Kirchheim

Schüler fühlen Politikern auf den Zahn

Fragestunde Zu ihrem „Tag der Demokratie“ hatte die Kirchheimer Freihof-Realschule die drei hiesigen Landtagsabgeordneten eingeladen. Zehntklässler haben dabei eine Podiumsdiskussion gestaltet. Von Andreas Volz

Die drei Kirchheimer Landtagsabgeordneten Andreas Schwarz, Karl Zimmermann und Andreas Kenner stehen in der Freihof-Realschule R
Die drei Kirchheimer Landtagsabgeordneten Andreas Schwarz, Karl Zimmermann und Andreas Kenner stehen in der Freihof-Realschule Rede und Antwort.Foto: Markus Brändli

Demokratie an der Schule - das kann spannend sein, informativ und sogar lustig. Auf jeden Fall lernen die Schüler dabei eine Menge fürs Leben. Vor allem lernen sie, dass nicht immer alles ganz so einfach ist, wie man vielleicht denkt.

Waffenexporte? Stellvertretend für sich und seine beiden Landtagskollegen aus dem Wahlkreis Kirchheim sagt der Grünen-Abgeordnete Andreas Schwarz zu den Zehntklässlern in der Freihof-Realschule: „Das wäre eine Frage für die Bundestagsabgeordneten. Das Land ist dafür nicht zuständig.“ Aber ganz so einfach will er es sich doch nicht machen. Er ergänzt, dass das Land Baden-Württemberg bei seinen Pensionsfonds darauf achtet, dass keine Waffenexporteure mit den Geldanlagen unterstützt werden.

Karl Zimmermann (CDU) erzählt an dieser Stelle gleich die Geschichte der Menschheit nach: „Wenn deutsche Firmen jetzt die Produktion einstellen, übernehmen Amerikaner, Russen oder Chinesen den Markt. Dann wird keine einzige Waffe auf der Welt weniger hergestellt. Und wenn man auf der ganzen Welt plötzlich keine Waffen mehr produzieren würde, dann kommt einer, der eine Axt als Waffe benutzt - und alles geht von vorne wieder los.“

Wer ist „gut“, wer ist „böse“?

Andreas Kenner (SPD) bekennt: „Ich bin gegen privaten Waffenbesitz.“ Er sieht auch das Problem, dass Waffen schnell in die falschen Hände geraten können, selbst wann man sie grundsätzlich nur an Bündnisgenossen liefert. Umso schwieriger ist es, die „Richtigen“ und die „Falschen“ zu benennen: „Es gab Zeiten, da haben ,gute‘ Taliban westliche Waffen bekommen, um auf ,böse‘ Sowjetsoldaten zu schießen. Und heute sind es die ,bösen‘ Taliban, die dieselben Waffen gegen deutsche Soldaten einsetzen.“

Ein Schüler fragt kritisch nach, warum die Grünen Spenden von Südwestmetall annehmen. Schon geht es um die Finanzierung, die in der Politik so wichtig ist wie überall. „Spenden sind immer heikel“, sagt Andreas Kenner, um sich und seinen SPD-Landesverband dann gleich elegant aus der Schusslinie zu nehmen: „Man spendet immer an den, der etwas umsetzen kann - und das ist nicht die Opposition.“

Andreas Schwarz dagegen versucht sich herauszuwinden: Südwestmetall sei ein großer Arbeitgeberverband, in dem Waffenhersteller ebenso vertreten sind wie Produzenten von Elektrofahrzeugen. „Da kann man dann schon mal Geld annehmen. Aber einen reinen Waffenproduzenten würden wir zurückweisen.“

Auch bei den anderen Themen, nach denen die engagierten Schüler an ihrem „Tag der Demokratie“ fragen, gibt es immer zwei Seiten einer Medaille zu betrachten. Massentierhaltung, Diesel-Fahrverbote, Lehrermangel, Krise der Volksparteien, zuckerhaltige Lebensmittel oder Plastikmüll - nicht immer ist alles nur schlecht, sagen die Politiker: „Wer im besten Glauben einen Diesel gekauft hat und ihn weiterhin fahren möchte, ist deswegen kein schlechter Mensch.“

Das gilt auch für den Verbraucher, der Ungesundes mag - wie Schokoriegel. Andreas Kenner nennt einen guten Grund dafür: „Die schmecken ja auch wirklich gut.“ Trotzdem haben es die Verbraucher in der Hand, durch ihre Kaufentscheidungen etwas für sich oder für die Umwelt zu tun: Jeder der Abgeordneten schwärmt deshalb in der Freihof-Realschule vom Biohof seines Vertrauens.

Karl Zimmermann erwähnt aber noch etwas Außergewöhnliches bei dieser Veranstaltung. Er bezeichnet seine beiden Kollegen als seine Freunde und stellt fest: „Nicht jeder Wahlkreis hat drei Abgeordnete - die sich auch noch gut miteinander verstehen.“

Was bleibt von der Politik-Doppelstunde im Freihof? Der Aufruf der Abgeordneten an die Schüler, sich zu engagieren und wählen zu gehen; der Eindruck der aufmerksamen Schülerschar, dass sich die Politiker Zeit genommen haben und dass sie die Fragen der Schüler ernst genommen haben. Und es bleibt der Eindruck, dass auch aus den heutigen Schülern brauchbare Politiker werden können, denn sie hatten die Veranstaltung und ihre Gäste jederzeit im Griff. Besonders zu loben sind die Moderatorinnen Marie und Janina, die immer wieder charmant an die strengen Zeitvorgaben erinnerten.

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