Kirchheim

Nachhaltigkeit ist Trumpf in der Teckstadt

Projekt Eine neue Stadtführung nimmt die Teilnehmer mit zu ausgesuchten Initiativen, die wie ein bunter Flickenteppich in der ganzen Innenstadt verteilt sind. Von Iris Häfner

Spannenden Projekten auf der Spur waren diese Teilnehmer der neuen Stadtführung. Fotos: Mirko Lehnen
Spannenden Projekten auf der Spur waren diese Teilnehmer der neuen Stadtführung. Fotos: Mirko Lehnen

Nachhaltigkeit - diesen Begriff prägte einst die Forstwirtschaft. Die Altvorderen hatten vor Jahrhunderten als Folge des übermäßigen Einschlags erkannt, dass Holz nicht unbegrenzt zur Verfügung steht und Zeit zum Wachsen braucht. Damit der Rohstoff nicht zur Neige geht, ist ein funktionierendes Waldsystem nötig - und damit eine maßvolle Holzernte und stete Neupflanzung.

Heute ist der Begriff in aller Munde. In Kirchheim hat sich die Agendagruppe „Bildungsinitiative Nachhaltigkeit“ gegründet. Mit dabei sind Martin Lude und Heinrich Brinker. Die beiden laden zum ersten Stadtrundgang ein, an dem mehrere Dutzend Menschen Interesse haben. Der Abend beginnt mit viel Information im Kleinen Sitzungssaal des Rathauses. Ines Christmann-Jacoby, bei der Stadt für nachhaltige Stadtentwicklung zuständig, gibt einen Überblick. „Nachhaltigkeit ist Chefsache. In Kirchheim haben wir einen aktiven Agendaprozess seit 1998 und 13 aktive Gruppen“, sagt sie stolz. Die Teckstadt ist seit 2014 „Fairtrade-Town“ - die erste im Raum Stuttgart - und es gibt außerschulische Projekte wie auf dem Bauernhof Gölz.

Nach ihren Ausführungen wechseln sich Martin Lude und Heinrich Brinker mit ihren kurzen, dafür aber inhaltsschweren Vorträgen ab. „Die Wissenschaftler sagen exakt voraus, was kommen wird und was zu tun ist. Es ist erschütternd, was wir wissen - und wie wenig passiert“, so Brinker. „Verkehr vermeiden“ ist seine oberste Devise und den ÖPNV fördern. „Ich bin autolos“, sagt der Stadtmobil-Nutzer.

Dem Thema Ernährung widmet sich Martin Lude. „Wer regional, saisonal und immer öfter Bio kauft, dazu keine Lebensmittel wegwirft, der kann nichts falsch machen“, erklärt er und spricht den Verein „Schmeck‘ die Teck“ an. Dem gehören 29 Betriebe an und deren Mitgliedern liegt die Erhaltung der Kulturlandschaft durch den Genuss der regionalen Produkte am Herzen.

Dann ist Schluss mit der reinen Theorie und es gibt sogar ein kleines Schmankerl: Wer will, kann noch kurz den Rathausturm erstürmen - vorbei an der Mechanik für die Mondphasenuhr -, um einen Überblick über die Stadt zu gewinnen. Unten wieder angelangt geht‘s schließlich los zum Stadtrundgang mit ausgewählten Zielen.

Am Ende des Rundgangs dürfen sich in der Schenkscheune weitere Initiativen vorstellen. Der Warentauschtag ist ein Dauerbrenner. Alles, was dort hingebracht wird, landet nicht auf dem Müll, sondern kommt wieder in den Kreislauf. „In der Regel bleibt am Ende des Tages kaum etwas übrig, das dann im Container entsorgt wird“, sagt Jürgen Stumpf. Der nächste Warentauschtag findet am Samstag, 29. September, von 10.30 bis 16 Uhr in der Stadthalle statt. Das Repair-Café stellt Klaus Fernow vor. Reparieren statt wegwerfen und neu kaufen ist hier die Devise, egal ob Haushalts- und Elektrogeräte, Kleidung oder anderes. „Es findet sich in der Regel immer jemand für das zu reparierende Stück“, ist Klaus Fernow stolz auf sein Team. Bei 60 bis 70 Prozent liegt die Erfolgsquote. Einmal im Monat, jeweils am letzten Samstag, findet es von 14 bis 17 Uhr in der Eichendorffstraße 73 statt - wegen der Sommerpause ausnahmsweise erst wieder am 29. September. Rund 25 Mitwirkende sind seit März 2015 aktiv dabei, dringend gesucht sind allerdings noch Fahrrad-Experten.

 

Info Die nächste Nachhaltigskeits-Stadtführung findet am Mittwoch, 10. Oktober, um 17.45 Uhr statt.

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