Kirchheim

Musikfans haben die Qual der Wahl

Kult-Veranstaltung Am morgigen Samstag geht in der Kirchheimer Innenstadt die 22. Kirchheimer Musiknacht über die Bühnen. Bei gutem Wetter werden wieder mehr als 10 000 Besucher erwartet. Von Günter Kahlert

Gitarren-Ass Calo Rapallo wird morgen Abend sogar auf mehreren Bühnen zu sehen sein.Archiv-Foto: Markus Brändli
Gitarren-Ass Calo Rapallo wird morgen Abend sogar auf mehreren Bühnen zu sehen sein.Archiv-Foto: Markus Brändli

Allein die Zahlen sind schon beeindruckend: 65 Bands und DJs, 41 Locations - die 22. Ausgabe der Kirchheimer Musiknacht am morgigen Samstag macht es den Fans der Live-Musik nicht unbedingt einfach mit der Auswahl. Wenn das Wetter mitmacht - und so sieht es aktuell aus - werden wieder mehr als 10 000 Besucher in die Kirchheimer Innenstadt strömen und Spaß haben auf den Straßen und Plätzen, in den Kneipen, Biergärten und Cafés.

Aber die Kult-Veranstaltung auf reine Zahlen zu reduzieren ist zu wenig, das ganze Fest hat sich seit Jahren zu einem Aushängeschild für die Stadt entwickelt, weit über den regionalen Bereich hinaus. Auch für viele Musiker, die hier unbedingt mal gespielt haben wollen. „Wir bekommen Bewerbungen aus Berlin, aus Hamburg, aus der Schweiz“, erzählt Musiknacht-Macher Michael Holz. „Wenn die eine Zusage kriegen, dann bedanken die sich und freuen sich, in Kirchheim auftreten zu können“, schildert er die Reaktionen der Bands.

Michael Holz hat die Veranstaltung vor 22 Jahren ins Leben gerufen und seitdem immer ein feines Händchen für den richtigen Mix bewiesen. Es ist stets ein Spagat zwischen Tradition und Innovation, zwischen Bekanntem und neuen Sounds. „Es gibt einfach sehr, sehr viele Besucher, die das Altbewährte wollen und genau deshalb jedes Jahr kommen“, sind die Erfahrungen des Event-Profis. Da stehen dann natürlich Werner Dannemann (Café Mayer), Calo Rapallo (Marktplatz) oder James Bomb (obere Dettinger Straße) - um nur ein paar Beispiele zu nennen - auf der Bühne.

Ebenso sind logischerweise „Kobler & Friends“ (Metzgergasse) wieder dabei. Georg Kobler stellt jedes Jahr extra für die Musiknacht eine Band mit „special guests“ zusammen. Als Gast lässt sich dabei Sänger David Hanselmann aber nicht mehr bezeichnen, gehört der 67-Jährige inzwischen doch mehr oder weniger bereits zur „Stammbesetzung“. Neu ist dieses Jahr hingegen Schlagzeuger Tommie Fischer, der ansonsten bei „Spencer Davis Group“ und „Miller Anderson Band“ trommelt. Später wird, wie üblich, dann auch noch Calo Rappalo nach seinem Marktplatz-Auftritt dazu stoßen.

Insgesamt ist aber die Mischung am Samstag etwa „Fifty-fifty“, die Hälfte der Bands und Künstler sind entweder neu dabei oder waren schon lange nicht mehr in Kirchheim. Ob darunter womöglich ein neuer Geheimtipp dabei sein wird? Michael Holz lacht: „Das werden wir immer gefragt, aber Empfehlungen können und wollen wir gar nicht geben.“ Die Geschmäcker seien einfach zu unterschiedlich.

Entsprechend querbeet ist auch die Mischung: Rock, Pop, Blues, Folk, Soul, Funk oder Musik, für die es keine Schublade gibt - es ist wie ein riesiges musikalisches Büfett, an dem sich jeder sein persönliches Musiknacht-Menü zusammenstellen oder einfach auf Entdeckungsreise gehen kann. „Viele Leute machen sich schon vorher einen Plan, weil sie genau wissen, dass sie nicht alles sehen können“, schildert Michael Holz seine Erfahrungen aus Gesprächen mit den Besuchern. Klar, eine Vorabinformation ist hilfreich. Dafür gibt es den bekannten Flyer, mit Bands, Uhrzeiten und Übersichtsplan, der überall in der Stadt und im Umland ausliegt und die Internetseite der Musiknacht.

Um 12.30 Uhr geht‘s los

Zwei Locations werden wohl das letzte Mal dabei sein: Das Mehrgenerationenhaus Linde, das quasi abgerissen und neu aufgebaut wird, und das Stadtkino. „Mein Pachtvertrag läuft Ende des Jahres aus, es soll an der Stelle ein Wohn- und Geschäftshaus gebaut werden“, bedauert Michael Holz den Wegfall eines beliebten Kirchheimer Veranstaltungsortes.

Neu dabei ist dagegen der Platz vor der Bastion und wieder dabei der Widerholtplatz hinter dem Rathaus. „Electronic Floor“ nennt sich das Experiment mit Musik, wie sie in vielen Klubs läuft - allerdings nicht vom USB-Stick des DJs, sondern live gespielt. Musikalisch ein Novum für die Musiknacht.

Los geht‘s traditionell um 12.30 Uhr, sozusagen das Warm-up für die Musiknacht. Vor dem Rathaus eröffnen Michael Holz und Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker die Veranstaltung, die Musik danach kommt von den bekannten Kirchheimer Größen „Zwei! Zu Dritt!“. Parallel dazu spielen im Wachthausgarten Günther Scheuring und die „Rumblers“. Da wird dann auch Musiknacht-„Urgestein“ Andreas Kenner ganz sicher wieder seine eigene launige Begrüßung machen und ein paar Stücke mit seiner „Blues Harp“ zusammen mit den „Rumblers“ spielen.

Dieser erste Teil der Veranstaltung bis circa 14 Uhr ist kostenlos, das große Programm beginnt dann ab 18 Uhr. Das kostet einen unverändert moderaten Eintritt: 13 Euro im Vorverkauf, 15 Euro an den Abendkassen. Kinder bis 14 Jahre zahlen nichts.

Gegen 23.30 Uhr ist Schluss auf den Bühnen im Freien, drinnen geht es in vielen Lokalitäten mit „After Partys“ weiter. Allein acht Mal werden noch DJs im Einsatz sein, in der Bastion gibt es Live-Musik mit dem „Funkkartell“, die u.a. Soul-Classics der 60er- und 70er-Jahre auf der Setlist haben.

Informationen rund um die Musiknacht gibt es online auf www.musiknacht.tv

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