Junge Zeitung

Pro und Kontra Graffiti und Gigaliner

Vier Schüler qualifizierten sich in der Teck-Realschule für das Landesfinale von „Jugend debattiert“

Mit guten Argumenten, starkem Ausdrucksvermögen und hoher Überzeugungskraft präsentierten sich die acht Finalisten beim Regionalwettbewerb von „Jugend debattiert“ in der Kirchheimer Teck-Realschule.

Lorenz Keefer, Clara Schwarz, Leon Grimm und Julian Hermle diskutierten im Regionalfinale von „Jugend debattiert“ über die Vor-
Lorenz Keefer, Clara Schwarz, Leon Grimm und Julian Hermle diskutierten im Regionalfinale von „Jugend debattiert“ über die Vor- und Nachteile von Freiflächen für Graffiti-Sprayer.Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Zum mittlerweile zehnten Mal fand das „Jugend debattiert“-Regionalfinale in der Teck-­Realschule statt, zu dem Schüler aus dem 13 Schulen umfassenden Regionalverbund nach Kirchheim gekommen waren. Da es sich bei allen Anwesenden um „Insider“ in Sachen Debattieren handelte, hielten sich Schulleiter Wolfgang Wörner und Koordinatorin Bärbel Kehl-Maurer nicht mit langen Reden über den Wettbewerb auf.

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Nachdem der Ablauf noch einmal erörtert worden war, beschäftigten sich die Debattanten der Sekundarstufe I mit der Frage, ob es in Städten und Gemeinden gekennzeichnete Freiflächen für Graffiti-Künstler geben sollte oder nicht. Lorenz Keefer vom Otto-Hahn-Gymnasium Ostfildern und Clara Schwarz vom Theodor-Heuss-Gymnasium Esslingen befürworteten die Idee und führten gute Argumente dafür an. „In London gibt es solche Freiflächen bereits, und dort haben sie sich bewährt“, erklärte Clara. Das Problem der illegalen Schmierereien an öffentlichen Gebäuden ließe sich mit dem Vorschlag zwar nicht völlig eliminieren, „es wäre aber ein wichtiger Beitrag zur Einschränkung der Illegalität“, fügte Lorenz hinzu.

Leon Grimm vom Nürtinger Hölderlin-Gymnasium und Julian Hermle von der Kirchheimer Freihof-Realschule zweifelten vor allem an der konkreten Umsetzbarkeit des Vorschlags und führten Umweltbedenken an. „Die Sprühdosen enthalten brennbare Treibgase und müssen besonders entsorgt werden, das kostet Geld“, gab Leon zu bedenken. Julian sah die Freiflächen kritisch und befürchtete, es könne zu physischen Auseinandersetzungen zwischen konkurrierenden Sprayern um die Freiflächen kommen.

Die älteren Debattanten der Sekundarstufe II diskutierten über die Zulassung von Gigalinern auf deutschen Straßen. Was zunächst wie ein wenig emotionales Thema wirkte, wurde von den Rednern erhitzt diskutiert. Kenan Güngör und Martina Gierlich vom Schlossgymnasium sprachen sich eindeutig für die Großraum-Lkw aus. Die erhöhte Ladekapazität dieser Fahrzeuge käme der deutschen Wirtschaft zugute, erklärte Kenan Güngör. Martina Gierlich verwies auf Finnland und Schweden, wo Gigaliner bereits seit den 70er-Jahren verkehren und wies die Bedenken der Gegenseite nach den Sicherheitsbedenken mit Blick auf moderne Fahrzeugeinrichtungen wie Spurhalte- und Bremsassistenten zurück: „Gigaliner sind nicht gefährlicher als andere Lkw“, betonte sie.

Die Gegenseite, vertreten durch Akim Yesil vom Schlossgymnasium und Lea Papadopoulos vom Hölderlin-Gymnasium Nürtingen hielt dagegen. „Die Infrastruktur müsste an die Großraum-Lkw angepasst werden“, kritisierte Yesil. Viele Brücken in Deutschland könnten von ihnen etwa gar nicht befahren werden, da sie nicht für diese höhere Belastung ausgelegt seien. Lea warf außerdem die Frage auf: „Wollen wir wirklich die wirtschaftlichen Interessen einer kleinen Anzahl Großunternehmer vor die Interessen der Allgemeinheit und der kleineren Betriebe stellen?“

Wolfgang Wörner zeigte sich sehr beeindruckt von der Streitbarkeit der jungen Redner. „Ich beobachte diese Veranstaltung seit zehn Jahren und habe selten so gute Diskussionen im Finale gesehen“, lobte der Schulleiter der Teck-Realschule. Und so fiel es den Juroren auch alles andere als leicht, die Reihenfolge der Sieger festzulegen. Alle Teilnehmer hatten sich gründlich vorbereitet und glänzten mit Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen und guten Argumenten, stellte die Jury anerkennend fest.

Leer ausgehen musste jedenfalls keiner der acht Finalisten: Sie alle dürfen sich darauf freuen, auf Einladung der Bundestagsabgeordneten Rainer Arnold (SPD), Matthias Gastel (Grüne), Michael Hennrich und Markus Grübel (CDU) hinter die Kulissen der Regierungsgeschäfte in Berlin zu blicken.

Sowohl Clara Schwarz und Leon Grimm als auch Martina Gierlich und Lea Papadoupolous belegten in ihrer Altersklasse jeweils den ersten und zweiten Platz und lösten damit das Ticket für die Landesqualifikation des Debattierwettbewerbs. Nach dem Besuch eines Siegerseminars der Hertie-Stiftung dürfen sie ihre Schulen im Landesfinale am 13. März in Stuttgart vertreten.