Kirchheim

Schrittweise in Richtung Normalität

Freizeit Das Aufatmen beim Team der Tanzschule Winkle war groß, als der Betrieb unter Auflagen wieder aufgenommen werden konnte. Einschränkungen gibt es, aber es überwiegt die Freude, wieder zu tanzen. Von Katja Eisenhardt

Nicole und Peter Winkle bringen ihren Schülern wieder live das Tanzen bei. Foto: Katja Eisenhardt
Nicole und Peter Winkle bringen ihren Schülern wieder live das Tanzen bei. Foto: Katja Eisenhardt

Nach und nach trudeln die sieben Tanzpaare an diesem Montagabend im großen Saal der Tanzschule Winkle in der Paradiesstraße ein. Am Eingang desinfizieren sie sich erstmal die Hände. Um von den Straßenschuhen in die mitgebrachten Tanzschuhe zu schlüpfen, verteilen sich die Paare mit dem gebotenen Abstand an den Tischen rund ums Parkett. Garderobe und Barbereich bleiben derzeit noch gesperrt. Pausengetränke werden vom Personal auf einem Tisch hergerichtet.

Der Zugang zu den beiden Sälen der Tanzschule ist neu geregelt: Während man zum großen Saal nach wie vor übers Treppenhaus gelangt, müssen die Tänzer für den kleinen Saal die Feuertreppe außen am Haus nehmen. „So können wir den Abstand von 1,50 Metern gewährleisten“, erklärt Inhaber Peter Winkle. Zusätzlich wurden die Kurse um 15 Minuten von 90 auf 75 Minuten verkürzt, sodass sich aufeinander folgende Gruppen im Treppenhaus nicht begegnen. Trotz all der ungewohnten Maßnahmen.

Man sieht die Freude in den Gesichtern der Tänzer darüber, dass es endlich wieder losgeht. Seit 2. Juni haben die Tanzschultüren unter strikten Auflagen wieder geöffnet. Seit 9. Juni dürfen auch Tanzpaare aus verschiedenen Haushalten wieder gemeinsam das Tanzbein schwingen, vorausgesetzt, sie tun das über einen längeren Zeitraum ohne Wechsel. Der Betrieb wird nun ohne Ferien bis zum Jahresende fortgesetzt. „Wir sind wirklich froh, dass man endlich wieder tanzen kann, die Auflagen nimmt man dafür in Kauf“, sagen Ursula und Dieter Werner, die seit elf Jahren aus Bissingen zum Tanzunterricht kommen. Nebenan sitzen Susanne und Henning Steudle, die schon seit 22 Jahren das Tanzen als Hobby für sich entdeckt haben. „Live macht das einfach mehr Spaß als per Videoschalte“, findet das Ehepaar.

Tanzlehrer Holger Schopf und Stefanie Platz
Tanzlehrer Holger Schopf und Stefanie Platz.

„Die Zeit nach der pandemie-bedingten Schließung ab 16. März ist für alle Neuland und eine sehr ungewisse Zeit gewesen“, berichtet Peter Winkle, der seine Tanzschule seit 37 Jahren führt. Zügig hat das Tanzschulteam Videokurse angeboten. Solotänze wie Zumba oder Hip Hop seien dann als erstes wieder möglich gewesen. Größere Gruppen wurden wo nötig aufgeteilt, sodass jedem zehn Quadratmeter Fläche zur Verfügung standen.

Das gilt auch für die Tanzpaare. Gelbes Klebeband am Boden weist dezent auf die nötigen Abstände hin. Im großen Saal wären so bis zu zwölf Paare möglich, im kleinen sieben, in den Räumen der Tannenbergstraße sechs. Für die Kurse muss man sich jeweils vorab online anmelden. „Auf raumgreifende Bewegungen und Tänze wird derzeit verzichtet“, erklärt er. Für die Platztänze blieben aber immer noch genug Optionen wie etwa Rumba, Samba, Salsa, Disco Fox oder auch Pendel-Walzer und der aktuelle Paar-Tanz des Jahres: Swing.

Während die Jugend bereits wieder tanzen darf, werde mit dem Kindertanzen von drei bis acht Jahren noch gewartet. „Das wäre einfach nicht möglich, die Abstände einzuhalten“, so Peter Winkle. Auch die eigentlich sehr gut in Anspruch genommenen Schülerkurse für die Klassenstufe neun starten erst wieder im September statt wie normalerweise im Mai. „Da ist für uns schon viel weggebrochen, normal sind das etwa 200 Schüler. Genauso was die Hochzeitspaare angeht.“ Auch die eigentlich 14-tägig stattfindenden Discopartys für Jugendliche fallen aktuell aus. Dazu fehlt ein Großteil des Gastronomiebetriebs der letzten Monate. „Wir haben inklusive der Gehälter monatliche Fixkosten von rund 25 000 Euro. Von März bis Juni haben wir einen Fehlbetrag von 45 000 Euro, 15 000 Euro davon konnten wir dank der Soforthilfe auffangen“, berichtet Peter Winkle. Käme eine zweite Schließung, wäre das „eine Katastrophe.“ Zumal die Renovierung des großen Saals erst kurz vor Corona abgeschlossen war und auch dadurch Kosten anfielen.

Drei Fragen an Tanzlehrer Holger Schopf

Tanzlehrer Holger Schopf und Stefanie Platz
Tanzlehrer Holger Schopf und Stefanie Platz.

1.) Seit wann läuft der Betrieb in der Tanzschule in Dettingen wieder und unter welchen Auflagen?

Bei uns läuft es unter Auflagen wieder seit dem 2. Juni. In Sachen Hygieneregeln haben wir die Intervalle der Reinigung erhöht. Alle Bereiche werden mindestens einmal täglich komplett desinfiziert. Für die einzelnen Paare stehen jeweils 25 Quadratmeter in den Kursen zur Verfügung. Vortanzen dürfen die Paare nur einzeln, und die Schritte können wir nur mit einem Abstand von 1,5 Metern korrigieren. Im Gaststättenbereich wurden die Auflagen bereits deutlich gelockert. Inzwischen können bis zu fünf Paare an einem Tisch in der Lounge sitzen. Unsere Mitarbeiter tragen durchgängig einen Mund-Nasen-Schutz.

2.) Finden bereits wieder alle Kurse statt?

Fast alle. Eine Ausnahme bilden die Kinderkurse, da es uns unmöglich erscheint, Kleinen die Abstandsregelung zu erklären. Außerdem wollen wir, dass die Kinder in den Kursen rennen und miteinander spielen können. Jugendkurse führen wir aktuell auch noch nicht durch, diese bieten wir erst wieder zum neuen Schuljahr an.

3.) Wie geht es weiter?

Seit 1. Juli sind die Verordnungen gelockert, was uns mehr Möglichkeiten eröffnet. Trotzdem werden wir diese noch nicht bis zum maximal Erlaubten ausreizen. Die Umkleiden und Duschen bleiben gesperrt, zudem belassen wir es weiterhin bei zehn bis 20 Quadratmetern Tanzfläche pro Paar. eis

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