Kirchheim

Nachbessern für die Bauern und die Natur

Volksbegehren Sowohl Landtagsabgeordnete als auch Naturschützer aus der Region setzen auf einen Kompromiss.

Eine naturverträgliche Landwirtschaft - so der Wunsch - soll weiterhin möglich sein. Foto: Jean-Luc Jacques
Eine naturverträgliche Landwirtschaft - so der Wunsch - soll weiterhin möglich sein. Foto: Jean-Luc Jacques

Kreis Esslingen. Dass es richtig ist, gegen das Artensterben vorzugehen, darin sind sie sich einig. Dennoch sehen Landtagsabgeordnete und sogar einzelne Naturschützer Nachbesserungsbedarf beim Artenschutz-Volksbegehren.

„Bei der Umsetzung des geplanten Pestizidverbots in Schutzgebieten sehe ich Probleme“, sagt der Kirchheimer Grünen-Landtagsabgeordnete Andreas Schwarz. Gerade im Kreis Esslingen gebe es viele Schutzgebiete. „Eine naturverträgliche Landwirtschaft muss dort auch weiterhin möglich sein.“ Ein Runder Tisch könnte aus seiner Sicht helfen, das Pestizidverbot praxistauglicher zu gestalten. Auch müssten die Maßnahmen für den Artenschutz noch viel weiter reichen als im Volksbegehren enthalten. Er nennt „Schottergärten“, Lichtverschmutzung, Flächenverbrauch und den noch immer fehlenden landesweiten Biotopverbund als Stichworte.

Das sieht auch Professor Dr. Martin Dieterich, Vorsitzender des BUND Kirchheim, so. Zwar hätten die Bauern in der Vergangenheit ihren Teil zum Rückgang der Artenvielfalt beigetragen. „Wir dürfen das Thema aber nicht allein auf dem Rücken der Landwirte austragen“, sagt er. „In die Pflicht genommen werden muss jeder Einzelne, aber insbesondere auch die Kommunen mit ihrer Baupolitik.“ Wichtig sei zudem, den Artenschutz in der Ausbildung der Landwirte stärker zu verankern.

„In dieser Form können wir das Volksbegehren nicht unterstützen“, sagt der Kirchheimer CDU-Landtagsabgeordnete Karl Zimmermann (CDU). Nachbesserungs-Bedarf gebe es in Sachen Streuobst, Pflanzenschutz und Ökolandbau. Es sei wichtig, dass die bäuerlichen Familienbetriebe in der Region fortbestünden. „Nur so kann die zunehmende Nachfrage nach hochwertigen heimischen Lebensmitteln bedient werden.“

Nicht ganz auf der Linie seiner Partei - die SPD unterstützt das Artenschutz-Volksbegehren - ist der Kirchheimer SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Kenner: „Der Teufel steckt im Detail“, weiß er: „Da müssen wir noch mal genau hinschauen.“ Er wünscht sich eine Lösung, die auch den Bauern gerecht wird und setzt darauf, dass am Ende ein Kompromissvorschlag siegt. Dass es das Volksbegehren gibt, findet er trotzdem gut: „Die Demokratie lebt von unterschiedlichen Meinungen und Diskussionen.“

Voll hinter dem Volksbegehren steht Dieter Ilg von der NABU-Ortsgruppe Jesingen. Er sieht darin „die einmalige Chance, etwas zu bewegen“. Statt großer Flächen könnten endlich Bauern vor Ort gefördert werden, die naturverträglich wirtschaften. „Am Ende werden beide gewinnen: Landwirte und Naturschützer“, ist er überzeugt. Bianca Lütz-Holoch

 

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