person.

Wenn nun aber jedes andere Ehrenamt bald schon mit 15 Prozent weniger an Zuschüssen und öffentlichen Geldern auskommen soll als bisher, dann wird sich jeder einzelne bürgerschaftlich Engagierte fragen, warum ausgerechnet der Gemeinderat seine eigenen Sitzungsgelder nicht gleichfalls um 15 Prozent kürzt.

Täte er es, würde der Gemeinderat mit gutem Beispiel vorangehen und könnte sagen: „Seht her, wir haben erkannt, dass wir wirklich überall sparen müssen, und reihen uns deshalb selbstverständlich ein unter diejenigen, die verzichten müssen.“ So aber geht der Gemeinderat leider mit schlechtem Beispiel voran und torpediert seine Bemühungen, Verständnis zu finden.ANDREAS VOLZ

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