Kirchheim

„Qunst.quintett“ versprüht Spiellaune

Konzert Die preisgekrönte Bläsercombo beschert dem Kirchheimer Publikum einen hochkarätigen Abend.

Kirchheim. Farbig, raffiniert, stilsicher - so lässt sich das Konzert des „qunst.quintetts“ in der Kirchheimer Stadthalle skizzieren. Für die klangfarbige Vielfalt sorgt schon die austarierte Besetzung des Bläserquintetts, das als Stipendiat des Deutschen Musikrats nach Kirchheim gekommen war und an diesem Abend mit Alexander Koval an der Flöte, Mariano Esteban Barco an der Oboe, Martin Fuchs an der Klarinette, Raphael Manno am Horn und Johannes Hund am Fagott zu erleben war.

Anzeige

Mit hoher kompositorischer Raffinesse wartete das Konzertprogramm auf, das einen ebenso anspruchsvollen wie auch unterhaltsamen Bogen von der Wiener Klassik über romantische Gefilde bis in die Welt des Jazz spannte. Inmitten dieses stilistisch breit gefächerten Repertoires war Pianistin Ah Ruem Ahn den fünf Bläsern mehr als nur eine solide Begleiterin. Die aus Südkorea stammende Gewinnerin des Edward-Grieg-Wettbewerbs begeisterte nicht nur das New Yorker Publikum anlässlich ihres Debüts in der Carnegie Hall, auch in der Teckstadt überzeugte die junge Künstlerin mit feinsinnig ausgeleuchteter Klangkultur und virtuoser Akkuratesse.

Klarinettist Martin Fuchs, der als kundiger Conférencier durchs Programm führte, wies das Publikum auf die Nähe zu Mozart hin, die der junge Ludwig van Beethoven mit seinem Quintett Op. 16 suchte. Ersichtlich tritt Beethoven hier mit Mozart in Wettstreit. Er bedient sich derselben Besetzung, derselben Tonart und formalen Disposition. Dies unterstreichen Anklänge an Opernthemen Mozarts, insbesondere aus dessen Don Giovanni, wie sie im langsamen Satz Andante cantabile zu hören waren. Die Künstler zeigten sich bestens eingespielt und versprühten Spiellaune.

Pariser Flair in Kirchheim

Als Hommage an die Metropole Paris entpuppte sich Francis Poulencs Sextett FP 100. Die hochengagierte Darbietung weckte die grandios auskomponierte Großstadtprosa Poulencs zu prallem Leben: Hektik der Boulevards, Flaneure in den Parkanlagen und das Milieu der nächtlichen Vergnügungsviertel. Zur regelrechten Big Band mutierte das „qunst.quintett“ mit Lalo Schifrins „La nouvelle Orleans“. Schifrin, kongenialer Grenzgänger zwischen Klassik und Jazz, kleidet hier Anklänge der großen Tradition des New-Orleans-Jazz ins Gewand artifizieller Kunstmusik. Kurzerhand wandelt sich das Horn zur Trompete, das Fagott produziert Posaunenklänge. Eine intelligente, ansprechende Komposition, die beim Publikum großen Zuspruch fand.

Die Entdeckung des Abends war das Sextett von Hans Huber. Um 1900 gehörte er zu den führenden Musikern der deutschsprachigen Schweiz. Sein Sextett spiegelt die Bewunderung, aber auch die intensive Auseinandersetzung mit den Werken Schumanns und Brahms wider. Ursprünglich hatte Huber den vier Sätzen programmatische Titel mitgegeben, sagte Martin Fuchs. Mit „Brunnen“ etwa war der sprudelnd-quirlige zweite Satz überschrieben. Nicht minder treffend der elegisch gehaltene und mit kraftvollen rhapsodischen Gesten anhebende langsame Satz, der als „Rückblick“ firmierte. Gemeinsam mit der fabelhaften Ah Ruem Ahn bescherte das „qunst.quintett“ dem Kirchheimer Publikum einen hochkarätigen Abend, der das Repertoire auch eingefleischter Konzertgänger fruchtbar zu erweitern wusste. Mehr kann man nicht verlangen.Florian Stegmaier