Kirchheim
Musik aus der Seele

Kultursommer Im Marstallgarten treten mit „Flower Power“ zwei Musiker aus der Region auf. Ilona Nowak und Bernd Kiederer lassen die 60er-Jahre aufleben. Von Anke Kirsammer

Wenn Ilona Nowak und Bernd Kiederer am Freitag im Kirchheimer Marstallgarten Songs von Scott McKenzie, The Mamas and the Papas, von John Denver oder Joan Baez anstimmen, stehen zwei in der Kirchheimer Musikszene eher Unbekannte auf der Bühne. Dabei liegen die Wurzeln der Sängerin in Kirchheim. Sie hat einst am Ludwig-Uhland-Gymnasium das Abi gemacht. Bernd Kiederer wohnt seit zwei Jahren in Holzmaden. Anfang September hatte er mit Christina Lah beim Weinherbst vor dem „3K“ in Kirchheim mit „2 Voices“ seinen ersten Auftritt in der Teckstadt. Der Abend kam so gut an, dass Gastronom ­Michael Holz dem Gitarristen und Sänger ein Konzert im Rahmen des Kultursommers anbot. „Flower ­Power“, heißt die erst vor wenigen Monaten gegründete Band, die nun im Marstallgarten die 60er-ahre aufleben lassen will.

„Es ist für mich etwas ganz Besonderes, in Kirchheim aufzutreten“, sagt Ilona Nowak. Seit 20 Jahren betreibt sie mit Susanne Schempp - bekannt geworden mit dem Trio „Honey Pie“ - und einer weiteren Kollegin in der Schwabenmetropole Go Vocal, Deutschlands größte Schule für Popgesang. Ilona Nowak studierte Jazz- und Populargesang an der Amsterdamer Hochschule der Künste. „In Deutschland gab es in den 90ern noch nicht sehr viele Studienplätze für Popularmusik“, sagt die 51-Jährige. „Da waren die Holländer schon weiter.“ Als Sängerin der Midland Big Band arbeitete sie mit namhaften Künstlern wie Gloria Gaynor zusammen. Lange Jahre trat sie mit ihrem Ilona Nowak Jazztett auf. Heute spielt sie unter anderem mit Jazz ’n’ Stuff, der Band ihres Mannes Jochen Probst, der ebenfalls in Kirchheim aufgewachsen ist, in Clubs und bei privaten Feiern. Das galt zumindest bis ins Frühjahr hinein, bevor der Lockdown jegliche Auftritte vereitelte.

Vor zehn Jahren hatten sich Bernd Kiederer und Ilona Nowak in der Gesangsschule kennengelernt. Seitdem ist die Verbindung nicht abgebrochen. Längst hat der Musiker, der im Raum Heilbronn und Stuttgart mit einer Sieben-Mann-Band angefangen hatte, seinen kaufmännischen Beruf an den Nagel gehängt. Er tourt nicht nur mit Armin Stöckls Musikrevue „Die größten Hits aller Zeiten“ durch Deutschland, sondern singt auch auf Hochzeiten, Geburtstagen und Firmenfeiern und bietet am Albtrauf das Programm „Genusswandern mit Musik“ an. All das ging coronabedingt in den vergangenen Monaten nicht. „Ich habe im Frühjahr und Sommer hauptsächlich auf Beerdigungen gespielt“, erzählt Bernd Kiederer. Auch wenn ihm da von den Trauergästen viel Wertschätzung entgegengebracht wird: Endlich wieder loslegen zu können, freut den Vollblutmusiker unbändig. „Musik ist mein Leben und meine Leidenschaft“, sagt er von sich.

Die Idee zur Gründung von „Flower Power“ kam ihm vergangenes Jahr nach einem Auftritt in Karlsruhe zu 50 Jahren Woodstock. Ihr Pilotkonzert gab die Band im November auf der Kulturbühne im Waldhaus Heilbronn. „Da herrschte eine so gigantische Stimmung“, sagt Bernd Kiederer. Die Lieder zu spielen, mache einfach wahnsinnig Spaß, weil in ihnen so viel Lebensfreude stecke. „Das ist Musik, die kommt für mich aus der Seele.“ Ilona Nowak schätzt das Handgemachte an den Songs. „Die Musik ist nicht digital bearbeitet wie heute.“

Eigentlich wollte „Flower Power“ dieses Jahr ein Repertoire für eine Bühnenshow erarbeiten und sich etablieren. Diese Pläne hat die Corona-Pandemie durchkreuzt. Für den überraschenden Auftritt im Marstallgarten wurde mit dem Percussionisten Harald Mall vergangene Woche erstmals gemeinsam geprobt. Normalerweise würde Christina Lah neben Ilona Nowak als zweite Sängerin auf der Bühne stehen. „Dreistimmig wäre der Gesang noch voller“, sagt Bernd Kiederer. Auf der Wunschliste der Band steht außerdem ein exzellenter Keyboarder. „Das ist ein professionelles Projekt“, so formuliert der Holzmadener seinen Anspruch.

Ob „Love & Peace“- oder Protestsongs - mit „Sugar Sugar“, „Da Doo Ron Ron“, „In the summertime“ oder „If I Had A Hammer“ - im Kulturgarten soll es am Freitag bunt werden - sofern das Wetter mitspielt.

Das Konzert am Freitag, 25. September, im Marstallgarten beginnt um 19 Uhr. Karten gibt es an der Abendkasse. Bei schlechtem Wetter fällt es aus.