Kirchheim

Radwege sorgen für mehr Lärm

Verkehr Die Radler haben in der Stuttgarter Straße eine eigene Spur bekommen. Ihre Führung verwirrt manchen Autofahrer, soll aber sicherer sein. Von Iris Häfner

Radfahrer sind in der Stuttgarter Straße in Kirchheim nicht mehr auf dem kombinierten Fuß- und Radweg unterwegs, sondern haben e
Radfahrer sind in der Stuttgarter Straße in Kirchheim nicht mehr auf dem kombinierten Fuß- und Radweg unterwegs, sondern haben eine eigene Spur mit Verschwenkungen bekommen. Foto: Carsten Riedl

Im Zickzackkurs nach Wendlingen? Ganz so schlimm ist es nicht, wenn auch auf den ersten Blick für viele Autofahrer die Verkehrsführung in Ötlingen verwirrend und gewöhnungsbedürftig ist. Wer auf der sanierten Stuttgarter Straße fährt, sieht sich unweigerlich aufgemalten Verschwenkungen ausgesetzt. Neben dem breiten Gehweg, auf dem sich einstmals Fußgänger und Radler in Koexistenz bewegten, ist nun auf der Fahrbahn die Radspur eingezeichnet. Im Einmündungsbereich von Straßen ist sie rot markiert, um dann danach in Richtung Fahrbahnmitte zu schwenken. Der Grund: Autos können hier parken. Sind dort jedoch keine Pkw abgestellt, wundert sich der eine oder andere Fahrzeuglenker, weshalb er in Richtung Gegenfahrbahn gelenkt wird.

„Im ersten Moment scheint es ungewöhnlich“, sagt Dennis Koep, Sprecher der Kirchheimer Stadtverwaltung. Die neue Verkehrsführung soll jedoch der Sicherheit der Radler dienen, sie gibt es schon in anderen Straßen Kirchheims, etwa der Henriettenstraße. „Die Agenda-Gruppe Initiative ,FahrRad‘ war mit eingebunden“, erklärt Dennis Koep. Bewusst habe man sich gegen den kombinierten Fuß- und Radweg entschieden - wegen der Beifahrer. Die würden beim Aussteigen oft einfach nur die Tür aufreißen, ohne sich umzudrehen und auf mögliche Radfahrer zu achten, die von hinten auf dem Radweg heranbrausen. „Laut den Kollegen vom technischen Rathaus gibt es mit den verschwenkten Radwegen weitaus weniger Probleme“, sagt der Sprecher.

Nicht aus der Luft gegriffen sei diese Art der Verkehrsführung. Sie stützt sich auf die „Empfehlungen für Radverkehrsanlagen“, ein technisches Regelwerk für Radwege. „Wir haben uns bei der Stuttgarter Straße für die alternierende Anordnung von Parkplätzen entschieden“, erklärt Dennis Koep. Auf geraden Straßen würden Autofahrer gerne schnell fahren, mit den eingebauten beziehungsweise aufgemalten Verschwenkungen soll dies vermieden werden - erst recht, wenn Tempo 30 gilt.

„Mit dieser Anlage soll das den Fahrern bewusst werden“, so der Sprecher. Die Verlegung des Radverkehrs auf den Fahrradschutzstreifen auf der Fahrbahn soll den schwächeren Verkehrsteilnehmern - Fußgänger und Radfahrer - jeweils mehr eigenen Verkehrsraum verschaffen. „Diese Regelung ist eine Vorgabe des Landes Baden-Württemberg“, erklärt er.

Parken keine Autos auf der Straße und ist kein Radler in Sicht, dürfen die Linien überfahren werden. „Der Radstreifen ist kein verbotener Raum. Allerdings sollten laut Straßenverkehrsordnung diese Markierungen nur bei Bedarf überfahren werden“, sagt Dennis Koep. Die innere Fahrbahn, also der Bereich, der für Fahrzeuge bestimmt ist, ist viereinhalb Meter breit. Das bedeutet, dass zwei Lkw nicht aneinander vorbeikommen.

„Das Ziel war und ist es, die Stuttgarter Straße verkehrssicher zu machen und den Verkehrslärm zu verringern“, erklärt der Sprecher. Letzteres ist jedoch laut Aussage von vielen Anliegern nicht gelungen. Werden die Markierungen überfahren, gibt das laute Geräusche. Diese Problematik wurde auch schon in der Sitzung des Gemeinderats Anfang Juni thematisiert. Die Verwaltung hat zugesichert, Lärmmessungen vorzunehmen.

Die Markierungen müssen gut erkennbar sein. Sie verfügen deshalb über eine Retroreflexion. „Die wird durch die Einstreuung von Reflexkörpern, das sind Mikroglasperlen, mit bis zu zwei Millimetern Dicke erreicht. Die Überhöhungen sind technisch notwendig. Vor allem bei Nässe und im Dunkeln ist diese Eigenschaft des Schutzstreifens sehr wichtig für die Sicherheit der Radfahrer“, erläutert Dennis Koep. Das Absenken der Markierung würde diese Eigenschaft zunichtemachen. „Im Moment sind die Ränder noch sehr scharfkantig. Unter Betrieb stumpfen sie sich erfahrungsgemäß ab, und das Überfahren wird geräuscharmer“, sagt Dennis Koep.

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