Coronavirus
„Müssen für Corona nichts neu erfinden“

Vorsorge Die Rettungsdienste im Kreis Esslingen sehen sich gegenüber den Herausforderungen des Virus gerüstet.

Kreis. Die Rettungsdienste im Kreis sehen sich gut auf den Umgang mit dem Coronavirus vorbereitet. „Aktuell ist die Grippe noch unsere größte Herausforderung“, sagt DRK-Rettungsdienstleiter Michael Wucherer. Der Umgang mit Patienten, die an einer hoch infektiösen Krankheit leiden, sei für die Rettungsdienstmitarbeiter nichts Besonderes. „Da wir den Flughafen in unserem Landkreis haben, sind wir dafür sensibilisiert, dass solche Patienten auch bei uns aufschlagen können. Wir müssen für Corona also nicht alles neu erfinden.“

Wenn bei einer Einsatzfahrt der Verdacht auf eine Infektionskrankheit bestehe, schütze sich die Besatzung mit Infektionsschutzanzügen, der Patient bekomme eine Gesichtsmaske aufgesetzt, so Wucherer. Nach der Fahrt mit einem solchen Patienten werde das Einsatzfahrzeug gründlich desinfiziert. Eine solche ausgiebige Scheuer- und Wischdesinfektion dauere zwei Stunden.

Gesichtsmasken werden knapp

„Das Virus ist für uns alle neu“, sagt Marc Lippe, Geschäftsführer des Malteser Hilfsdienstes in Nürtingen. Er warnt indes vor Panikmache und davor, „Rettungsdienste zu überlasten durch Notfälle, die keine sind“. Er emp­fiehlt, sich an die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (www.rki.de) zu halten und sich bei einer Erkrankung primär an den Hausarzt zu wenden beziehungsweise in der Nacht an den ärztlichen Notfalldienst. Einen Verdachtsfall gelte es grundsätzlich zunächst ärztlich abzuklären - mit Hausarzt und/oder Gesundheitsamt. Der Rettungsdienst müsse nicht in jedem Fall bemüht werden. „Ich kann mir gut vorstellen, dass man viele Patienten zu Hause lassen kann“, so Lippe. Bei älteren Menschen oder wenn der Patient eine Vorerkrankung aufweise, sei eine Klinik­überweisung aber zwingend erforderlich, so Lippe.

Sorgen bereitet den Rettungsdiensten, dass Infektionsschutzanzüge, Gesichtsmasken und Desinfektionsmittel allmählich knapp werden. Das gesamte Material kommt in der Regel aus China und wird aktuell auch dort dringend benötigt. „Wir haben uns vorher gut eingedeckt“, sagt Lippe. „Wir merken aber schon, dass es knapp wird.“ Beim DRK das gleiche Bild. Zwar seien die Lager noch voll, man versuche aber, noch zusätzliches Material aufzutreiben, so Michael Wucherer. Das könne dann aber teuer werden. Wegen der Materialknappheit seien die Preise stark gestiegen.

Der Rettungsdienst im Kreis wird von DRK und Malteser Hilfsdienst gemeinsam wahrgenommen. Tagsüber sind - beide Diens­te zusammengerechnet - acht Notärzte, 16 Rettungswagen und bis zu 30 Krankenwagen im Einsatz.Volker Haussmann