Kirchheim

Mutprobe Schulweg

Verkehr Für die Kinder aus der Bohnau gleicht der Weg durch die Pfaffenhalde in die Teck-Grundschule einem Risiko­parcours. Seit Jahren fordert der Elternbeirat einen sicheren Schulweg. Von Antje Dörr

Bloß nicht durch das Nadelöhr: Einige Schüler umgehen die Engstelle in der Pfaffenhalde und suchen sich ihren eigenen Schulweg.F
Bloß nicht durch das Nadelöhr: Einige Schüler umgehen die Engstelle in der Pfaffenhalde und suchen sich ihren eigenen Schulweg.Foto: Jean-Luc Jacques

Bevor der Morgen graut, müssen Schüler, die aus der Bohnau in die Teck-Grundschule laufen, eine gefährliche Mutprobe absolvieren: Den Weg durch die Pfaffenhalde. Nachdem sie die Ampel am Bohnauhaus überquert und den Fußweg Richtung Schule beschritten haben, sind die Kleinen ab Ende des Fußwegs Autofahrern und Paketzustellern schutzlos ausgeliefert. Denn auf diesem schmalen Stück Straße, das von der Stadt als offizieller Schulweg ausgewiesen ist, gibt es keinen Fußgängerweg. Lediglich ein Grünstreifen dient den Schülern als Ausweichmöglichkeit. Wenn der zugewachsen ist, können sie sich nicht einmal mehr dort in Sicherheit bringen.

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Das ärgert Mütter wie Olga Wagner. Als Elternbeiratsvorsitzende der Teck-Grundschule setzt sie sich dafür ein, dass die Stadt den Schülern, die zu Fuß unterwegs sind, und den älteren Schülern, die mit dem Rad fahren, eine sichere Alternative bietet. „Die Strecke durch die Pfaffenhalde ist als Schulweg völlig ungeeignet“, sagt sie.

Genau wie ihre Vorgängerinnen fordert sie, dass die Stadt auf den stillgelegten Bahngleisen, die aus der Bohnau vorbei am Schulgelände führen, einen provisorischen Geh- und Radweg einrichtet. „Uns ist bewusst, dass es Überlegungen zur Reaktivierung der Bahnstrecke gibt. Allerdings ist vollkommen offen, ob überhaupt, und wenn ja, wann diese kommt“, heißt es in einem Brief, den Olga Wagner und ihre Kollegin Deborah Stuppia an die Stadt und einige Fraktionen im Kirchheimer Gemeinderat geschrieben haben. Dass die Bahnstrecke nicht verändert werden darf, will Wagner ohnehin nicht gelten lassen: Für den Spielplatz im Bulkesweg, der vor drei Jahren entstanden ist, seien die Gleise schließlich auch entfernt worden. Olga Wagner und ihre Kollegin fordern eine schnelle Lösung des Problems. „Eine sich über viele Jahre hinziehende Hängepartie ist den Schülern der Teck-Grundschule nicht zuzumuten“, sagt sie. Neu ist dieser Zustand ohnehin nicht: Seit dreieinhalb Jahren gehen Kinder aus der Bohnau in die Teck-Grundschule. Mittlerweile ist die Umstellung abgeschlossen.

Die Stadt Kirchheim will sich nun um das Problem kümmern. „Der Gemeinderat hat uns vor Weihnachten die Mittel für den Fuß- und Radweg bewilligt“, sagt Bürgermeister Günter Riemer. Er soll auf der stillgelegten Bahnstrecke von der Dettinger Straße, Höhe Hirschgarten, bis zur Tannenbergstraße führen. Damit würde den Schülern künftig der Weg durch die Pfaffenhalde erspart. „Das ist für mich ein wichtiger Einstieg in eine sichere Radverbindung vom Lenninger Tal her. Wir müssen ja auch an die Dettinger Schüler denken, die künftig an den Campus Rauner wollen“, sagt Riemer. Sorge, dass die Bahn die Strecke nicht an die Stadt Kirchheim verkaufen oder verpachten könnte, hat Riemer nicht. „Die Bahn hat sich von den Plänen, die Strecke zu reaktivieren, verabschiedet“, sagt er.

Sollten sich Stadt und Bahn einig werden, muss der Fuß- und Radweg zunächst einmal geplant werden. Baubeginn ist deshalb frühestens 2020. Bis dahin müssen Eltern und Kinder mit dem gefährlichen Schulweg leben - und mit den Folgen. Denn zum allgemeinen Trend, Kinder immer seltener allein zur Schule laufen zu lassen, kommt bei der Teck-Grundschule der unsichere Weg offenbar erschwerend hinzu. Olga Wagner hat beobachtet, dass viele Eltern ihre Kinder am Kirchheimer Hochhaus aus dem Auto aussteigen lassen, sodass sie über den Spielplatz Bulkesweg zur Grundschule gehen können. Das führe am Hochhaus jeden Morgen zu viel Verkehr und gefährlichen Szenen. Genau dasselbe spiele sich vor der Grundschule ab, weil viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto dort ablieferten. Andere laufen mit ihren Kindern zur Schule oder begleiten sie mit dem Rad. „Vor allem die jüngeren Kinder kann man nicht ruhigen Gewissens allein zur Schule gehen lassen“, findet die Mutter eines Schülers.