Kirchheim

Neue Straßen haben es nicht immer leicht

Diskussion Am Namenspatron Philipp Jakob Manz war nichts auszusetzen – nur an der Version des Straßennamens.

Kirchheim. Der Kirchheimer „Henriettengarten“ liegt zwischen der Stuttgarter Straße und der Henriettenstraße. Der südliche Teil der Industriebrache auf dem einstigen Ficker-Areal wird derzeit als Wohnquartier erschlossen. Eine Ringstraße, die nur von der Henriettenstraße aus zu erreichen ist, führt durch das Gebiet. Und genau diese Straße sollte jetzt einen eigenen Namen erhalten.

Nördlich an den „Henriettengarten“ grenzend, steht das markante Fabrikgebäude der einstigen Otto Ficker AG. Erbaut hat es Philipp Jakob Manz (1861 bis 1936), der Ende des 19. Jahrhunderts sein erstes Architekturbüro in Kirchheim eröffnete. Er hat die Stadt nicht nur durch seine Industriearchitektur geprägt, sondern auch durch die vielen Villen, die sich Kirchheimer Bürger von ihm erstellen ließen. Zu sehen sind diese Gebäude vor allem noch in der Paradiesstraße und in der Kolbstraße, aber auch in der südlichen Dettinger Straße.

Was also liegt näher, als nach diesem Architekten - Philipp Jakob Manz - die Straße im neuen Quartier auf dem Ficker-Areal zu benennen? Somit würde der Name eines Menschen, der das Stadtbild wie kaum ein anderer mit- und umgestaltet hat, im öffentlichen Raum auftauchen, und sei es auch nur auf einem Straßenschild.

Manz pur - oder mit Vornamen?

Prinzipiell hatte im Gemeinderat, der für Straßennamen zuständig ist, niemand etwas gegen Manz einzuwenden. Oder doch? Gegen „Manz“ alleine schon. Begründung: Der Architekt ist nicht so berühmt wie andere Vertreter seines Fachs und schon gar nicht so berühmt wie Schiller oder Goethe. Folglich reiche der Nachname allein nicht aus. Es müsse statt einer „Manzstraße“ dann doch auf jeden Fall eine „Philipp-Jakob-Manz-Straße“ werden.

Gegenargument: Wer „Manz“ nicht kennt, wird auch mit „Philipp Jakob Manz“ nicht sehr viel mehr anfangen können. Und „Manzstraße“ lässt sich eben doch wesentlich einfacher sagen und schreiben als eine weitaus sperrigere „Philipp-Jakob-Manz-Straße“. Zur Erklärung des Straßennamens lasse sich ja im neuen Quartier an geeigneter Stelle eine Tafel anbringen.

Der Gemeinderat hat über diese wichtige Weichenstellung in der Geschichte der Stadt Kirchheim eine Viertelstunde lang diskutiert: unter anderem mit dem Argument, dass Lokalgrößen noch stets mit Vornamen auf Straßenschildern verewigt sind - im Gegensatz zu weltweit anerkannten großen Geistern. Da zählte auch kaum ein Gegenbeispiel wie die „Schöllkopfstraße“. Letztlich aber lehnte das Gremium den „Philipp Jakob“ mit einer Stimme Mehrheit ab. Die schlichte „Manzstraße“ hat sich durchgesetzt. Andreas Volz

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