Kirchheim

Nasenflöte gegen Depressionen

Bühnenshow Drei Kerle drehen auf: Der griechisch-italienische Schweizer Pasquale Aleardi sorgt gemeinsam mit seinen Phonauten „Spike“ und „Mary“ im Kirchheimer Club Bastion für kurzweiligen Spaß. Von Bernhard Fischer

Entspannte Plaudereien zwischen ironisch nachdenklichen Songs - und das alles perfekt arrangiert, gesungen und gespielt von Pasquale Aleardi. Der gut aussehende, erfolgreiche Schauspieler steht auf der Bühne des Kirchheimer Clubs Bastion inmitten zweier eher unbekannter Musiker - doch das ist kein Star mit angeheuerten Begleitern, sondern eine Gruppe guter Kumpels, die sich mit kräftigem Augenzwinkern auf die Schippe nehmen. Wobei besonders Paco alias Pasquale Aleardi kräftig sein Fett abbekommt.

Jörg Hamers alias „Spike“ und Marc Leymann alias „die böse Mary“ sind ausgebuffte Profis, die gemeinsam mit Aleardi für gekonnt liebevolle Songs sorgen. Es erscheint so, als wenn sich drei Kerle aus einer ehemaligen Männer-Wohngemeinschaft nach Jahren wieder treffen und in Erinnerungen an alte Zeiten schwelgen. Da tauchen dann auch die angeschmachteten Jugendlieben im ländlichen Sauerland wieder auf, genauso wie ähnlich prägende Erlebnisse im schweizerischen Dietikon.

Klischeehafte Männer-WG

Die ersten Disco-Abende im Jugendzentrum werden in einer deutschen Version von „Why did you do it“ wieder lebendig. Die Disconummer aus dem Jahr 1975 erinnert an die vergeblichen Bemühungen um die damaligen Schönheiten in der Stadt. Der hinter der Bühne stehende Totenschädel aus den Anfangsjahren der Bastion verleitet Aleardi zu einem spontanen Hamlet-Monolog.

Zur Beat-Musik der 60er-Jahre im Stil von Status Quo schlüpft Aleardi in die Rolle des Schlagersängers und Frauenbeglückers Maurizio Marques. Dann wird es funky, als das Lied vom Fliegen folgt: „Ich hebe ab und weiß, dass ich fliegen kann, dass ich lieben kann.“ Und noch heißer wird es mit der Reminiszenz an den Großmeister der Funk-Musik James Brown mit dessen Superhit „Sex Machine“. Beeindruckend, wie Spike und Mary nur mit akustischer Gitarre, Bass und Basstrommel den Groove zaubern, und wie Aleardi mit seinem deutschen Text die Stimmung des Originals trifft. „Paco“ Aleardi wirbelt wie das Original über die Bühne und bringt das Publikum zum Mitsingen.

Aber auch die Männer-WG findet in einem swingenden Song ihr klischeehaftes Abbild: „Kalk auf den Fliesen, und der Schimmel wächst seit Tagen, gleich kommt ne Lady.“ Sprudelnde Absurdität, kurzweilig und launig in Musik umgesetzt. Die Texte der deutschen Songs sind witzig und nachdenklich zugleich. Immer wieder wird das Publikum in die Show miteinbezogen. Als Running Gag zieht sich die Nasenflöte durch den Abend, „eines der besten Mittel gegen Depression, die es gibt“. Sie wird von Aleardi als Melodieinstrument gespielt. Sogar eine Besucherin meistert zum Erstaunen aller das obskure Instrument erstaunlich schnell.

Sonst als Schauspieler bekannt

Die Phonauten Jörg „Spike” Hamers und Marc „Mary” Leymann sind erfahrene Musiker, Komponisten, Texter und Produzenten und erstklassige Unterhalter mit viel Sinn für schrägen Humor. Der griechisch-italienische Schweizer Pasquale Aleardi ist in den letzten Jahren als eindrucksvoller Hauptdarsteller in mehreren Filmen hervorgetreten. Beispielsweise als „Kommissar Dupin“ oder im aufwendigen Zweiteiler „Gotthard“. Filmfans in Erinnerung geblieben sind ebenso seine Nebenrollen in „Wo ist Fred?“ oder „Honig im Kopf“. Weniger bekannt waren bisher hingegen seine musikalischen Qualitäten.

Die Band „Pasquale Aleardi & Die Phonauten“ feierte am 3. Februar 2017 im Theater am Kurfürstendamm in Berlin ihren Einstand. Seither sind sie mit ihrer mitreißenden „Antidepressionsmusik“ unterwegs. Wer bedauert, den Abend nicht erlebt zu haben, kann das demnächst im Stuttgarter Theaterhaus nachholen.

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