Lokale Kultur

Mit Wunderkerzen dirigiert

Trotz Regen fand das Konzert der Berliner Zentralkapelle statt – Musiker zogen kurzerhand um

Das Konzert der Zentralkapelle konnte anfangs noch auf dem Marktplatz stattfinden.Foto: Heinz Böhler
Das Konzert der Zentralkapelle konnte anfangs noch auf dem Marktplatz stattfinden.Foto: Heinz Böhler

Kirchheim. Verhindern konnte der Regen den Auftritt nicht: Die Berliner Zentralkapelle unter der Leitung von Steffen Kepper schnappte am Mittwochabend, als es zu tröpfeln

begann, einfach die Instrumente und zog unter die Arkaden des Kirchheimer Rathauses, sodass das mit Spannung erwartete Gastspiel des wohl größten Blasorchesters in Berlin in der Heimatstadt seiner Posaunistin Rebecca Göhrt zur Freude von Besuchern und Passanten dennoch stattfinden konnte.

Berlin ist offenbar nicht nur Kulturstadt, in Berlin wird dem Phänomen „Kult“ gehuldigt wie nirgends sonst. Treibende Kraft sind junge Menschen und solche, die es bleiben wollen. Zwischen 20 und 40 Jahren dürfte sich das Altersspektrum der Mitglieder der „Zentralkapelle“ bewegen, die in ihrer Freizeit der Blasmusik huldigen. Nicht Punk, kein Metal- oder Stoner Rock berührt das Herz der rund 30 Musiker, die sich zu Beginn des Monats aufgemacht hatten, mit Pauken und Trompeten durch Deutschland zu reisen – schwerpunktmäßig in die Heimatorte der meist aus Süddeutschland stammenden Mitglieder. Und damit kommt Rebecca Göhrt ins Spiel, die nicht nur mit der Posaune, sondern auch an der Vereinsspitze eine gute Figur macht. Die junge Posaunistin hatte ihr musikalisches Handwerk in der Teckstadt gelernt und freute sich am Mittwoch sichtlich über das Wiedersehen mit Musikschulleiterin Stefanie Werner und ihrem Lehrer Johannes Stortz.

Nicht so erfreut war man aufseiten der Akteure und der Zuhörer über die Wetterkapriolen: Mitten in die Klänge des Pippi-Langstrumpf-Themas brach der Regen herein. Nicht gewaltig zwar, aber dennoch stark genug, um die Musiker um ihre Instrumente und Gerätschaften bangen zu lassen.

Kurzerhand wurde der Umzug vom Marktplatz unter die Arkaden des Rathauses beschlossen und das Programm dort mit einem schmissigen Udo-Jürgens-Medley fortgesetzt. Auch wenn die Musiker ihr Projekt durchaus ernst nehmen, so weist das „Unternehmen“ doch auch etliche Merkmale einer Spaßkapelle auf. Das ist auch an der Gestaltung des Schriftzuges auf den Band-T-Shirts zu erkennen, auf denen „Zentra(ä)lkapelle“ zu lesen ist.

Im Programm finden sich alle Richtungen – zwischen Slavko Avseniks „Trompetenecho“ und „Wake me up before you go-go“ von der Popgruppe „Wham!“ – in ebenso einfallsreiche wie spektakuläre Arrangements gewickelt. Die eigentliche Wirkung verfehlte Bandleader Steffen Kepper mit seinem Schlussgag, als er die Zentralkapelle (schon der Name eine Reminiszenz an das „Zentralkomitee“ gewisser Parteien?) mittels bunt brennender Wunderkerzen dirigierte, was in der Dunkelheit, die um 20 Uhr leider noch nicht hereingebrochen war, sicher eine erregende Wirkung gehabt hätte. Doch auch so durfte der im wirklichen Leben als Berufspilot tätige Kapellmeister sich eines aufrichtigen Beifalls für sich und seine Kollegen von der Berliner Zentralkapelle sicher sein.

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