Kirchheim

Raupen fressen Bäume kahl

Landwirtschaft Die Apfelbaumgespinstmotte findet dank des warmen Wetters optimale Bedingungen auf den Streuobstwiesen. Bei befallenen Ästen hilft nur Absammeln oder Abschneiden. Von Iris Häfner

Mancherorts, wie hier in Notzingen, sind die Apfelbäume von Gespinnstmotten kahlgefressen.  Foto: Jean-Luc Jacques
Mancherorts, wie hier in Notzingen, sind die Apfelbäume von Gespinnstmotten kahlgefressen. Foto: Jean-Luc Jacques

Trostlos sehen sie aus, die Apfelbäume: statt saftig grüner Blätter ragen vielerorts kahle Äste in den stahlblauen Himmel. Im besten Fall ist an vielen Bäumen das Blattwerk verschrumpelt, doch auch hier ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie jegliche Farbe verlieren, braun werden und abfallen. Im schlimmsten Fall steht der komplette Baum nahezu kahl auf der Wiese. Der Grund: Die Apfelbaumgespinstmotte ist hier zur Höchstform aufgelaufen.

„Es ist dieses Jahr regional unterschiedlich, wie stark sie auftritt. Von Jahr zu Jahr ist es verschieden, wo sie ihre Eier ablegt“, sagt Jens Häußler, Ansprechpartner für Obst- und Gartenbauberatung im Landratsamt Esslingen. Das heiße Wetter gefällt dem kleinen Insekt außerordentlich. So ist zum Beispiel Owen betroffen, aber auch Notzingen und Wellingen sowie Neuffen. Die Gespinnstmotten sind absolute Spezialisten, quasi für jede Baumart gibt es eine eigene Spezies, beispielsweise für Mehlbeere, Traubenkirsche oder Pflaume.

Zurzeit fliegen die Motten und paaren sich. „An ein- bis zweijährigen Blatt-Trieben legen sie ihre Eier ab“, erklärt Jens Häußler. Die Eier trocknen aus und bilden eine Schutzschicht. „Die ist recht robust“, sagt der Berater. Die Raupen dieser kleinen Schmetterlingsart, die die Bäume kahl gefressen haben, wurden vergangenes Jahr an den jungen Trieben abgelegt. „Wenn der Baum im Frühjahr austreibt, gehen sie in die Blattknospen rein. Die Raupen wachsen mit den Blättern mit und spinnen sich ein. Das ist eine Schutzschicht“, erläutert Jens Häußler.

Die Gespinnstmotten sind schwer zu bekämpfen. „Es hilft nur, sie abzusammeln oder die Äste rauszuschneiden“, sagt der Fachmann. In den Obstanlagen wird gespritzt. Das ist jedoch ein zweischneidiges Schwert. Da die Motten zur Gattung der Schmetterlinge gehören, werden auch alle anderen Falter durch das Gift getötet. Das Spritzen muss in einem frühen Stadium erfolgen. Haben die Raupen erst einmal ganze Astpartien umwebt, können sie unter diesem Schutz ungestört das Laub fressen - und für die Bekämpfung mit Pflanzenschutzmitteln sind sie darunter nicht mehr erreichbar. Allerdings sind die Gespinstmotten Nahrungsquelle für Schlupfwespen.

„Es ist selten, dass ein kompletter Baum kahlgefressen ist. Nur in diesem Extremfall lässt der Baum die Früchte fallen“, erklärt Jens Häußler. Doch auch hier naht die Rettung in Form des Johannistriebs, der zweite Austrieb des Jahres, der jetzt im Sommer einsetzt. „Der Baum ist zwar geschwächt. Wenn er gesund ist, macht es ihm aber nicht übermäßig viel aus“, so der Fachmann. Wer seine Obstbäume schützen möchte, sollte sie im kommenden Jahr in der Blütezeit genau auf kleine, frisch geschlüpfte Räupchen auf den Blattknospen kontrollieren.

Die fahl gelblich gefärbten Raupen mit seitlichen schwarzen Punktreihen werden etwa drei Zentimeter groß und haben einen schwarzen Kopf. Sie bilden dann Kokons. Es sind weiße, nahezu ordentlich aufgereihte Puppenhüllen, die ebenfalls unter Gespinst geschützt sind. Die daraus schlüpfenden, knapp zwei Zentimeter kleinen Schmetterlinge sind strahlend weiß mit schwarzen Pünktchen.

Im Gegensatz zum Eichenprozessionsspinner geht für Menschen weder von den Gespinsten noch von den Raupen der Apfelbaumgespinstmotte eine gesundheitliche Gefahr aus.

Gespinnsmotte
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